e-paper für: 6069489 Politik
Mitt och, 11. Mär 2
9
KS-BRD
Das Jahr 1949 in unserer Region Chronik
Chronik 1949 Deutschland
Bad Hersfeld. Eine Goethe-Festspielwoche in der Stiftsruine zum 200. Geburtstag des Dichters legt den Grundstein für die Hersfelder Festspiele.
3.2. Die Fünferkommission des Parlamentarischen Rats einigt sich darauf, West-Berlin neben den elf Ländern der westlichen Besatzungszonen als zwölftes Bundesland in die Präambel des Grundgesetzes aufzunehmen.
Kassel. Die im Krieg nur wenig beschädigte Stadthalle wird wieder eingeweiht.
10.5. Bonn wird vom Parlamentarischen Rat zur vorläufigen Bundeshauptstadt gewählt. Von 62 gültigen Stimmen entfallen 33 auf Bonn, 29 auf Frankfurt.
Wolfhagen. Die Bürgermeisterwahl muss dreimal wiederholt werden – vor allem wegen juristischer Unklarheiten im hessischen Innenministerium. Zeitweise gab es zwei gewählte Bürgermeister, ehe am 14. Dezember der bereits im ersten Anlauf gewählte Berthold Kommalein bestätigt wurde.
12.5. Die Sowjetunion hebt die Berlin-Blockade auf. 18.-20.5. Alle westdeutschen Landtage mit Ausnahme Bayerns billigen das Grundgesetz.
Witzenhausen. Die erste große „Verkaufs- und Leistungsschau“ des Witzenhäuser Gewerbes mit 17 Betrieben aus Stadt und Umgebung lockt am ersten November-Wochenende fast 5000 Besucher in die Turn- und Festhalle. Es folgen große Modenschauen der Textilfachgeschäfte und des Schneiderhandwerks im Löwensaal. Arolsen. Alexandra zu Waldeck, die zweitälteste Tochter des Fürsten Josias und seiner Gemahlin Altburg, heiratet Prinz Botho zu Bentheim und Steinfurth. Josias war 1947 im Buchenwaldprozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Fritzlar. Erste Verkaufsmesse nach dem Krieg mit über 100 Ausstellern aus Industrie, Handwerk und Gewerbe.
23.5. Feierliche Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland in Bonn. 30.5. Der Deutsche Volkskongress billigt die Verfassung der DDR.
Erste Fronleichnamsprozession – in Farbe verewigt Flatternde Fahnen, geschmückte Altäre und über 5000 festlich gekleidete Menschen: Im Juni 1949 fand in Fritzlar, der katholischen Enklave im protestantischen Nordhessen, die
erste Fronleichnamsprozession nach dem Krieg statt. Das Allerheiligste wurde von Altar zu Altar durch die Stadt getragen. Unser Foto: Auf dem Marktplatz versammelten sich
die Gläubigen zum Gottesdienst vor dem Hotel Nägel, das zu der Zeit auch CaritasHaus hieß. Damals wie heute spielte der Katholische Bläserchor dazu. Das farbenprächtige
Ereignis hielt der letzte US-Besatzungsoffizier in Fritzlar, Earl H. Lubeoansky, mit seinem Fotoapparat auf Farbfilm fest – 1949 eine echte Seltenheit. (ula) Foto: Stadtarchiv Fritzlar/nh
VON FRANK THONICKE KASSEL. Der Sat ar ebenso einfach ie folgenreich: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dass er im Grundgeset steht, erdanken ir der Kasseler Politikerin Elisabeth Selbert. Liest man Porträts der 1896 in Kassel geborenen Frau, dann erscheint sie oft unnahbar – als strenge Kämpferin, die unbeirrt ihr Ziel erfolgte. Aber Elisabeth Selbert ar iel mehr. Ehefrau, Mutter, Oma. Im hohen Alter spielte sie noch mit ihren Enkeln Federball. Sie machte Heu und kochte ein, pflegte ihre Rosen im Garten und trank abends gern ein Glas Rot ein. Als 22-Jährige ar Elisabeth Selbert 1918 in die SPD eingetreten. Sie ar eine junge Frau, die aus einfachen, christ-
lichen Verhältnissen stammte. So iale Benachteiligung hatte sie am eigenen Leib erfahren. Was auch heute noch sch er genug ist, ar in den 2 er-Jahren des origen Jahrhunderts eine ahre Herkules-Aufgabe: Elisabeth Selbert organisierte als Mutter on ei Kindern den Haushalt, holte gleich eitig das Abitur nach und schrieb 193 ihre Doktorarbeit um Thema „Zerrüttung als Ehescheidungsgrund“. Fast 5 Jahre später urde das 1977 durch die Eherechtsreform Geset . Gerade noch be or die Nais den Beruf für Frauen erboten, urde Elisabeth Selbert An ältin. Sie musste die Familie alleine durchbringen. Ihr Mann galt als Staatsfeind und bekam keine Arbeit. Elisabeth Selbert durfte sich des egen
Elisabeth Selbert 1940er-Jahren.
in
den
Foto: privat/nh
keine politischen Eskapaden leisten – einen Kotau or den Na is machte sie aber nie.
Durchsetzungsvermögen Sie usste also, über as sie sprach, enn sie die Gleichberechtigung forderte. Und sie set te sich gegen ihren Parteiorsit enden Kurt Schuma-
Helsa. Das Flüchtlingsdorf Waldhof wird übergeben. Hofgeismar. Aus dem Gericht: Ein Monat Gefängnis wegen Fahrens ohne Fahrkarte zwischen Kassel und Warburg, sechs Tage Gefängnis wegen Fahrens mit einem Traktor ohne Licht.
Spangenberg. Das am 1.4.1945 durch Brandbomben zerstörte Schloss, im Krieg Internierungslager für britische Offiziere, soll wieder aufgebaut werden.
cher durch, als sie sich mit überparteilichen Frauenorganisationen erband. Elisabeth Selbert reiste durchs Land, um für ihren Artikel im Grundgeset u erben und erhielt aschkörbe eise ustimmende Post. 1948 urde die Mutter der Gleichberechtigung als eine on ier Frauen in den Parlamentarischen Rat aufgenommen, der das Grundgeset entarf und erabschiedete. Am 18. Januar 1949 ar es dann so eit. Ohne Gegenstimmen urde der Selbert’sche Sat erabschiedet: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ So klar und schnörkellos lautet seitdem Artikel 3 Absat 2 Sat 1 des Grundgeset es. Elisabeth Selbert starb am 9. Juni 1986 im Alter on 89 Jahren in ihrer Heimatstadt Kassel.
Bonn stach Kassel aus
Fritzlar. 100 Jahre Liedertafel. Es gibt ein dreitägiges Fest, zum historischen Festzug kommen über 10 000 Menschen.
Immenhausen. Die Glashütte Süßmuth feiert 25-jähriges Bestehen. Richard Süßmuth baute die kriegszerstörte Hütte in drei Jahren mit 240 Beschäftigten wieder auf.
14.8. Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag.
Mutter der Gleichberechtigung Die Kasseler Solzialdemokratin Elisabeth Selbert schrieb das Grundgesetz mit
Neue Fuldabrücke: „Noch vor einem Jahr machten die Fahrzeuge einen weiten Umweg, um über die Fulle zu kommen. Heute gehört der brausende Verkehr auf der neuen Brücke zum Kasseler Alltag. Giganten der Landstraße wechseln mit flinken Personenwagen und gemütlichen Pferdegespannen, Spaziergänger mit hastenden Heimkehrern“, betexteten die Hessischen Nachrichten vom 26. März 1949 dieses Foto von Kurt W. L. Mueller.
10.7. In Stuttgart wird der VfR Mannheim mit einem 3:2 nach Verlängerung gegen Borussia Dortmund Deutscher Fußballmeister.
Erster Zissel in den Trümmern Nach langer Pause scholl er wieder durch Kassel, der so beliebte Schlachtruf: „Fullewasser, Fullewasser, hoi, hoi, hoi!“ Nach zehn Jahren Pause feier-
ten Zehntausende wieder ihr Volksfest, den Zissel. Kassel lag noch zu großen Teilen in Trümmern, doch alle Not und Sorgen hielten die Menschen
nicht ab, zum Rathaus zu stürmen. Gefeiert wurde dann auf den Plätzen der Schwimmund Rudervereine an der Fulda. Foto: HNA-Archiv
KASSEL. Am 1 . Mai 1949 fiel die Entscheidung: Nicht Kassel, sondern Bonn urde die erste bundesdeutsche Hauptstadt. Dabei hatte Kassels Oberbürgermeister Willi Seidel ge ichtige Argumente ins Feld geführt: Die günstige Lage an den „Reichsautobahnen“, die Lage im Her en Deutschlands, die nahen Flughäfen Waldau, Roth esten und Frit lar. Der Kan ler und die Bundesregierung sollten im ehemaligen Generalkommando und im Rote-Kreu -Krankenhaus sit en, das Schloss Wilhelmshöhe sollte für Staatsempfänge dienen, und die Stadthalle ar als Sit des Bundesrates orgesehen. Doch es half nichts: Bonn set te sich gegen Kassel, aber auch gegen Frankfurt und Stuttgart durch. (tho)
12.9. Die Bundesversammlung wählt den Bundespräsidenten: Im zweiten Wahlgang setzt sich Theodor Heuss (FDP) gegen Kurt Schumacher (SPD) durch. 15.9. Der Bundestag wählt den ehemaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer (CDU) zum Bundeskanzler. 20.9. Bildung des ersten Kabinetts Adenauer aus CDU/CSU, FDP und Deutscher Partei.
Erster Bundeskanzler: Konrad Adenauer (CDU). Foto: dpa 7.10. Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). SED-Chef Wilhelm Pieck wird Präsident der DDR, Otto Grotewohl Ministerpräsident. 12.-14.10. Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in München. Erster Vorsitzender wird Hans Böckler.
... und die Welt 4.4. Gründung der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft (Nato) in Washington. 11.5. Israel wird in die Vereinten Nationen aufgenommen. 25.9. Die Nachrichtenagentur Tass meldet den ersten Atombombenversuch in der UdSSR. 1.10. Proklamation der Volksrepublik China durch KP-Führer Mao Tsetung.
e-paper für: 6069489 Donnerstag, 12. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD
Das Jahr 1950 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. Die Kasseler Musiktage finden nach zwölfjähriger Pause erstmals wieder statt.
31.1. Gründung des Müttergenesungswerkes durch Elly Heuss-Knapp (1881-1952), Ehefrau des Bundespräsidenten Theodor Heuss.
Wolfhagen. Rege Bautätigkeiten: 1950/51 werden allein in Wolfhagen 92 Bauvorhaben behördlich genehmigt, davon 28 Wohnungsbauten.
3.3. Unterzeichnung der SaarKonventionen: Das Abkommen garantiert die politische Autonomie des Saargebiets und legt dessen wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich fest.
Kassel. In der Stadt leben jetzt 162 132 Menschen.
4.4. Das DDR-Ministerium für Volksbildung verbietet das Abspielen von anglo-amerikanischer Tanzmusik.
Witzenhausen. Nach elf Jahren Pause findet in Witzenhausen wieder das traditionelle, seit 1857 vom zylinderbehüteten Festausschuss ausgerichtete, Erntedank- und Heimatfest statt.
Mai: In der Bundesrepublik entfallen die letzten Lebensmittelrationierungen.
Korbach. Aus dem Kreis Waldeck werden noch 2158 Wehrmachtsangehörige und 44 Zivilpersonen vermisst. Korbach. Von 1939 bis 1950 hat sich die Zahl der Einwohner des Kreises Waldeck um 29 900 (plus 48 Prozent) erhöht. Grund: Zuzug der Flüchtlinge aus dem Osten. Ein enormes Bauprogramm läuft an, fast jeder Ort erhält seine „Ostlandsiedlung“ (wie sie in Wega heißt). Kassel. Die Kaufhalle GmbH eröffnet ein Warenhaus in der Oberen Königsstraße. Der Neckermann-Versand verschickt Kataloge an die Haushalte. Kassel. Der Verein Deutscher Ingenieure tagt im Mai in Kassel, Motto: „Über die Verantwortung des Ingenieurs“. Im selben Monat wird die Abendschule für Technik ins Leben gerufen.
3.6. Den erstmals vergebenen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält der jüdische Erzähler Max Tau (1897-1976). 25.6. Der VfB Stuttgart wird nach einem 2:1-Sieg über die Offenbacher Kickers Deutscher Fußballmeister. 8.7. Hans Globke wird Personalchef im Kanzleramt. Er ist wegen seiner Tätigkeit als juristischer
Die Werra ist wieder überbrückt Am 10. Dezember 1950 war es soweit: Nach knapp halbjähriger Bauzeit wurde in Witzenhausen die neue Brücke über die Werra dem Verkehr übergeben. Die Bevölkerung nahm starken Anteil. Es mutete wie ein Volksfest an, als der erste
Lkw über das Bauwerk rollte. Fünf Jahre zuvor, am 7. April 1945, hatten abziehende deutsche Truppen – wie andernorts auch – die Werrabrücke sowie die Eisenbahnbrücke beim nahen Unterrieden gesprengt, als die US-Armee von Westen
kommend anrückte. In Witzenhausen sollte die Brücke im früheren Zustand wieder hergestellt werden, doch dagegen protestierten die Bürger beim Landesbauamt in Eschwege. Denn die alte Bauweise hatte bei Hochwasser einen Stau be-
wirkt, der den Fluss vor Witzenhausen 40 bis 50 Zentimeter höher steigen ließ. Im September 1949 sprach sich das Stadtparlament für den Bau einer modernen Variante aus. Im Folgejahr begannen die Arbeiten. (sff) Archivfoto: Stadtarchiv Witzenhausen Umstrittener Berater: Kanzler Adenauer mit Personalchef Hans Globke (rechts). Foto: dpa
Die Trümmer sind weg Tausende von Tonnen Schutt aus der Altstadt landeten an der Schönen Aussicht
5.8. Verkündung der „Charta der Heimatvertriebenen“ in Stuttgart: In der Charta verzichten die Landsmannschaften auf Rache und Vergeltung und fordern die Anerkennung des Rechts auf Heimat.
VON THOMAS SIEMON
Der Dampfer Elsa rollt durch Kassel: Zum 25. Zissel-Geburtstag gibt es außerdem wieder einen Wasserfestzug auf der Fulda Willingen. Die Mühlenkopfschanze wird zur Großschanze mit Anlaufturm umgebaut. Kassel. Die Waggonfabrik Wegmann baut zweistöckige Personenwagen für die Bundesbahn. Kassel. Auf dem Friedrichsplatz präsentiert die „Nordhessische Landesausstellung“ wirtschaftliche Erzeugnisse. An der Gartenbauausstellung auf dem Stadthallengelände nehmen 66 Firmen teil. Fritzlar. Bei einem Großbrand werden vier Familien obdachlos. Unsere Zeitung ruft zu Spenden auf. Kassel. Das vom ADAC auf dem Gelände des späteren Auestadions veranstaltete zweite Sandbahnrennen für Motorräder wird ein großer Erfolg. Wabern. In der Zuckerfabrik wird der Zucker knapp. Der Bürgermeister bittet die Bundesregierung um Rohmaterial. Immenhausen. Am 22. Mai zerstört ein verheerendes Unwetter die Mittelstraße. Hofgeismar. Die Volkshochschule des Landkreises Hofgeismar wird durch Professor Dr. Heinrich Grupe gegründet.
KASSEL. Es ar eine Herkulesaufgabe nach der Zerstörung im Z eiten Weltkrieg. Tausende on Tonnen Schutt mussten aus der Kasseler Altstadt geräumt erden. Vom Friedrichsplat bis ur Schönen Aussicht ( ischen dem heutigen Staatstheater und der Neuen Galerie) hatte man pro isorisch Schienen erlegt. Darauf urden Loren mit den Trümmern bis an den Rand des Hanges geschoben und dann ausgeschüttet. „Der Hang ar früher iel steiler, da ist jede Menge Schutt gelandet“, erinnert sich Zeit euge Hans Germandi (83). Auch das Auestadion ist auf Trümmerschutt gebaut. 195 ar das Stadtbild ar noch on Ruinen geprägt, Plät e und Straßen aber aren freigeräumt. Der Wiederaufbau konnte beginnen. Trot der erheblichen Zerstörungen durch die Bomben – E perten sehen Kassel auf einer Stufe mit Dresden – hätte in den Nachkriegsjahren noch einiges an historischer Bausub-
Kampf der Rattenplage KASSEL. Eine Rattenplage führt u außerge öhnlichen Maßnahmen. Vom 5. bis 11. No ember erden die Kasseler erpflichtet, die Nager u bekämpfen. Ein Rattenpaar hat jährlich 8 Nachkommen, die 6 Zentner Brot fressen, schreiben die Hessischen Nachrichten. Jeder Grundstücksbesit er muss in der Drogerie ein Ratten ernichtungsmittel kaufen und den Kassen ettel bei einer Kontrolle durch die Stadt orlegen. (tos)
Kommentator der NS-Rassengesetze umstritten.
1.9. Die Firma Henkel bringt mit einer großen Werbekampagne erstmals seit elf Jahren das Waschmittel Persil wieder auf den Markt. 7.9. Der erste deutsche Nachkriegsfarbfilm, „Schwarzwaldmädel“ mit Rudolf Prack und Sonja Ziemann, läuft in bundesdeutschen Kinos an. 9.10. Bundesinnenminister Gustav Heinemann (damals CDU) tritt aus Protest gegen die Haltung der Regierungsmehrheit zur Wiederbewaffnung zurück. Loren für den Abtransport: Vom Friedrichsplatz wurde der Trümmerschutt auf provisorischen Schienen zur Schönen Aussicht transportiert. Foto: Archiv Germandi/nh stan gerettet erden können. Viele alte Kasseler trauern bis heute dem längst nicht öllig erstörten Staatstheater nach. Auch das Karlshospital und die Garnisonkirche hätte man ieder aufbauen können.
Doch damit hielt man sich nicht lange auf. Die Menschen brauchten ein Dach über dem Kopf. Binnen kür ester Zeit urden iele Hausruinen in der Innenstadt abgerissen und Wohnungen gebaut. Anfang
der 5 er-Jahre aren 25 neue Quartiere fertig. Die beteiligten Hand erker konnten selbst eine der fertigen Wohnungen für günstiges Geld mieten. Entsprechend flott ging es oran.
19.10. Der Bundestag verabschiedet das Versorgungsgesetz für Kriegsopfer, das rückwirkend zum 1. Oktober in Kraft tritt. Es sieht für Kriegsbeschädigte je nach Umfang ihrer Erwerbsminderung Grundrenten zwischen 15 DM und 75 DM sowie Ausgleichsrenten zwischen 40 DM und 90 DM vor.
... und die Welt
„Rund um Battenberg“ lockt Motorrad-Fans Am 24. September 1950 startete das erste Motorrad-Rennen „Rund um Battenberg“. Bei der Premiere bejubelten 6000 Zuschauer an der Strecke vor allem Frieder Marc aus Bad Wildungen, der auf einer 500er-BMW in 5:16 Minuten die schnellste Runde fuhr. (had) Foto: HNA-Archiv Repro: Steber
4.4. Winston Churchill (Foto), der britische Premierminister, spricht sich als erster prominenter westlicher Politiker für einen deutschen Verteidigungsbeitrag aus. 6.6. Polen und die DDR erklären die Oder-Neiße-Linie zur endgültigen deutsch-polnischen Grenze. 25.6. Nordkoreanische Streitkräfte rücken in Südkorea ein: Beginn des Koreakrieges.
e-paper für: 6069489 Freitag, 13. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-L
Das Jahr 1951 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Bad Hersfeld. 13 150 Besucher sehen die ersten Hersfelder Festspiele in der Stiftsruine. Intendant ist der Max-Reinhard-Schüler Johannes Klein.
18.1. Premiere des Films „Die Sünderin“ in Frankfurt. Der Film wird wegen einer kurzen Nacktszene mit Hildegard Knef zu einem Skandal.
Kassel. Im Bergpark Wilhelmshöhe veranstaltet Hans Laugs das erste Lichterfest. 3000 Mitwirkende unterhalten 12 000 bis 15 000 Besucher mit Gesang und Tanz. Frankenberg. Der Neubau des Kreiskrankenhauses wird eingeweiht. Alle Patienten werden vom seit 1946 als Klinik dienenden Hotel Lengemann in die neue Klinik verlegt. Spenden kommen sogar vom „Frankenberger Krankenhausunterstützungsverein“ aus New York.
„Die Sünderin“: Hildegard Knef im Kino. Foto: dpa 10.4. Der Deutsche Bundestag verabschiedet das Gesetz über die Montan-Mitbestimmung. 19.4. Eröffnung der ersten Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt.
Wellerode. Ein Schäfer erschießt im Wald bei Wellerode einen Korbacher Viehhändler und raubt ihm 500 Mark. Kassel. Die „Gemeinnützige Bauunion Kassel“, eine Selbsthilfeorganisation der Heimatvertriebenen, errichtet für 800 000 Mark auf der Hasenhecke 78 Wohnungen. Rotenburg. Die Stadt schenkt dem Land Hessen das Schloss, den Marstall und die Remisen. Das ist der Grundstein für die spätere Landesfinanzschule.
Sepp Weiler (1921-1997) WILLINGEN. Skispringerlegende Sepp Weiler (Foto) macht die Mühlenkopfschane über Nacht berühmt: Am 13. Januar 1951 springt der Oberstdorfer 1 1 Meter eit: Willingen erfügt nun über eine der größten Schan en der Welt. Fast 2 Jahre hat Weilers Rekord Bestand. (gge) Kassel. Bei der Wohnraumbewirtschaftung von Altbauwohnungen und möblierten Zimmern tritt eine Lockerung ein. Die Eigentümer dürfen sich jetzt unter drei von der Wohnungsbehörde bestimmten Wohnungssuchenden einen Bewerber auswählen. Hofgeismar. Die im Krieg zerstörten Weserbrücken in Gieselwerder und Karlshafen werden wieder aufgebaut. Schwalmstadt. Aus ehemaligem Kriegsgefangenenlager wird ein Dorf: Die Siedlung Trutzhain wird zur selbständigen Gemeinde und ist damit die 79. im Kreis Ziegenhain.
29.4. Eröffnung der ersten Bundesgartenschau in Hannover.
Streit um Wiederaufbau des Staatstheaters Soll das alte preußische Staatstheater, das im Krieg schwere Bombentreffer abbekommen hat, am Hang oberhalb der Kasseler Karlsaue wieder aufgebaut werden? Oder soll am Friedrichsplatz ein neues Theater errichtet werden? Diese Frage
spaltet im Jahr 1951 die Kasseler Bevölkerung. Die Gegner des Wiederaufbaus meinen, der kaiserliche Bau erfülle nicht die Anforderungen eines modernen Theaters, er verstelle den Blick in die Landschaft. Auch müsse das Theater mehr ins Stadtzen-
werden verkauft – der Hauptgewinn ist ein Auto, ein Borgward Hansa. 230 000 Mark werden so für den Wiederaufbau gesammelt. Dazu kommt es trotzdem nicht. Es wird neu gebaut. Eröffnet wird das neue Haus aber erst 1959. (w.f.)
21.6. Die Vollkonferenz der Unesco in Paris beschließt die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland.
Protest gegen hohe Preise
30.6. Der 1. FC Kaiserslautern wird durch ein 2:1 gegen Preußen Münster Deutscher Fußballmeister.
Witzenhäuser Hausfrauen boykottierten Fleischer, die sperrten ihre Kunden aus
1.7. Auf der Berliner Avus wird erstmals seit Kriegsende wieder ein Autorennen ausgetragen.
WITZENHAUSEN. Anfang der 196 er-Jahre stieg die Nachfrage, gleich eitig kletterten aber auch die Preise. Darunter hatten or allem die noch immer ahlreichen Arbeitslosen soie die Flüchtlinge u leiden. Doch in Wit enhausen urde das nicht einfach stillsch eigend hingenommen. Bereits im Februar 1951 andte sich das Ortskartell des DGB in unge ohnt scharfer Form an die Öffentlichkeit, um u protestieren „gegen die dauernden Preissteigerungen, elche die an sich schon unureichenden Löhne usät lich schmälern“. Die Proteste allein fruchteten – auch damals schon – nur enig, der offene Konflikt ar nur eine Frage der Zeit. Er entündete sich im Sommer an den gesunkenen Einkaufspreisen für Sch einefleisch. Die hatte die Wit enhäuser Fleischerinnung ar ohl ollend ur Kenntnis genommen, nicht aber daran gedacht, sie an die Verbraucher eiter ugeben.
Selbsthilfe gegen Missstand Da forderte das DGB-Ortskartell am 28. Juni öffentlich „ on den Fleischermeistern, nun endlich ihre Preise mit den Einkaufspreisen in den richtigen Einklang u brin-
29.7. In Bayreuth finden die ersten Wagner-Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg statt. 31.8. Premiere des Films „Der Untertan“ von Wolfgang Staudte nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Mann in der DDR. 10.-14.9. Außenministerkonferenz der drei Westmächte in Washington zur Deutschlandpolitik. Die drei Westmächte beschließen, die Bundesrepublik „auf der Grundlage der Gleichberechtigung in eine kontinental-europäische Gemeinschaft“ zu integrieren. Die Bundesrepublik soll ferner an der westlichen Verteidigung beteiligt werden. Werbung im Festzug: Beim Erntefestumzug 1950 hatte die Fleischerinnung noch Werbung gemacht, im Jahr darauf verärgerte sie mit ihrer Preispolitik die Kunden. Foto: Stadtarchiv Witzenhausen gen“. Andernfalls sehe man sich ge ungen, „diesem unglaublichen Missstand durch Selbsthilfe ein Ende u bereiten“. Gespräche ischen Geerkschaft und Innung schlugen fehl. Nun kündigte das Ortskartell als Gegenmaßnahme einen Käuferstreik an, um Preisdruck aus uüben – ein einmaliger Vorgang in der Geschichte Wit enhausens.
Schwarzenborn. Während eines Tanzvergnügens an Himmelfahrt wird in Schwarzenborn ein 21-Jähriger ermordet.
In einer Kundgebung auf dem Marktplat forderte der DGB-Vorsit ende Karl Henkel or 7 Zuhörern die „Hausfrauen auf, jet t durch uhalten“. Sonst könnten sie die in enigen Wochen „in unersch ingliche Höhen steigenden Preise“ nicht mehr be ahlen. Die Fleischer ant orteten am 8. Oktober mit der Schließung ihrer Läden, as prak-
tisch die Aussperrung der Kunden bedeutete. Wenige Tage später hatten sich die Gemüter aber ieder beruhigt. Und nach einem Gespräch ischen Innung, Geerkschaft und Bauern erband als Vertreter der Zulieferer einigte man sich auf einen on allen Seiten ak eptierten Kompromiss. Der schloss eine Preiskontrolle durch alle Beteiligten ein. (sff)
60 000 pilgerten in den Bergpark
Wickersrode. Ein junger Mann schießt bei einer Feier mit einem Gewehr um sich. Der Amoklauf kostet drei Menschen das Leben, vier werden verletzt. Battenberg. 20 000 Zuschauer kommen zum Motorradrennen „Rund um Battenberg“. Die deutschen Gespann-Asse Wilhelm Noll und Fritz Cron, später zweifache Weltmeister, drehen drei Demonstrationsrunden.
trum rücken. Die städtischen Gremien loben einen bundesweiten Architektenwettbewerb für einen Neubau aus. Doch sie haben große Teile der Bevölkerung gegen sich. Ein Aufbauverein startet eine Wiederaufbaulotterie. Über 700 000 Lose
6.6. Eröffnung der 1. Internationalen Berliner Festspiele (Berlinale) im Steglitzer Titania-Palast. Als bester Film wird „Das doppelte Lottchen“ nach dem gleichnamigen Roman von Erich Kästner ausgezeichnet.
Am 19. August dröhnten dort wieder die Motoren
Gerd Duthe aus Kassel auf seiner DKW.
Foto: Pauly/nh
KASSEL. Nach den Autorennen in den Z an igerjahren urde das Wilhelmshöher Bergrennen am 19. August 1951 als reine Motorrad eranstaltung ausgetragen. 6 Motorsportfans säumten den Bergpark und sahen bei sechs Rennen ei Kasseler Siege.
Die Klasse 25 ccm dominierte Gerd Duthe auf einer DKW, ährend Adolf Nölker die Klasse 1 ccm auf einer NSU ge ann. Im Rennen der Halblitermaschinen stür te der Kasseler Rudi Edelmann (BSA), aber er kam mit einigen Schrammen da on. (geb)
1.11. Die DDR-Volkskammer beschließt das Gesetz über den Fünfjahresplan 1951-1955. Damit beginnt die zentrale staatliche Planwirtschaft für langfristige Wirtschaftslenkung. 16.11. Verbotsantrag der Bundesregierung gegen die Sozialistische Reichspartei (SRP) und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) beim Bundesverfassungsgericht.
... und die Welt 15.4. In Tirol wird das erste SOSKinderdorf eröffnet. Es soll heimatlosen Kindern Betreuung in familienähnlichen Gemeinschaften bieten. Initiator des Projektes ist der österreichische Sozialpädagoge Hermann Gmeiner (1919-1986). 9.7. Großbritannien erklärt als erste der drei Westmächte die Beendigung des Kriegszustands mit Deutschland. Frankreich folgt am 13. Juli, und die USA folgen am 19. Oktober.
e-paper für: 6069489 Samstag, 14. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-L
Das Jahr 1952 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. Der wiederhergestellte Stadtverordneten-Sitzungssaal im Rathaus wird eingeweiht. Die Sitzungen des Stadtparlaments können wieder im eigenen Haus stattfinden.
24.1. In der Bundesrepublik tritt das Mutterschutzgesetz in Kraft. Danach werden der Kündigungsschutz, die Verdienstsicherung und die Bestimmungen am Arbeitsplatz für werdende und stillende Mütter verbessert.
Gensungen. Im Torbogen der Burg Heiligenberg bei Gensungen weiht der Bund der Vertriebenen am 20. Juli die Glocke der Heimat ein. Zu diesem Zeitpunkt haben sich rund 10 000 Vertriebene im Kreis Melsungen angesiedelt.
14.2.-25.2. Olympische Winterspiele in Oslo. Deutschland nimmt zum ersten Mal seit Kriegsende wieder an den Spielen teil und erringt seine ersten Goldmedaillen im Zweierbob durch Anderl Ostler und Lorenz Nieberl.
Helmarshausen. Jetzt ist Zeit, die 1944 kriegsbedingt ausgefallene 1000-Jahr-Feier nachzuholen. Guntershausen. Die im Krieg zerstörte große Guntershäuser Eisenbahnbrücke über die Fulda wird wieder hergestellt. Elgershausen. Der Basaltabbau am Hirzstein wird eingestellt.
Märchenhaft: In der Kaskade tanzt das Wasser Die Attraktion des Kaskade-Kinos am Kasseler Königsplatz waren zweifelsohne die tanzenden Wasser, ein buntes, mit Musik untermaltes Wasserspiel, das nach jeder Vorführung der Wochenschau stattfand. „Märchenhaft“, fanden es
die Zuschauer, schrieb die Zeitung. Mit dem Kino, das am 12. Dezember 1952 feierlich eröffnet wurde, bekam Kassel seine zweite Kaskade. Verantwortlich war Architekt Paul Bode. Der Bruder von documenta-Gründer Arnold
Bode, der wie kaum ein anderer die Kasseler Nachkriegsarchitektur prägte, wurde vor allem mit diesem und weiteren Kinobauten auch überregional bekannt. Bauherr war Georg Reiss, Besitzer des gleichnamigen
Filmbetriebs. Das Kaskade wurde zur Attraktion, und zwischen 1953 und 1960 kamen oft Filmstars, darunter Hildegard Knef und Heinz Erhardt, zu Kinopremieren. Endgültig geschlossen wurde das Kino im Jahr 2002. (nix)
Mildes Urteil für Gestapo-Chef Franz Marmon ließ 78 italienische Zwangsarbeiter erschießen, kam aber auf freien Fuß VON FRANK THONICKE
Kopf ab: Im September wurde der Kopf des Kasseler Wahrzeichens Herkules zur Reparatur abgenommen und in die Pyramide heruntergelassen. Foto: Lengemann
Korbach. Hitzewelle im Kreis Waldeck: 36,4 Grad sind der Höhepunkt am 2. Juli. Landwirte müssen Vieh notverkaufen. Kassel. Bei einer Erfindermesse auf dem Friedrichsplatz zeigen die Aussteller Neuheiten aus Frankreich, England, Schweden, Südamerika und den USA.
KASSEL. Es ist das Jahr 1949, und in Kassel stand ein Erschießungskommando or Gericht. Unter dem Befehl des ehemaligen Kasseler GestapoChefs Fran Marmon hatte es ier Jahre u or am Ostersamstag 78 italienische Z angsarbeiter erschossen. Z ei Tage or Kriegsende urden die Männer ermordet – die Amerikaner standen schon or Kassel. Die Mitglieder des Kommandos urden freigesprochen. Das Gericht begründete es damit, dass sie in dem Erschießungsbefehl kein Verbrechen gesehen hatten. Schließlich habe es überall in der Stadt Hin eisschilder gege-
ben, dass Plünderer erschossen ürden. Außerdem hätten sie Marmons Befehl nicht ereigern können, ohne ihr eigenes Leben u riskieren – Gestapo-Chef Fran Marmon galt als äußerst brutaler Mann. Als die Soldaten or Gericht standen, ar jener Fran Marmon bereits untergetaucht. Er ar über Wit enhausen Richtung Har geflohen, anschließend lebte er unter dem Namen Peter Pfriemer in Hit elrode bei Esch ege. Im Juni 195 urde Marmon dann doch in Karlsruhe erhaftet. Der Pro ess in Kassel egen des Massenmordes an den Italienern am Bahnhof Wilhelmshöhe konnte nun Anfang 1952 beginnen. Plöt lich aber sagten alle ehemali-
Knapp an einer Medaille vorbei
Hofgeismar. Die Evangelische Akademie wird von Guntershausen nach Hofgeismar verlegt. Homberg. Graf Luckner, der legendäre „Seeteufel“ des Ersten Weltkriegs, hält zwei Vorträge in Homberg. Der Mann, der ein Telefonbuch zerreißen konnte, appelliert an seine Zuhörer, dem „leck gewordenen Schiff“ westliche Zivilisation wieder „ein echtes Menschentum“ zu schenken. Witzenhausen. Das über 100 Jahre alte Krankenhaus in Witzenhausen wird durch einen Neubau ersetzt. Der 1,3 Millionen Mark teure Trakt wird am 6. September eingeweiht. Battenberg. Als „schwarzer Sonntag“ geht der 10. August in die Motorsportgeschichte ein. Der Düsseldorfer Gespannfahrer Arno Günzel verunglückt tödlich. Ein weiteres Gespann rast in die Zuschauer und tötet den Allendorfer Architekten Hermann Winter. Zehn weitere Besucher erleiden schwere Verletzungen. Gespannfahrer Adolf Jünger stirbt drei Tage später im Kreiskrankenhaus Frankenberg.
Franz Marmon, berüchtigter Gestapo-Chef von Kassel.
gen Gestapo-Mitglieder und auch Angehörige der Kripo für Marmon aus: Er sei ein ausgeeichneter Chef ge esen und habe den Erschießungsbefehl nur erteilt, um die Kasseler Beölkerung or Übergriffen u schüt en. Am 5. Februar 1952 erkündetet das Sch urgericht sein Urteil: Marmon erhielt ei Jahre Haft, seine eineinhalb Jahre dauernde Untersuchungshaft urde angerechnet. Das erbliebene halbe Jahr urde auf dem Gnadeneg erlassen. Fran Marmon, der or Kassel stell ertretender Gestapo-Chef on München ge esen ar, erließ als freier Mann den Gerichtssaal. Er starb mit 45 Jahren ein Jahr später in Karlsruhe.
Irmgard Hermand-Schmelzer war Olympia-Vierte HELSINKI. Der KSV Hessen ar bei den Ol mpischen Spielen 1952 in Helsinki mit Irmgard Hermand, die damals noch Schmel er hieß, ertreten. Es ar das erste Mal nach dem Krieg, dass eine deutsche Mannschaft an den Ol mpischen Spielen teilnehmen durfte. Wäre die damals 31Jährige Kasselerin nur ei
Baggerführer waren die Helden des Jahres 1952 war auch das Jahr des Aufbruchs und Wiederaufbaus. Helden des Wiederaufbaujahres waren die Baggerführer, die die Kasseler Altstadt von Trümmern befreiten. Aber es wurde natürlich auch neu gebaut: Allein 1000 Arbeiter schufteten an Kassels größter Baustelle, der
Belgierkaserne. Insgesamt wurden 1952 rund 150 Straßen ausgebaut und instandgesetzt, wurden 2500 neue Wohnungen in Kassel gebaut, vier neue Volksschulen und drei Turnhallen. Am Tannenwäldchen entstand die bis dahin größte Jugendherberge Hessens. (tho) Irmgard Hermand-Schmelzer
Zentimeter eiter gesprungen, dann hätte sie in Finnlands Hauptstadt die Bron emedaille ge onnen. 5,9 m urden für Irmgard Schmel er gemessen, ährend für die Britin Shirle Ca le 5,92 m u Buche standen. Gold holte sich damals – am 24. Juli 1952 – Y ette Winifred Williams aus Neuseeland mit 6,24 Meter, der eitgrößten Weite, die bis dahin je on einer Frau gesprungen urde. Kur or den Spielen in Helsinki ar Irmgard Schmel er Deutsche Weitsprung-Meisterin ge orden, und mit ihrer Best eite (5,98 m) der damaligen Traumgren e on sechs Metern sehr nahe gekommen. Irmgard Hermand, die im De ember 2 2 im Alter on 82 Jahren gestorben ist, entdeckte später ihre Liebe um Tennis und sch ang noch als 8 -Jährige den Schläger. (geb)
Gold im Zweierbob: Anderl Ostler und Lorenz Nieberl 1.3. Rückgabe der Insel Helgoland durch die Briten an die deutsche Verwaltung. 10.3. Der sowjetische Parteiund Regierungschef Josef Stalin schlägt den drei Westmächten vor, einen Friedensvertrag mit einer gesamtdeutschen Regierung unter folgenden Bedingungen abzuschließen: Wiedervereinigung in den Grenzen, wie sie die Potsdamer Konferenz festgelegt habe. Neutralisierung Deutschlands nach Abzug aller ausländischen Truppen. 25.3. Die Westmächte lehnen die in der „Stalin-Note“ geforderten Verhandlungen über einen Friedensvertrag mit ausdrücklicher Billigung Bundeskanzler Adenauers ab, solange keine freien gesamtdeutschen Wahlen stattgefunden haben. 2.5. Bundespräsident Heuss und Kanzler Adenauer einigen sich auf das Deutschlandlied als Nationalhymne. Bei staatlichen Anlässen soll künftig die dritte Strophe gesungen werden. 22.6. Der VfB Stuttgart wird in Ludwigshafen durch ein 3:2 gegen den 1. FC Saarbrücken Deutscher Fußballmeister. 11.10. Verkündung des Betriebsverfassungsgesetzes, in dem die Mitwirkung und Mitbestimmung der Arbeitnehmer in sozialen, personellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten festgelegt wird. 23.10. Das Bundesverfassungsgericht verbietet die neonazistische Sozialistische Reichspartei. 15.12. Bundesweit werden die Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr) eingeführt. 26.12. Ausstrahlung der ersten „Tagesschau“ im Fernsehen.
... und die Welt 6.2. Nachdem König Georg VI. gestorben war, wird seine Tochter Elizabeth (geb. 1926, Foto) noch am selben Tag als Elizabeth II. zur Königin proklamiert. 1.11. Auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik lassen die USA die erste Wasserstoffbombe detonieren. 4.11. Der Republikaner Dwight D. Eisenhower wird zum neuen Präsidenten der USA gewählt.
e-paper für: 6069489 Montag, 16. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-L
Das Jahr 1953 in unserer Region Chronik Nordhessen Kassel. Rechtzeitig vor der Übertragung der Krönung von Königin Elizabeth II. wird auf dem Hohen Gras ein Fernsehsender in Betrieb genommen. Kassel. Das Haus der Jugend an der Fuldabrücke wird seiner Bestimmung übergeben. Frankenberg. An der Edertalschule in Frankenberg fällt der Unterricht wegen Kohlenmangels aus. Es kann nicht geheizt werden. Korbach. Eine Coca-Cola-Abfüllstation nimmt den Betrieb auf. 14 Mitarbeiter füllen pro Stunde 4000 Flaschen. Korbach. Die neuen MauserWerke werden eingeweiht. Kassel. Hans Schallenberger präsentiert die von ihm erfundene Doppelglasscheibe mit Vakuum: das Thermofenster.
Zaun aus Stacheldraht Nach dem Volksaufstand in der DDR: Die Zonengrenze wird zum Eisernen Vorhang WITZENHAUSEN. An der Nahtstelle ischen Westund Ostdeutschland erschärfte sich die Situation nach dem 17. Juni 1953, dem Volksaufstand in der DDR. Fortan prägte die Zonengren e bis um Fall 1989/199 das Leben in der nordosthessischen Region. Bis Anfang 1953 ar die Gren e ischen Hessen und Thüringen noch relati durchlässig. Reisen aren ebenso möglich ie das Be irtschaften on Ackerland in den jeeiligen Zonen. Die Menschen ersuchten trot der Spannungen, persönliche Verbindungen eiter u pflegen. Wenn der VfB Wit enhausen die Fußballmannschaft aus Heiligenstadt im Eichsfeld empfing – und umgekehrt –, ar das ein Zeichen dafür, dass die Gren e noch nicht ihren später undurchdringlichen Charakter hatte. Dennoch bestimmte die Demarkationslinie seit ihrer endgültigen Festlegung in unehmendem Maße das Leben der
Menschen. Die beiden Wit enhäuser Stadtteile Werleshausen und Neuseesen gehörten ursprünglich ur so jetischen Zone und aren erst nach dem „Wanfrieder Abkommen“ om 17. September 1945 im Tausch gegen die um Bad Sooden-Allendorf gelegenen Dörfer Asbach, Sickenberg, Vatterode und Weidenbach um amerikanischen Einflussgebiet gelangt. Neben den großen irtschaftlichen Problemen des Zonenrandgebiets, die nur durch massi e Sub entionen gemildert urden,
spielte die ideologische Konfrontation der S steme an der Nahtstelle ischen Ost und West eine immer größere Rolle.
Sender Meißner als Bollwerk
So nah, aber über Jahrzehnte unerreichbar: Warnschilder und Sperranlagen der thüringisch-hessischen Zonengrenze bei Burg Hanstein. Foto: Stadtarchiv Witzenhausen
Vier Schröders sagen Ja 30. August : Geschwister heiraten am selben Tag in Treysa
Sensation in Kassel: Die Treppenstraße ist die erste deutsche Fußgängerzone. 104 Stufen verbinden Hauptbahnhof und Friedrichsplatz. Kassel. Die Berliner Brücke wird für den Verkehr frei gegeben. Treysa. Die Grippe-Epidemie fordert am 2. Februar das erste Todesopfer. 14 Schulen im Kreis müssen geschlossen werden.
Chronik Deutschland
TREYSA. Das hatte die Sch alm noch nicht erlebt: Am 3 . August 1953 heiraten ier Kinder der Familie Schröder: Ernst (22), Günter (25), Willi (31) und Ottilie (33). Das liegt ohl in der Familie, denn auch ihre Mutter Elisabeth feierte einst gemeinsam mit ihrer Sch ester Sophie eine Doppelhoch eit – die beiden urden im Jahr 1919 mit den Brüdern Gusta und Ernst Schröder getraut. 1953 geht es bei der ierfachen Schröder-Hoch eit in Tre sa hoch her. Viele Schaulustige bestaunen die Brautpaare an der Stadtkirche. Übrigens: Die ier Paare haben heute ehn Kinder, 15 Enkel und drei Ur-Enkel. Vor sechs Jahren feierten drei der ier Eheleute das Fest der Goldenen Hoch eit. (ciß)
So erstand der Hessische Rundfunk seinen neuen Sender Meißner neben der Verbesserung des Empfangs in Nordhessen in erster Linie als „Boll erk“ gegen die Sender der DDR. „Wir ünschen, dass auch drüben die Stimme der Freiheit gehört erden kann“, erklärte Intendant Eberhard Beckmann. Im Frühjahr 1953 schon erschärfte sich die Lage an der Gren e usehens. Und als am 21. April berichtet urde, dass „auch an der Gren e unterhalb der Burg Hanstein bei Werleshausen Volksarmisten mit der Errichtung eines Stacheldraht aunes“ begannen, aren die Kontaktmöglichkeiten drastisch eingeschränkt. Jet t trennte der Eiserne Vorhang die Menschen hüben und drüben. (sff) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60Jahre
„Papa Heuss“ besucht Kassel
Vierfache Hochzeit: In Treysa heirateten am 30. August 1953 Willi und Käthe Schröder, Günter und Gertrud Schröder, Ernst und Maria Schröder sowie Heinz und Ottilie Pütz. Foto: privat/nh
KASSEL. Großer Bahnhof für den Bundespräsidenten: Hunderte fanden sich schon frühmorgens auf Theodor dem Kasseler Heuss Hauptbahnhof ein, um die Ankunft on Theodor Heuss mit uerleben. Der beliebte Präsident, om Volk „Papa Heuss“ genannt, lobte die „heitere, gelöste Atmosphäre“ in der Stadt und den Stand des Wiederaufbaus. „Theodor Heuss be auberte alle durch Charme und sch äbischen Humor“, hieß es in der Zeitung.
8.5. Der DDR-Ministerrat ordnet eine Erhöhung der Arbeitsnormen um 10,3 Prozent an. 17.6. Ein Streik gegen die Normenerhöhung in Ost-Berlin weitet sich auf 72 Städte und zahlreiche Ortschaften in der DDR zum Aufstand gegen das kommunistische Regime aus. Die Demonstrationen werden von sowjetischen Soldaten und DDRVolkspolizisten gewaltsam zerschlagen.
Mit Steinen gegen Sowjetpanzer: Ost-Berlin am 17. Juni 1953. Foto: dpa 18.6. In Ost-Berlin, Leipzig, Magdeburg und Jena werden etwa 20 000 Personen vorübergehend in Haft genommen. Von ihnen werden in den ersten Tagen 29 von sowjetischen Standgerichten zum Tode verurteilt und hingerichtet. In den nächsten Monaten erhalten außerdem mindestens 1400 teilweise mehrjährige Freiheitsstrafen. 21.6. Der 1. FC Kaiserslautern wird durch ein 4:1 über den VfB Stuttgart Deutscher Fußballmeister. 25.6. Der Bundestag verabschiedet ein neues Wahlgesetz, mit der so genannten Fünf-ProzentHürde. Danach dürfen Parteien nur noch in den Bundestag einziehen, wenn sie mindestens fünf Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten oder in einem Wahlkreis mindestens ein Direktmandat gewinnen. 4.8. Der 17. Juni wird durch Bundesgesetz zum „Tag der deutschen Einheit“ bestimmt. 6.9. Zweite Bundestagswahl:
Wasenberg. Gold im Hühnermagen: Eine Frau vermisst ihren Ohrring, am Wochenende bringt der Nachbar ihr den Schmuck. Er hatte ein Huhn geschlachtet und beim Zerkleinern des Magens das edle Stück gefunden.
Helmarshausen. Die Diemelbrücke ist wieder aufgebaut, vorher gab es nur eine Notbrücke aus Holz.
Abriss des Staatstheaters empört Bürger KASSEL. Jahrelang hatte der Streit angedauert, ob das on Kriegsbomben getroffene preußische Staatstheater ieder aufgebaut oder durch einen Neubau erset t erden sollte. Nun urden Fakten geschaffen: Das sch er beschädigte Gebäude am Auehang urde kur erhand abgerissen, as u lautstarker Empörung unter Kasseler Bürgern führte. Es ar nicht der let te Aufreger rund ums Staatstheater: Z ei Jahre später urde der Siegerent urf für den Neubau on Hans Scharoun gekippt und durch einen on Paul Bode erset t. ( .f.)
10.5. Chemnitz wird auf Beschluss der DDR-Regierung in Karl-Marx-Stadt umbenannt.
CDU/CSU, FDP, Deutsche Partei und der Gesamtdeutsche Block/ Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten bilden die Regierung. 27.12. Ruth Leuwerik und O. W. Fischer werden als beliebteste Schauspieler des bundesdeutschen Films mit dem „Bambi“ ausgezeichnet.
... und die Welt
20 000 feiern die Auestadion-Einweihung 20 000 Zuschauer verfolgen am 23. August das FußballOberligaspiel zwischen dem KSV Hessen und Viktoria Aschaffenburg. Zwar verliert der KSV mit 1:2, aber an diesem
Tag ist das Ergebnis zweitrangig, denn die Massen feiern die Einweihung des Auestadions. Am 3. Mai 1953 war der KSV in die Oberliga aufgestiegen, und die Feldhandballer des SV Har-
leshausen holten sich mit einem 12:10 gegen Frisch-Auf Göppingen die Südmeisterschaft. Der KSV spielte mit: Laue - Knothe, Hutfles - Windisch, Zimmer, Hosung -
Bründl, Metzner, Daubert, Hellwig und Schmidt. Im Trikot des SV Harleshausen: Stora - Spies, Balzk, Führer, Ullrich, Schilling, Czybik, Horchler, Sutter, Lingelbach, Gibhardt. Repro: Koch
5.3. Der 73-jährige sowjetische Partei- und Regierungschef Josef Stalin stirbt in Moskau an den Folgen eines Schlaganfalls. 29.5. Erstbesteigung des Mount Everest durch den Neuseeländer Edmund Hillary und den Nepalesen Tenzing Norgay.
e-paper für: 6069489 60 Jahre Bundesrepublik
Dienstag, 17. Mär 2
9
BRD-R
Das Jahr 1954 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. Der Bau des Staatstheaters erregt weiterhin die Gemüter in Kassel. Als beim Ausheben der Grube für den preisgekrönten Entwurf von Hans Scharoun (Berlin) und Herrmann Mattern (Kassel) alte Festungsmauern gefunden werden, stoppt die Landesregierung die Arbeiten.
4.1. In Duisburg werden die ersten Parkuhren der Bundesrepublik aufgestellt.
Witzenhausen. Das Autokennzeichen WIZ für den Kreis Witzenhausen wird erstmals ausgegeben.
6.2. Eröffnung der ersten umfassenden Ausstellung der Werke des Malers Max Liebermann seit 1927 in Hannover.
29.1. Das erste Reparaturfahrzeug des Allgemeinen Deutschen Automobil Clubs (ADAC) für die Pannen-Soforthilfe wird in Deutschland eingesetzt.
26.2. Der Bundestag beschließt die erste Wehrergänzung zum Grundgesetz. Diese regelt die Zuständigkeit des Bundes in Verteidigungs-, Wehrpflicht- und Zivilschutzangelegenheiten und gibt ihm damit das Recht zur Gesetzgebung über die Verteidigung einschließlich der Einführung einer Wehrpflicht.
Willingen. Bei einem Springen ohne internationale Beteiligung startet Max Höfer vom KSV Hessen Kassel und stürzt zu Tode. Kassel. Die erste Rolltreppe in der Stadt lockt die Kasseler ins Kaufhaus Neckermann am Ständeplatz. Homberg. Skandal im Finanzamt: Der Kassenleiter hat 36 000 Mark unterschlagen und sich davon ein Häuschen gebaut. Calden. An der Holländischen Straße wird ein Hortfund aus der Jungbronzezeit gemacht.
23.3. Bayern beschließt als letztes Bundesland das Ende der Entnazifizierung.
Vor dem Abflug in die Schweiz: Von links: Max Morlock (1. FC Nürnberg), Hans Schäfer (1. FC Köln), Gala Metzner (KSV Hessen Kassel), Fritz Laband (Hamburger SV), Heinz Kubsch (FK Pirmasens) und Toni Turek (Fortuna Düsseldorf). Foto: nh
Weltmeister Gala Metzner Der Kasseler Fußballer war beim Triumph der deutschen Elf in der Schweiz dabei VON GERD BREHM iebe Sportkameraden! Wir freuen uns, Ihnen mitteilen u können, dass Sie um Kreis der Spieler gehören, die den Deutschen Fußball-Bund bei der Weltmeisterschaft in der Sch ei ertreten sollen. Wir hoffen gerne, dass ir Sie bei guter Gesundheit und ohl orbereitet auf die kommenden Aufgaben am Mitt och, den 9.6.1954 in der Sportschule Karlsruhe-Schöneck er arten dürfen und erbleiben mit sportlichen Grüßen! Deutscher Fußball-Bund, i. A. Paßlack. Das stand in dem Brief, der am 5. Juni in der Kasseler Zentgrafenstraße 118 landete. Empfänger: Karl-Hein Met ner. Kassels bester Fußballspieler, genannt Gala, hatte es also geschafft und ählte u den 22 Glücklichen, die Bundestrainer Sepp Herberger für die WM-Endrunde berufen hatte.
L Der Edersee ist ein beliebtes Ausflugsziel – nicht nur , wenn er voll ist, sondern auch dann, wenn man mal wieder trockenen Fußes die alte Brücke betreten kann. Homberg. Gegen den Widerstand der Bürger wird die städtische Müllabfuhr eingeführt. Treysa. Wilhelm Kalte kommt als letzter Kriegsgefangener nach Treysa zurück. Der Magistrat lässt ihn mit einem Auto aus dem Lager Friedland abholen. Borken. Die Preag plant ein neues Kraftwerk mit 128 000 Kilowatt in Borken. Kosten für die erste Ausbaustufe: 28 Millionen Mark. Die Bergwerk Frielendorf AG liefert Rohbraunkohle.
Gala Metzners Spielerpass für die WM 1954 in der Schweiz. Auch für Met ner kam die Berufung uner artet. Z ar spielte der KSV damals in der Oberliga Süd, ar also erstklassig, aber die Kasseler Akteure standen nicht so im Rampenlicht ie ihre Kollegen aus den Fußball-Hochburgen. Aber Herberger kannte Met ner gut. Er hatte den Kasseler, der damals noch für den
VfL Kassel kickte, bereits als Reichstrainer 1941 u Lehrgängen geholt und erinnerte sich recht eitig or der WMEndrunde in der Sch ei an die Fähigkeiten Met ners.
Der perfekte Joker Jet t ar er berufen orden, eil er als Außenläufer und Halbstürmer ielseitig
er endbar ar. Heute äre Gala Met ner der ideale Joker, doch damals durfte selbst bei sch eren Verlet ungen noch kein Spieler ausge echselt erden. Da sich Herberger allerdings früh eitig auf das magische Viereck mit Horst Eckel (1. FC Kaiserslautern), Karl Mai (SpVgg. Fürth), Ma Morlock (1. FC Nürnberg) und Frit Walter (1. FC Kaiserslautern) festgelegt hatte, blieb für Gala Met ner in der Sch ei nur eine Rolle auf der Reser ebank. Doch anders als Helmut Rahn (Rot-Weiß Essen), der den Kummer über die eit eilige Zurückset ung ins eite Glied bei unge ählten Bierchen ergessen ollte, blieb Met ner stets solide. Und freute sich schließlich am 4. Juli über den 3:2-Triumph im Endspiel gegen die als unbesiegbar geltenden Ungarn genau so sehr ie die Spieler, die auf dem Rasen des Berner Wankdorf-Stadions standen.
Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60Jahre
17.6. Erstmals wird in der Bundesrepublik Deutschland der „Tag der deutschen Einheit“ als gesetzlicher Feiertag begangen. 4.7. Mit einem 3:2 Sieg über Ungarn wird die bundesdeutsche Elf in Bern überraschend Fußballweltmeister.
Theodor Heuss.
Foto: dpa
17.7. Theodor Heuss wird in West-Berlin als Bundespräsident wiedergewählt. 23.7. Der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Otto John (1909-1997), gibt in einer Rundfunkansprache aus Ost-Berlin seinen Wechsel in die DDR bekannt. 29.9. Als erste deutsche TV-Familienserie geht „Unsere Nachbarn heute abend: Familie Schölermann“ auf Sendung. 13.12. Der Rechtsausschuss des Bundestages lehnt es ab, unverheirateten Frauen die Anrede „Frau“ für den Umgang mit Behörden zuzugestehen. Damit bleibt die Bezeichnung „Fräulein“ im amtlichen Sprachgebrauch gültig.
Lauritzen macht Karriere KASSEL. Am 6. Juli 1954 ird der gebürtige Kieler Laurit Laurit en Oberbürgermeister in Kassel. Das Nordlicht bleibt bis 1963 in der Fuldastadt. Danach macht der Soialdemokrat eiter KarrieLauritz re. Er ird JusLauritzen ti minister in Wiesbaden und echselt später als Bau- und Verkehrsminister in die Bundespolitik. In seine Kasseler Amts eit fallen unter anderem die Bundesgartenschau 1955 so ie die beiden ersten documenta-Ausstellungen. (tos)
14.6. Konstituierung des Kuratoriums „Unteilbares Deutschland, Volksbewegung für die Wiedervereinigung“ aus 128 führenden Vertretern aller Gebiete des öffentlichen Lebens.
30.12. Premiere des Film „Canaris“. O. E. Hasse spielt den ehemaligen Chef der deutschen Abwehr, Wilhelm Canaris.
... und die Welt 7.5. Die letzte Bastion Frankreichs in Indochina (Dien-BienPhu) fällt. Am 21. Juli endet die französische Kolonialherrschaft in Indochina.
Immer auf der Flucht vor stürmischen Fans Hildegard Knef kam zur Uraufführung des Films „Gefährlicher Urlaub“ für ein paar Stunden nach Kassel KASSEL. Während die Fans im Kaskade-Kino sehnsüchtig auf die Autogrammstunde des Filmstars arteten, plauderte Hildegard Knef im Hotel Hessenland mit der Presse über ihren neuen Agentenfilm „Ge-
fährlicher Urlaub“ on Carol Reed, u dessen Uraufführung sie für ein paar Stunden nach Kassel gekommen ar. Im Bildte t heißt es: „Ist die Luft auch rein?“ Hildegard Knef benut t am liebsten Sei-
tenpforten, denn Garderobe und Make-up könnten leiden, enn die Verehrer all u stürmisch erden. (...) Am glücklichsten aren die jungen Leute, die sich am Seitentor des Hessenland aufge-
baut hatten. Sie konnten enigstens einen raschen Blick in den eilig da onrauschenden Wagen erfen und ein Lächeln on Hildegard Knef mit nach Hause nehmen.“ (hpo) Foto: Lengemann
1.11. Kriegsausbruch im französischen Überseegebiet Algerien. Der Krieg endet erst 1962 mit der Anerkennung der Unabhängigkeit Algeriens endet. 10.5. Bill Haley and the Comets nehmen in den USA das Lied „Rock Around The Clock“ auf, mit dem die neue Musikrichtung „Rock’n’ Roll“ begründet wird.
e-paper für: 6069489 60 Jahre Bundesrepublik
Mitt och, 18. Mär 2
9
KS-BRD
Das Jahr 1955 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Wolfhagen. Die geplante Einrichtung einer Meisterschule für Friseure in Wolfhagen scheitert, weil man starke wirtschaftliche Einbußen für die bestehenden Friseurbetriebe befürchtet.
25.1. Die Sowjetunion erklärt den Kriegszustand mit Deutschland für beendet. 23.2. Premiere des Films „Des Teufels General“ nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Carl Zuckmayer.
Kassel. Das Schlosshotel und das Hotel Hessenland werden vollendet, die Empfangshalle des Hauptbahnhofs mit dem Bali als Non-Stop-Kino und das Auebad ebenfalls. Fertiggestellt und freigegeben wird auch der Flugplatz Waldau – angeblich mit Anschluss an den internationalen Luftverkehr. Korbach. Am Berndorfer Tor wird der erste Selbstbedienungsladen eröffnet Ziegenhain. „Aus dem Nichts“ heraus errichtet der 50-jährige Fabrikant Erich Rohde am Südbahnhof eine neue Schuhfabrik. Die alte hatte er in Guben (Niederlausitz) verloren. Karlshafen. Auf ehemaligem Salinengelände entsteht eine Weberei mit 96 Webautomaten und 130 Mitarbeitern.
Herleshausen: Die ersten 600 Spätheimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft treffen über Herleshausen im Lager Friedland ein. Noch immer gelten 1,5 Millionen Soldaten als vermisst. Deshalb stehen viele verzweifelte Frauen auf dem Bahnsteig und halten Schilder mit den Namen ihrer Männer und Söhne hoch. Foto: dpa
1.3. Nachdem die Bundesrepublik die Lufthoheit erhalten hat, nimmt die Deutsche Lufthansa den Luftverkehr auf. 27.3. Die erste Jugendweihe findet in Ost-Berlin statt.
Schriftzug vor dem Ausstellungsgebäude: Das Fridericianum am Kasseler Friedrichsplatz mit dem Hinweis auf die documenta. Schon damals schrieb sich die Ausstellung mit kleinem d. Foto: documanta Archiv/ nh
Kunst in der Ruine
9.5. Beitritt der Bundesrepublik zur Nato.
Parallel zur Bundesgartenschau schlug die Geburtsstunde der documenta KASSEL. Lücken schließen ollte der Kasseler Künstler und Hochschullehrer Arnold Bode (19 -1977) mit der Kunstausstellung documenta. Die Lücken, die durch ölf Jahre Na i-Herrschaft in der Kunst ahrnehmung in Deutschland entstanden aren. In der Einladungskarte ur Eröffnung hieß es, es sei für die Kunst an der Zeit, „die Wege und Punkte des Erreichten auch in Deutschland einmal sinnfällig u markieren“. Als Begleitausstellung ur Bundesgartenschau öffnete die erste documenta im Fridericianum am 15. Juli 1955. Sie eigte um einen die international bedeutenden Werke der klassischen Moderne seit Anfang des 2 . Jahrhunderts und bot um anderen einen Überblick über den aktuellen Stand der europäischen Kunst. Arnold Bode und seine Mitstreiter erhielten 2 Mark Fördergeld on Stadt, Land und Bund, um das Projekt stemmen u können.
Mädchen vor dem Spiegel (1932): Arnold Bode (links) und Bundespräsident Theodor Heuss vor Pablo Picassos Gemälde. Foto: dpa Als Standort ählte man das Fridericianum, jenes erste öffentlich ugängliche Museumsgebäude des europäischen Festlandes. Nach der Kriegs erstörung ar der Ba-
rockbau nur äußerlich pro isorisch hergestellt orden, innen aber noch ein Rohbau. Ziegelsteine als Hintergrund für die Bilder boten ebenso rei olle Kontraste ie trans-
parente Vorhänge, die Bode anbringen ließ. Wie ichtig die Ausstellungsarchitektur für die Wirkung einer Kunstschau ist, hat Bode mit seiner isionären Bilder- und Skulpturen-Dramaturgie ge eigt. Präsentiert urden unter anderem Arbeiten on Henr Moore, Wilhelm Lehmbruck, Picasso, Kandinsk , Giorgio de Chirico, Oskar Schlemmer, Paula Modersohn-Becker und Ma Ernst. Ausgestellt aren 67 Werke on 148 Künstlern. 13 Besucher ließen sich om Kunsterlebnis anlocken. Schon damals eränderte die Kunstschau (und da u natürlich die Bundesgartenschau) die Stadt. Die Flaneure auf den Straßen aren internationaler, das Treiben lebendiger als sonst. Das Café Paulus auf der Treppenstraße reagierte auf die eränderte Stimmung mit einer Maßnahme, die damals fast so re olutionär und unerhört irkte ie manches Kunst erk: Man stellte draußen Stühle auf. (fra)
Karl Schmidt absolviert erstes Länderspiel WABERN. Als Karl Schmidt am 25. September 1955 beim 1:3 in Belgrad gegen Jugoslaien sein erstes Länderspiel absol ierte, hatte er sich ar schon dem 1. FC Kaiserslautern angeschlossen, aber u Beginn der Fünf igerjahre hatte der Waberner als Akteur des KSV Hessen auf sich aufmerksam gemacht. Schmidt, der in Belgrad linker Verteidiger spielte, Karl ar um 1. FC Schmidt Kaiserslautern ge echselt, eil er in Main ein Jura-Studium begonnen hatte. 1958 ollte Sepp Herberger den Nordhessen mit ur WM nach Sch eden nehmen, aber Schmidt, der insgesamt neun Länderspiele absol ierte, lehnte ab, eil er mitten in seinem juristischen Staatse amen stand. Von 1992 bis 2 1 ar Karl Schmidt Schat meister des Deutschen Fußball-Bundes. Von 2 1 bis 2 7 fungierte er als DFB-Vi epräsident. (geb) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
5.5. Die Pariser Verträge treten in Kraft. Abgesehen von einigen alliierten Sonderrechten (Truppenstationierung, Berlin-Status) erlischt das Besatzungsstatut. Die Bundesrepublik wird bedingt souverän.
6.6. Die „Dienststelle Blank“ wird umgewandelt in das Bundesministerium der Verteidigung. Theodor Blank wird Verteidigungsminister. 8.-14.9. Bundeskanzler Konrad Adenauer reist mit einer Regierungsdelegation nach Moskau. Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin und Adenauer unterzeichnen eine Vereinbarung über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die Rückführung der letzten deutschen Kriegsgefangenen. 22.9. Adenauer verkündet vor dem Bundestag die so genannte Hallstein-Doktrin, nach der die Bundesregierung keine diplomatischen Beziehungen mit Staaten unterhalten könne, die die DDR anerkennen (mit Ausnahme der Sowjetunion).
Ernennungsurkunden: Die Bun deswehr wird gegründet.Foto: dpa 12.11. Die ersten 101 Freiwilligen der Bundeswehr erhalten von Verteidigungsminister Theodor Blank ihre Ernennungsurkunde. Damit ist die Gründung der Bundeswehr vollzogen. 23.12. Uraufführung des österreichischen Spielfilms „Sissi“ in München mit Romy Schneider (Foto) und Karlheinz Böhm in den Hauptrollen. Romy Schneider starb 1982. In bundesdeutschen Wohnstuben hält die Kultur der Nierentische, Schalensessel und Tulpenlampen Einzug.
... und die Welt
2,8 Millionen Besucher erleben die Bundesgartenschau Zur Eröffnung der Bundesgartenschau bekamen die Kasseler Kinder schulfrei. Bundespräsident Theodor Heuss gab am 29. April 1955 das Startsignal für eine Ausstellung, die zu einem großen Publikumsmagneten werden sollte. 2,8 Millio-
nen Besucher wurden gezählt. Zu den Attraktionen gehörte ein Sessellift, mit dem man von der Schönen Aussicht bis in die Karlsaue schweben konnte. Zentraler Anlaufpunkt war die Orangerie. Die Ausstellungshalle, die auf dem Foto zu se-
hen ist, wurde in die Ruine des im Krieg stark beschädigten Gebäudes integriert. Für die immer noch von den Bomben des Zweiten Weltkriegs gezeichnete Stadt war die perfekt inszenierte Schau eine enorme Anstrengung, doch sie hat auch
einen großen Schub für den Wiederaufbau gebracht. Mit dem Blumenmeer und den bunten Farben brachte die Bundesgartenschau ein Stück Lebensfreude in die Nachkriegszeit zurück. (tos) Foto: HNA- Archiv
5.4. Der britische Premierminister Winston Churchill gibt seinen Rücktritt bekannt. Sein Nachfolger wird der bisherige Außenminister Anthony Eden. 14.5. Regierungsvertreter der DDR, Albaniens, Bulgariens, Polens, Rumäniens, Ungarns, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion unterzeichnen in Warschau den „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“. Der Warschauer Pakt ist als Gegengewicht zur Nato gedacht.
e-paper für: 6069489 Donnerstag, 19. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD
Das Jahr 1956 in unserer Region Chronik Deutschland
Chronik Nordhessen
2.1. Einberufung der ersten Bundeswehr-Soldaten: In Andernach, Wilhelmshaven und Nörvenich ziehen die ersten Freiwilligen in die Kasernen ein.
Ziegenhain. Die Meteorologen verzeichnen den härtesten Wintereinbruch seit 1928/1929. Bereits am 18. Februar sind die Brennstoffvorräte aufgebraucht.
16.2. Übertritt der Bundesminister des „Gesamtdeutschen Blocks/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ (GB/ BHE) zur CDU.
Kassel. Die letzten Heimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft werden vom Magistrat der Stadt empfangen. Kassel. Ein „Großflugtag“ lockt tausende auf den Flugplatz Waldau.
23.2. Die FDP-Bundestagsmitglieder beschließen unter der Führung von Thomas Dehler die Aufkündigung der Koalition mit der CDU/CSU und gehen damit in die Opposition. 16 Mitglieder der FDP-Bundestagsfraktion, darunter die vier Minister, spalten sich von der Partei ab, bilden die „Freie Volkspartei“ und bleiben in der Koalition.
Melsungen. Die Bartenwetzerbrücke, Wahrzeichen der Stadt, wird zum Heimatfest wieder freigegeben. Im Krieg waren zwei Bögen der Brücke gesprengt worden. Bis zum Wiederaufbau behalf man sich mit einer Holzkonstruktion. Kassel. Sara Nussbaum (1868 1956), im Dritten Reich von den Nazis schwer verfolgte Kasseler Bürgerin jüdischen Glaubens, wird die erste Ehrenbürgerin der Stadt. Im KZ Theresienstadt hatte sie als Krankenschwester zahlreichen Häftlingen das Leben gerettet.
1.4. Der Bundesnachrichtendienst (BND) nimmt in Pullach bei München offiziell seine Tätigkeit auf.
Filmstars auf der Treppenstraße Filmstadt Kassel: Wieder einmal war Kassel Drehort eines Spielfilms. Viele Schaulustige fanden sich in der Treppenstraße von Klose-Moden ein, um hautnah mitzuerleben, wie Curd Jürgens und seine damalige Ehefrau Eva Bartok (links am
Tisch) auf der Terrasse des Café Paulus eine Szene des Films „Ohne Dich wird es Nacht“ drehten. Der „normannische Kleiderschrank“ spielt einen Rechtsanwalt, der allerdings nur brilliert, wenn er Morphium genommen hat. Erst Gina
24.6. Borussia Dortmund wird nach einem 4:2-Sieg über den Karlsruher SC in West-Berlin Deutscher Fußballmeister.
(Eva Bartok) kann ihn zu einer Entziehungskur überreden. Als er dann doch rückfällig wird, will sie sogar selbst Rauschgift nehmen, um sein Schicksal zu teilen. Regie in dem Melodram führte der Star persönlich: Curd Jürgens. (hpo)
7.7. Der Bundestag verabschiedet das Wehrpflichtgesetz. Damit wird die künftige Bundeswehr eine Wehrpflichtarmee. Im September wird die Dauer des Wehrdienstes auf zwölf Monate festgelegt. Außerdem wird ein ziviler Ersatzdienst für Kriegsdienstverweigerer geschaffen.
Korbach. Mit Start des Sommerfahrplans erhält Korbach fünf Eilzugverbindungen. Kassel. Die junge Bundeswehr tritt zum ersten Mal in Kassel an die Öffentlichkeit. 20 000 Bürger erleben vor dem ehemaligen Generalkommando den Großen Zapfenstreich.
50 kleine Italiener Die ersten Gastarbeiter kamen als Erntehelfer nach Homberg, Melsungen und Fritzlar VON THOMAS SCHATTNER
Baunatal. Mit viel Eigenleistung der Bürger entsteht die Kulturhalle Großenritte. Willingen. Der Oberstdorfer Skispringer Max Bolkart wird am Mühlenkopf mit Weiten von zwei Mal 88,5 Metern Deutscher Meister. Wolfhagen. Der 1946 wieder aufgenommene Braunkohlebergbau am Hundsberg bei Oelshausen wird eingestellt. Zuletzt arbeiteten dort noch etwa 65 Kumpel.
egen 22.2 Uhr kamen sie freitags planmäßig mit dem D-Zug aus Frankfurt in Wabern an: die ersten 5 italienischen Gastarbeiter im Landkreis. Die Süditaliener aren in der Regel ischen 2 und 3 Jahre alt als sie sich entschlossen, eitab ihrer Heimat Geld beim Ernte-Einsat u erdienen. Vertreter der Kreisbauernschaft und des Arbeitsamtes begrüßten die Neuankömmlinge am Waberner Bahnhof, be or diese anschließend mit Kraftfahr eugen u ihren neuen Arbeitsstätten gebracht urden. 34 urden im Kreis-
G
Eisschollen stapeln sich auf der Werra
Mit Musik: Die Bundeswehr zieht in Fritzlar ein. Repro: HNA
Fritzlar wieder Militärstandort FRITZLAR. Mit einem offi iellen Einmarsch am 14. De ember urden in Frit lar 1956 das Pan er-Aufklärungs-Bataillon 5 und das Grenadier-Bataillon 22 begrüßt. Nach dem Krieg aren bis 1951 amerikanische und anschließend franösische Truppen in Frit lar stationiert ge esen. Die Bundes ehrsoldaten sollten Hüter und Beschüt er der Freiheit sein, sagte der Standortälteste Oberstleutnant Fren el. Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
Das Jahr 1956 war von extremem Wetter geprägt: Bevor die Werra im März und erneut Mitte Juli über die Ufer trat und im Frühsommer die Kirschen wegen des vielen Regens an den Bäumen verfaulten, ließ sibirische Kälte bis unter minus 20°C den Fluss Anfang Februar zufrieren. Treibeis staute sich nicht nur vor Brücken zu riesigen Schollenstapeln (das Foto entstand bei Kleinvach nahe Bad Sooden-Allendorf), sondern rutschten auch über die Ufer. Aus technischen Gründen war es nicht möglich, das Eis zu sprengen, sodass der Natur freier Lauf gelassen werden musste – mit fatalen Folgen: In Blickershausen schloss aufgestautes Wasser die Gastwirtschaft Elend ein. Riesige Eisschollen zerbrachen den Zaun, zertrümmerten die Laube, stießen gegen das Haus und rissen eine Ecke der Scheune mit. (sff) Foto aus: „Die Werra“ von Manfred Lückert
teil Homberg untergebracht, je eils acht kamen nach Melsungen und in den alten Kreis Frit lar. Von einer Ausnahme abgesehen, ent ickelte sich ein um Teil her liches Verhältnis ischen den Gastarbeitern und ihren Arbeitgebern – trot eines anstrengenden Zehn-Stunden-Arbeitstags.
Vorurteile widerlegt Z ar aren die nordhessischen Bauern unächst furchtbar erschrocken, als sie die aus ihrer Perspekti e kleinüchsigen Italiener um ersten Mal sahen. Schnell erflog jedoch dieser Eindruck, denn die Männer aus dem Süden
„ erstanden es ortrefflich, überall an upacken“. Wit e über die Gastarbeiter urden nun kaum noch gemacht. Für die Italiener aren in der Bundesrepublik die Verdienstmöglichkeiten esentlich höher als in ihrer Heimat um Neapel herum, o die meisten on ihnen Familien u ernähren hatten. Fast alle behielten nur enig Geld für den eigenen Lebensunterhalt und schickten den Rest des Verdienstes nach Hause. Das iederum imponierte so manchem nordhessischen Bauern. Als am 26. No ember die Rückreise der Italiener anstand, hatten sich schon fünf on ihnen um Bleiben ent-
schlossen, um hier „einem geregelten Broter erb nach ugehen“. Der Rest der Gastarbeiter kam gutgelaunt nach Wabern. Auf dem Bahnhof „ ar ein buntes Ge irr ausländischer Laute, aufgeregten Rufens und freudiger Versprechen, im nächsten Jahr ieder nach Deutschland u kommen, um über die Sommermonate in der Land irtschaft aus uhelfen“, schrieb das Kreisblatt.
Einer war bald wieder da Vier ehn Tage nach Abfahrt kam ein Italiener „mit Sack und Pack“ urück nach Wabern. „Ihm gefiel es hier doch besser“, schrieb die Zeitung.
Paraderolle: Heinz Rühmann als Hauptmann von Köpenick. Foto: dpa
16.8. Premiere des Films „Der Hauptmann von Köpenick“ nach dem gleichnamigen Theaterstück von Carl Zuckmayer; die Titelrolle spielt Heinz Rühmann. 17.8. Das Bundesverfassungsgericht erklärt die KPD für verfassungswidrig und verfügt ihre Auflösung. Noch am selben Tag werden die Parteibüros geschlossen. 1.10. Das „Deutsche Fernsehen“ beginnt mit der täglichen Ausstrahlung der „Tagesschau“. Die IG Metall erreicht die 45Stunden-Woche mit vollem Lohn- und Gehaltsausgleich. 11.10. Der Bundestag beschließt die Einführung einer zentralen Verkehrssünderkartei mit Sitz in Flensburg.
... und die Welt 25.2. Auf dem XX. KP-Parteitag enthüllt Parteichef Nikita Chruschtschow die vom ehemaligen Staatschef Josef W. Stalin begangenen Verbrechen. 28.6. Ein Arbeiteraufstand in der polnischen Stadt Posen wird durch Armee-Einheiten niedergeschlagen. 29.10. Israelische Streitkräfte greifen Ägypten an und besetzen innerhalb kürzester Zeit die Sinai-Halbinsel. Sie reagieren damit auf die ägyptische Verstaatlichung des Suezkanals. 4.11. Sowjetische Panzereinheiten marschieren in Budapest ein, schlagen den Volksaufstand nieder und beenden so den Versuch Ungarns, demokratische Reformen einzuleiten.
e-paper für: 6069489 60 Jahre Bundesrepublik
Freitag, 2 . Mär 2
9
BRD-RE
Das Jahr 1957 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. Die Altmarkt-Kreuzung ist fertig. Auf der modernsten Straßenkreuzung in Europa haben Rechtsabbieger stets freie Fahrt. Kontaktschwellen in den Straßen steuern die Ampeln. Fußgänger kommen durch Tunnel gefahrlos auf die andere Seite oder die Straßenbahninseln.
1.1. Das Saarland wird zehntes Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. 21.1. Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über die Rentenreform und führt damit die dynamische Rente ein. 23.3. Das Bundesarbeitsgericht in Kassel stellt fest, dass das Gleichberechtigungsgesetz auch beim Abschluss von Tarifverträgen gilt. Dementsprechend sind tarifliche Bestimmungen nichtig, die für Frauen bei gleicher Tätigkeit einen geringeren Lohn vorsehen als für Männer.
Witzenhausen. Die Innenstadt erstrahlt vor Weihnachten erstmals im Glanz ungezählter Lichterketten. Der Einzelhandel macht es möglich. Da will die Stadt nicht zurückstehen und übernimmt die Beleuchtung des Marktplatzes. Kassel. Wegmann & Co. wird von der Bundesregierung mit der Instandsetzung und Umrüstung von amerikanischen Zugmaschinen sowie dem Bau von Panzerattrappen beauftragt. Baunatal. Am 5. Oktober unterzeichnet Volkswagen den Kaufvertrag für das Werksgelände in Altenbauna; das besiegelt endgültig den Niedergang der Henschel-Flugmotoren-Werke. Mengeringhausen. Vor 1800 Teilnehmerinnen des Internationalen Frauentags warnt Hessens Ministerpräsident Georg August Zinn (Foto) davor, die Bundeswehr mit Atomwaffen auszurüsten. Kassel. Das CVJM-Gebäude an der Wolfsschlucht wird im Rahmen einer internationalen Tagung des Dachverbands YMCA im Juni eingeweiht. 200 Gäste aus 38 Nationen kommen nach Kassel, darunter der – wie die Zeitung schreibt – „37-jährige Neger-Präsident Dr. Charles D. Sherman“ aus Liberia. Hofgeismar. Meisterfotograf Fritz Brill, ein Pionier der Fotoanalyse und das Farbfilms im Mikro- und Makrobereich, erhält den Bundesfilmpreis, das Silberne Filmband. Kassel/Chicago. Oberbürgermeister Lauritz Lauritzen berichtete unserem USA-Korrespondenten in Chicago, dass er wenige Tage zuvor beim Besuch des Grand Canyons den steilen Weg zu Fuß gehen musste. Grund: Er war zu schwer. Die Reitesel dürfen nur Personen bis 90 Kilo tragen. In New Orleans wurde Lauritzen zum Ehrenbürger ernannt.
Günter Beck Weltmeister im Kanu-Slalom AUGSBURG. Zusammen mit den Brüdern Stumpf aus Celle ar der Kasseler Günter Beck für die Weltmeisterschaft im Kanu-Slalom in Augsburg nominiert orden. Im EinerKanadier gelang dem Trio eine große Überraschung, und Beck kehrte Günter als WeltmeisBeck ter nach Kassel urück. Auf Plat ei landete die DDR – damals in den Westdeutschen Medien noch So jet one genannt – or der CSSR. (geb) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
12.4. Im „Göttinger Manifest“ fordern 18 führende deutsche Atomwissenschaftler die Bundesregierung zum Verzicht auf die atomare Bewaffnung der Bundeswehr auf.
Wettkochen: Ehemänner gegen Junggesellen Auf dem Platz zwischen Schöner Aussicht und Frankfurter Straße, wo heute die Kasseler Gerichtsgebäude stehen, lockte im Juni die Ausstellung „ABC der Hausfrau“ die Besucher in Scharen an. Einer der Höhepunkte des Rahmenpro-
gramms war ein Wettkochen zwischen zwei Junggesellen und zwei Ehemännern. ZisselVater Willi Schmidt und Solotänzer Max Jacubowskij vom Staatstheater, der HenschelAngestellte Georg Leszinski sowie Wolfgang Hahl wollten den
Besucherinnen beweisen, dass auch Männer kochen können. Und was kam dabei heraus? „Gut lecken konnte Solotänzer Max Jacubowskij“, textete unsere Zeitung unter dem rechten Foto. Allerdings: „Das von ihm bereitete Hammelragout
nach indischer Art soll nicht nur scharf, sondern auch ziemlich angebrannt gewesen sein. Auf jeden Fall war Max ein netter Verlierer, Zisselvater Willi Schmidt dagegen ein ausgesprochen überlegener Gewinner.“ (hpo) Foto: HN
Das neue Gesicht der Stadt 50er-Jahre-Architektur prägt den Wiederaufbau - Zu den Klassikern gehört die AOK VON THOMAS SIEMON
23.6. Borussia Dortmund wird nach einem Sieg über den Hamburger SV Deutscher Fußballmeister. 15.9. Wahlen zum 3. Deutschen Bundestag. Die CDU/CSU erreicht die absolute Mehrheit.
KASSEL. Es ging Schlag auf Schlag. 1957 bekam der Wiederaufbau in Kassel immer mehr Konturen. T pisch für den Baustil in dieser Zeit ist das AOK-Gebäude am Rand des Friedrichsplat es. Es gilt bis heute als Perle der oftmals u Unrecht geschmähten 5 er-Jahre-Architektur. In dieser Zeit entstand eine gan e Reihe on modernen Ver altungsgebäuden. Die Wintershall-Zentrale (Friedrich-Ebert-Straße) mit ihren 1 88 Fenstern gehört ebenso da u ie das EAM-Hochhaus an der Treppenstraße. Neue Schulen so ie Kindergärten und Kirchen prägten unehmend das Stadtbild.
16.9. Die ersten Einwegflaschen ersetzen die Mehrwegflaschen für Wein und Traubensäfte in der Bundesrepublik.
Die Türme der Martinskirche
Klassiker der 50er-Jahre: Das Verwaltungsgebäude der AOK am Friedrichsplatz kurz nach der Fertigstellung 1957. Foto: HNA-Archiv
Besonders markant sind bis heute die Türme on Kassels größtem Gotteshaus, der im Krieg stark beschädigten Martinskirche. Auf die Stümpfe der beiden Türme urde ein neuer, moderner Aufbau geset t. Nach dem Krieg uchs die Zahl der Katholiken in Kassel durch Flüchtlinge und Vertriebene beträchtlich. Zu den Kir-
chenneubauten aus dieser Zeit gehören die katholischen Gotteshäuser St. Bonifatius (Wesertor), Her Mariä (Harleshausen) und Fatima (Bad Wilhelmshöhe). Sie gelten heute als Vor eigebauten für markante 5 er-Jahre-Architektur. Deutlich sichtbar sind auch die Fortschritte im Wohnungsbau. Das ist auch drin-
gend nötig, denn allein in der Kasseler Altstadt urden im Krieg 8 Wohnungen erstört.
Licht, Luft und Sonne Z ölf Jahre später müssen immer noch ahlreiche Familien mit mehr als drei Personen in einem Zimmer leben. Licht, Luft und Sonne, lautet
das Motto des Wohnungsbaus. Neue Siedlungen entstehen im Auefeld, am Lindenberg, in Bad Wilhelmshöhe und Helleböhn. Der Bedarf ist groß. Am 17. April 1957 melden die Hessischen Nachrichten, dass noch 25 Menschen in Kassel darauf arten, eine Wohnung u bekommen.
Sechs Tote nach Grippewelle Jeder zweite Bewohner im Schwalmkreis infiziert – Schulen wochenlang geschlossen SCHWALMSTADT. Die Schulen im Kreis Ziegenhain blieben geschlossen, Herbstferien urden erlängert: Die Hälfte aller Schulkinder ar an Grippe erkrankt. Während der Epidemie im September und Oktober steckten sich 26 Frauen, Männer und Kinder mit dem Virus an. Sechs Menschen starben an den Folgen. Sechs Wochen ütete die Grippe-Epidemie im Sch almkreis. Von den 55 Be ohnern ar laut Kreisgesundheitsamt die Hälfte krank.
3.5. Der Bundestag verabschiedet ein Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Darin wird die Zugewinngemeinschaft als gesetzlicher Güterstand in der Ehe eingeführt. Außerdem wird entschieden, dass Männer weiterhin bei Uneinigkeit in Bezug auf die Kindererziehung einen „Stichentscheid“ haben.
Z ei Jugendliche aus Ziegenhain starben an der Krankheit. Vier eitere Todesopfer aren höheren Alters. Besonders stark hatte die Grippe elle die Stadt Neukirchen, Heilbach und Rommershausen er ischt. Hier blieben die Schulen ochenlang geschlossen. Im Gilserberger Hochland aren mehr als die Hälfte aller Schüler erkrankt. Das Kreisgesundheitsamt ordnete daher auch hier die Schulschließung an. Auch für die Ortskranken-
kassen ar die Grippe eine große Belastung. Der Leiter der AOK Ziegenhain sagte, ehn Pro ent aller Pflicht ersicherten seien krank gemeldet. Täglich urden 9 DM Krankengeld mit der Post erschickt, das Zehnfache des sonst üblichen Betrags. Einen derartig hohen Stand hatte die AOK bis dahin noch nie erlebt. Ge öhnlich lag die Zahl der Erkrankten bei 3,3 Pro ent. Die Belastung für die Krankenkassen ar so hoch, dass sie sich Sorgen um ihre Reser-
en machten. Die AOK ar geungen, Bankkredite auf unehmen, um Krankengeld an die Versicherten aus ahlen u können. Die Grippe elle hatte mehrere hessiche Landkreise erfasst. Ende Oktober ebbte die Epidemie ab. Im Sch almkreis aren nur noch et a 55 Be ohner krank. Das ließ die Krankenkassen aufatmen. Die Schulen urden ieder geöffnet, die Krankengeldahlungen sanken auf Normalmaß. (aba)
21.9. Das deutsche Segelschulschiff „Pamir“ sinkt südwestlich der Azoren. Nur sechs der 86 Besatzungsmitglieder können gerettet werden. 1.11. Die 24-jährige Prostituierte Rosemarie Nitribit (Foto), die offensichtlich Kontakte zu hohen Persönlichkeiten aus Industrie, Politik und Wirtschaft hatte, wird erwürgt in ihrer Wohnung in Frankfurt aufgefunden. Ihr Leben und der nicht aufgeklärte Mord entwickeln sich zur meistdiskutierten Affäre der Nachkriegszeit.
... und die Welt 25.3. Vertreter der BeneluxStaaten, Frankreichs, Italiens und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen die „Römischen Verträge“ über die Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom). 4.10. Die UdSSR starten den ersten künstlichen Erdsatelliten „Sputnik1“ und eröffnen damit die Ära der Raumfahrt. Der technologische Erfolg der Sowjets löst in den USA den SputnikSchock aus.
e-paper für: 6069489 Samstag, 21. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1958 in unserer Region Chronik Nordhessen Wolfhagen. Die Arbeiten an den ersten Gebäuden für die Pommernkaserne beginnen. Eichenberg. Mit der Ernst-Reuter-Schule entsteht zwischen Eichenberg, Hebenshausen und Berge die erste Mittelpunktschule Deutschlands. Kassel. Der Lokomotivbauer Henschel & Sohn GmbH ist zahlungsunfähig. Fritz Aurel Goergen (Foto) wird Hauptaktionär, Vorstandsvorsitzender und rettet das Unternehmen. Riebelsdorf. Bei einem Wirbelsturm im Schwälmer Land stürzt die Reithalle in Riebelsdorf ein. Menschen und Tiere werden nicht verletzt, aber der Sachschaden beträgt 250 000 DM. Kassel. Nach Fertigstellung der neuen Türme wird die im Krieg stark zerstörte Martinskirche mit einem feierlichen Gottesdienst wieder eingeweiht. Homberg. So bleibt das Bier kalt: Die Homberger Brauerei bekommt eine Anlage zur Eiserzeugung und produziert im heißen Sommer 100 Zentner Eis.
Der Motor VW läuft an Am 23. Juni beginnt die Produktion beim größten Arbeitgeber der Region VON INGRID JÜNEMANN BAUNATAL. Es ist der 23. Juni 1958, als es richtig losgeht im Altenbaunaer Loh äldchen: Volks agen startet dort mit der Aufbereitung on Z linderköpfen, Vergasern, Kraftstoffpumpen und Kupplungen. Der Motor der nordhessischen Wirtschaft läuft an. Bis um Jahresende erden es bereits 855 Mitarbeiter sein im VW-Werk Kassel, so der offiielle Name, das auf dem Gelände der heutigen Stadt Baunatal liegt. Doch deren Geburtsstunde schlägt erst in den 6 er-Jahren. In jenem Sommer 1958 sind die Hallen 4,5 und 6, ehemals Produktionsstätten der Henschel-Flugmotoren erke (HFM), bereits instand geset t. Denn die neuen Herren aus Wolfsburg haben das Areal ein Drei ierteljahr früher für 6,5 Millionen Mark übernommen, am 5. Oktober 1957 urde der Kauf ertrag für eine Million Quadratmeter Fläche or einem Notar in Frankfurt untereichnet.
206 000 Besucher werden bei der 2. Hessischen Landwirtschaftsschau an der Kasseler Damaschkestraße gezählt.
Pokalfinale im Auestadion
Der Held von Augsburg
KASSEL. Am 16. No ember urde das Kasseler Auestadion um Schauplat des Endspiels um den DFB-Pokal ischen dem VfB Stuttgart und Fortuna Düsseldorf. Nach Ende der regulären Spiel eit stand es 3:3. Die Entscheidung für die Sch aben fiel erst sechs Minuten or Ende der Verlängerung. Stuttgarts Mittelstürmer Weise über and den Düsseldorfer Tor art Klose per Kopf. 25 Zuschauer sahen sieben Nationalspieler. Für den VfB Stuttgart spielten Tor art Sa it ki, Schlien , Waldner und Geiger, und für Fortuna Düsseldorf liefen Jusko iak, Steffen und der spätere Bundestrainer Jupp Der all auf. Und eil es so schön ar, fand auch das nächste DFB-Pokalfinale im Kasseler Auestadion statt. Am 27. De ember 1959 ge ann Sch ar -Weiß Essen gegen Borussia Neunkirchen mit 5:2. (geb)
AUGSBURG. Der deutsche Sieg im Leichtathletik-Länderkampf am 2 . und 21. September in Augsburg gegen die So jetunion ar eine große Überraschung. Eine Sensation aber ar es, dass Lud ig Müller die beiden Langstrecken 5 und 1 Meter or seinen hoch fa orisierten Konkurrenten aus der UdSSR geLudwig ann. Müller Und eil Müller mit seinen fantastischen Läufen den Länderkampf für die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland entschieden hatte, gaben die Journalisten dem Langstreckler aus Wesel in Westfalen einen Beinamen. Seit dem 21. September 1958 heißt der heute 77-Jährige, der im Fuldabrücker Ortsteil Bergshausen ohnt, „Held on Augsburg“. Als Müller um Helden urde, startete er noch für Wesel, aber ein paar Jahre später schloss sich der Langstreckler dem KSV Hessen an. (geb)
Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
14.3. Im Deutschen Fernsehen wird die erste Sendung der Krimi-Serie „Stahlnetz“ ausgestrahlt, in der tatsächliche Kriminalfälle nachgestellt werden. 19.4. In mehreren bundesdeutschen Großstädten finden Massenkundgebungen der Aktion „Kampf dem Atomtod“ gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Kernwaffen statt. 18.5. Schalke 04 wird nach einem Sieg über den Hamburger SV mit 3:0 Deutscher Fußballmeister. 1.7. In der Bundesrepublik Deutschland tritt das 1957 verabschiedete Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Kraft. 30.7. Das Bundesverfassungsgericht erklärt die von Hamburg und Bremen geplante Volksbefragung über die atomare Bewaffnung der Bundeswehr für verfassungswidrig. 23.8. In Hamburg läuft das erste Segelschulschiff der Bundesmarine, die „Gorch Fock“, vom Stapel. 1.10. Der amerikanische Rock ’n’ Roll-Sänger Elvis Presley trifft als
Der alte Fuchs „Jupp“ Köcher Dass VW damals nach Altenbauna kommt und nicht ins enige hundert Meter entfernte Kassel, ird dem legendären Landrat Josef „Jupp“ Köcher (19 7-1997) ugeschrieben. Der alte Fuchs hatte die irtschaftliche Bedeutung für den Landkreis Kassel und die gesamte Region als erster erkannt. Otto Schmied (77), heute in Baunatal-Altenritte uhause, ist im Januar 1958 der Mann mit der Stammnummer Null – der erste Mitarbeiter, der speiell für Altenbauna eingestellt ird. Eine neue Zähl eise beginnt: Erstmals steht die „4“ für das neue Werk auf einem Personalpapier. 4 , so lautet Schmieds Nummer e akt. Mit ihm beginnt die Reihe on fast 7 Beschäftigten, die seitdem bei den Autobauern angeheuert haben. Der gelernte Maurer ergän t das Team um Rudolf Leiding, den ersten Werkleiter
Chronik Deutschland
Die Anfänge der Produktion: Aggregateaufbereitung bei Volkswagen in einer der ehemaligen Henschel-Hallen. Archivfoto: VW / nh und späteren Kon ernboss, das Ende 1957 aus Wolfsburg angerückt ist. Die Pioniere säubern die alten HenschelHallen und richten sie her, machen das eitere Gelände urbar. „Das ar alles Waldgebiet“, er ählt Schmied.
Eine Ver altung ird aufgebaut. Fran Kutsche (Kassel), erster Personalchef im hiesigen Werk, muss noch Möbel on der Krankenkasse mausen, damit seine Mitarbeiter loslegen können. Eine rasante Ent icklung nimmt ihren
Lauf. Zu Best eiten hat das Werk, das keine kompletten Autos, sondern Komponenten baut, 2 Mitarbeiter. Heute sind es beim größten Arbeitgeber der Region 13 in Produktion und Vertrieb Originalteile. Empfang in Friedberg (Hessen): Elvis Presley und Fans. Foto: dpa Wehrpflichtiger zu seinem Dienst in der Bundesrepublik ein und wird von vielen hundert Fans jubelnd empfangen. 26.10. Im Anschluss an ein Konzert des Rock ’n’ Roll Sängers Bill Haley kommt es in West- Berlin zu Krawallen.
Start im Juni 1958: VW-Eingangsgebäude (rechts) und Verwaltungstrakt (links). Das Haus hinter dem Torgebäude steht als letzter Bau von Henschel noch heute. Archivfoto: VW / nh
Wikus: Es begann im Pferdestall
10.11. Der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow (Foto) fordert auf einer Kundgebung in Moskau die Revision des Potsdamer Abkommens und kündigt an, die Sowjetunion werde ihren Teil der Kontrolle über Berlin an die DDR übertragen. Damit löst Chruschtschow die so genannte Berlin-Krise aus. 16.11. Bei den Wahlen zur Volkskammer und zu den Bezirkstagen in der DDR erhalten die Einheitslisten 99,7 Prozent der Stimmen. 1.12. Gründung der Ludwigsburger Zentralstelle zur Verfolgung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen.
... und die Welt
In einem ehemaligen Pferdestall begann die Erfolgsgeschichte des Spangenberger Sägeband-Herstellers Wikus. Wilhelm Hubert Kullmann gründet die Firma kurz vor seinem 30. Geburtstag unter dem Namen Wiku. Mit seinem Bru-
der Josef sowie einem Arbeiter und einem Lehrmädchen nimmt er schon vier Tage später die Produktion von Sägebändern auf. Sein dritter Bruder Karl hilft mit einer großen Bürgschaft. Erstes Firmenfahrzeug ist ein Fahrrad. Nur weni-
ge Monate später sind bereits sieben Mitarbeiter beschäftigt. Ein VW-Käfer wird angeschafft. Der erste große Auftrag lässt nicht lange auf sich warten. Er kommt von Debras, der Einkaufsgesellschaft für DaimlerBenz do Brasil. (and)
16.6. Der ungarische Reform Politiker Imre Nagy (Foto) wird durch sowjetische Truppen hingerichtet. Sein Tod löst weltweit Empörung aus. 9.10. Papst Pius XII. stirbt in Rom, sein Nachfolger wird Papst Johannes XXIII. (1881-1963).
e-paper für: 6069489 Montag, 23. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1959 in unserer Region Chronik Nordhessen
134 000 Besucher erlebten die documenta 2
Schwarzenborn. Wie eine dicke Decke liegt Nebel am 14. Januar über dem Knüll. Die Besatzung eines Bundeswehr-Hubschraubers verliert die Orientierung. Beim Absturz sterben acht Soldaten.
Die zweite documenta, die unter der Leitung von Arnold Bode vom 11. Juli bis 11. Oktober 1959 ihre Tore öffnete, lockte 134 000 Besucher nach Kassel. Am beliebtesten war der große Skulpturenpark vor der Orangerie. Im Zentrum der zweiten Kunstschau der Moderne stand aber die
Kassel. Die Tageszeitungen „Hessische Nachrichten“ und „Kasseler Zeitung“ schließen sich zur zur „Hessischen Allgemeinen“ zusammen.
abstrakte Malerei, etwa von Wassily Kandinsky. Einen Skandal gab es wegen der Zurückweisung des Bildobjekts „Bed“ des späteren Pop-Künstlers Robert Rauschenberg. Laken, Bettdecke und Kopfkissen waren auf Holz montiert wie ein an der Wand hängendes Bett. (w.f.)
Frankenberg. Es ist so heiß wie seit Menschengedenken nicht. Die einen sprechen vom Jahrhundertsommer, die Landwirte klagen allerdings über die Dürre. Im gesamten Sommer gibt es nur zwei Regentage. Am 19. Oktober fällt der erste Regen auf die ausgetrocknete Erde.
Am 12. September wurde der Neubau des Kasseler Staatstheaters eingeweiht ür die Ein eihung des neuen Kasseler Staatstheaters am 12. September hatte die hessische Landesregierung eigens die Komposition einer Oper in Auftrag gegeben. Im Beisein on Ministerpräsident Georg August Zinn und Kassels Oberbürgermeister Laurit Laurit en urde das 953 Besucher fassende Opernhaus mit dem Musiktheater erk „Prometheus“ on Rudolf Wagner Régen eröffnet. Intendant Dr Hermann Schaffner hatte selbst die Ins enierung übernommen. Der Erfolg des Stücks ar mäßig. Heute ist es on den Spielplänen ersch unden. Doch die Kasseler Be ölkerung ar stol auf den modern irkenden, on Paul
F
KASSEL. 3 Zuschauer genossen am 18. Oktober im Auestadion eine Doppel eranstaltung. Zunächst ge ann der KSV Hessen seine Partie der 2. Fußball-Liga Süd gegen den SV Waldhof Mannheim mit 2: . Anschließend ging das Halbfinale um die Deutsche Feldhandball-Meisterschaft über die Bühne. Die SV Harleshausen mit dem legendären Spielertrainer Otmar Sutter erlor gegen den TuS Lintfort mit 12:13. Harleshausen spielte mit: Stora - Bürger, Wienke - Führer, Bork (ein Tor), Gibhardt Kaletta (5), Lingelbach (1), Sutter (1), Beisheim (1), Lumm (3). (geb) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
19.3. In einer Presseerklärung erkennt der sowjetische Parteiund Regierungschef Nikita Chruschtschow die Berlin-Rechte der früheren westalliierten Besatzungsmächte an und nimmt das Berlin-Ultimatum von 1958 zurück.
Das Hauptereignis der documenta 2: Der Skulpturenpark vor der Ruine der Orangerie. Foto: nh
Mit Pomp und Prometheus
Harleshausen verpasst knapp das Finale
20.2. Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin entscheidet, dass die Streitkräfte der Bundesrepublik mit Atomwaffen der USA ausgerüstet werden dürfen.
28.6. Eintracht Frankfurt wird nach einem 5:3-Sieg über die Offenbacher Kickers Deutscher Fußballmeister.
„Die zerstörte Stadt“: Plastik des russischstämmigen französischen Künstler Ossip Zadkine vor der Orangerie. Foto: Archiv
Wolfhagen. Rege Bautätigkeit führt zur Vollbeschäftigung im Handwerk. Die Großbaustellen in der Kreisstadt : Kasernenanlagen, Gymnasium mit Aula und Turnhalle, Kreisjugendheim und Landwirtschaftsschule.
Tausende harrten im strömenden Regen aus, um Belgiens erst 28-jährigen König Baudouin (Foto) in Kassel zu begrüßen. Der Monarch inspizierte seine in der Stadt stationierten Truppen. Es war der erste Besuch eines gekrönten Hauptes seit 52 Jahren. Damals hatte Kaiser Wilhelm II. Englands König Edward VII. auf Schloss Wilhelmshöhe empfangen.
6.2. Das Bundesverteidigungsministerium bestellt 96 Starfighter F-104 in den USA.
7.4. Premiere des bundesdeutschen Spielfilms Hunde, wollt ihr ewig leben? von Frank Wisbar (1902-1967), der eine Aufarbeitung der Schlacht um Stalingrad 1942/43 zum Inhalt hat.
Rotenburg. Am 13. Juni wird die Gedenkstätte für die Kriegsopfer auf dem Alheimer eingeweiht. Hofgeismar. Umfangreiche Sanierungsarbeiten beginnen an der Sababurg im Reinhardswald. Das Dornröschenschloss wird zu einer Gaststätte mit Hotelbetrieb ausgebaut.
Chronik Deutschland
Großer Bahnhof vor dem neuen Staatstheater: Zur feierlichen Eröffnung reisten zahlreiche Ehrengäste an. Foto: Lengemann
Bode ent orfenen Bau mit der großflächigen Glasfassade und dem repräsentati en Kupfer ordach. Das langjährige Opern-Pro isorium im Blauen Saal der Stadthalle ging damit uende. Mancher trauerte allerdings auch dem alten preußischen Staatstheater nach. Das Schauspielhaus mit seinen 54 Plät en urde am folgenden Tag mit Schillers „Maria Stuart“ einge eiht. Der Anbau des kleinen Hauses ar erst durch die Initiati e Kasseler Bürger möglich ge orden. 714 163 Tombola-Lose u 5 Pfennig aren dafür erkauft orden. Organisiert hatte die Aktion der Wiederaufbau erein, Vorläufer der heutigen Fördergesellschaft des Staatstheaters. ( .f.)
Neue Wege für süße Früchtchen Selbsthilfe: Obstanbauer bilden die Absatzgenossenschaft Witzenhäuser Kirschen WITZENHAUSEN. Schon u Beginn der 5 er-Jahre hatten es die Obstanbauer im Werratal immer sch erer, am Markt gute Preise u er ielen: Import are und fliegende Händler machte den heimischen Kirschenanbauern unehmend Konkurren . Ein elne Ortschaften (Dohrenbach, Roßbach, Unterrieden) schlossen sich u Verkaufsgemeinschaften usammen. Am 1 . Mai 1959 griffen die Obstanbauer ur Selbsthilfe. 59 on ihnen gründeten die Absat genossenschaft Wit enhäuser Kirschen, die die süßen Früchtchen on Unterrieden aus u den Kunden (Großhandel, Märkte, Industrie) in gan Deutschland brachte. Die AGU uchs bis 1984 auf 8 Mitglieder an und konnte in der Nach ende eit noch einmal kräftig auf 16 ule-
Zweiter Bundespräsident: Heinrich Lübke 1.7. In West-Berlin wird Heinrich Lübke (CDU) zum neuen Bundespräsidenten gewählt. 29.7. Das Bundesverfassungsgericht korrigiert das so genannte Gleichberechtigungsgesetz und hebt die Vorrechte des Vaters bei der Erziehung der Kinder auf. 26./27. 8. Als erster US-Präsident besucht Dwight D. Eisenhower die Bundesrepublik. Dabei bekräftigt er die Garantie der westlichen Verbündeten zum Schutz West-Berlins. 12.9. Im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück wird eine Mahn- und Gedenkstätte eröffnet. 13.-15.11. Auf dem Parteitag der SPD wird das Godesberger Programm verabschiedet. Mit ihrem fünften Parteiprogramm vollzieht die SPD einen programmatischen Wandel zur Volkspartei und distanziert sich vom Marxismus. Wesentliche Inhalte sind das Bekenntnis zur Landesverteidigung, die grundsätzliche Bejahung der freien Marktwirtschaft bei öffentlicher Kontrolle wirtschaftlicher Machtkonzentration, die Einführung einer staatlichen Mindestrente und die Gleichstellung der Frau.
... und die Welt 8.1. General Charles de Gaulle (Foto) wird in Frankreich zum Staatspräsidenten der V. Republik proklamiert.
Archivbild: Kopietz
16.2. In Kuba übernimmt Revolutionsführer Fidel Castro (geb.1926) das Amt des Ministerpräsidenten.
rige Tradition. Zeitungsmeldungen aus dem 19. Jahrhundert berichten on guten und schlechten Ernten. ( ke)
3.9. Der UdSSR gelingt es, den ersten Flugkörper, die Sonde Lunik 2, auf den Mond zu schießen.
Naturschauspiel zu allen Zeiten: die malerische Kirschblüte im Werratal , hier bei Wendershausen. gen. Nicht nur Anbauer aus dem Raum Wit enhausen, sondern auch aus den Nachbarkreisen Hersfeld-Roten-
burg und Kassel set ten auf die gemeinsame Vermarktung. Der Süßkirschenanbau im Werratal hat eine 4 -jäh-
e-paper für: 6069489 Dienstag, 24. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1960 in unserer Region Chronik Deutschland
Chronik Nordhessen
12.-24.3. Bei seinem USA-Besuch trifft Bundeskanzler Konrad Adenauer am 14. März erstmals auf den israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion.
Kassel. Am Warteberg wird eine neue Vertriebenensiedlung eingeweiht, die den Namen des Widerstandskämpfers Adam von Trott zu Solz erhält.
16.3. Bundestagsbeschluss zur Privatisierung des Volkswagenwerks in Wolfsburg.
Immenhausen. im Bereich Grebensteiner Straße werden zahlreiche Keramikbruchstücke aus der Jungsteinzeit gefunden. Sie beweisen die Existenz einer bandkeramischen Besiedlung zwischen 5600 und 4800 v. Chr.
30.4. Das US-amerikanische Hilfsprogramm CARE für die nach dem Krieg Not leidende Bevölkerung der Bundesrepublik wird beendet.
Rotenburg. Bundeswehr-Soldaten ziehen in die Alheimerkaserne, im Dezember beginnt die Rekrutenausbildung in der Garnisonstadt.
3. 5. Der Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer (1905-1998) tritt wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe, an Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg beteiligt gewesen zu sein, von seinem Amt zurück.
Kassel. Fabrikant Dr. ing. e. h. August Bode (Foto), Inhaber der Waggonfabrik Wegmann & Co., wird zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Im Dezember desselben Jahres stirbt Bode im Alter von 85 Jahren. Frankenberg. 50 Jahre lang haben die Frankenberger in der Badeanstalt an der Eder Schwimmen gelernt. Im Juni 1960 ist es damit vorbei: Das Gesundheitsamt verbietet es, weil die Eder zu schmutzig ist. Kassel. Mit knapp 216 000 Einwohnern ist die Stadt fast wieder so groß wie vor dem Krieg. Zur Höchstzahl aus dem Jahr 1939 fehlen nur 10 000. Wolfhagen. Richtfest des Krankenhauses und Schwesternwohnheims am Kleinen Ofenberg.
23.5. Der israelische Ministerpräsident David Ben Gurion gibt bekannt, dass Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann in Argentinien gefasst haben.
Soldaten ziehen in Wolfhager Kaserne ein Ein Befehl der 2. Panzergrenadierdivision schaffte am 24. Februar 1960 die Grundlage für die Gründung der Bundeswehrgarnison Wolfhagen. Dieser Befehl ordnete die Verlegung der Panzerjägerkompanie 50 von Marburg und des
Panzerbataillons 54 (später 64) von Wetzlar in die neu eingerichtete Kaserne nach Wolfhagen an. Der gemeinsame Weg des Panzerbataillons 64 und der Stadt Wolfhagen begann. Unser Foto entstand beim Appell am 5. April. Generalmajor
Herrmann übergab die Kaserne im Gasterfelder Holz ihrer Bestimmung. Am Abend erlebten tausende den Großen Zapfenstreich auf dem Sportplatz an der Liemecke. Mitte Juni wurde Richtfest für 18 Häuser mit 74 Wohnungen gefeiert. Erst 1963
Der Drache dampfte schon 1848 Die Henschel-Werke werden
KASSEL. Im Jahr 1959 ar das Kasseler Brüder-Grimm-Museum gegründet orden. Im Januar 196 ar es dann so eit: In Gebäude der Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel urde das Museum mit E ponaten u Leben und Werk der Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm eröffnet. Ein Erfolg der Bemühungen der Brüder-Grimm-Gesellschaft und ihres Präsidenten, des Bärenreiter-Verlegers Karl Vötterle. Das Museum, das sich in gemeinsamer Trägerschaft on Brüder-Grimm-Gesellschaft und Stadt Kassel befindet, og dann im Jahr 1972 um ins Palais Belle ue, o es sich bis heute befindet. In Zukunft soll auf dem Kasseler Weinberg ein neues Grimm-Museum entstehen, das eine Märchenelt einschließt. ( .f.)
KASSEL. Im Jahr 196 besteht ein Unternehmen, das u Kassel gehört ie der Herkules oder die Fulda, seit 15 Jahren: Henschel. 181 ar es, als der Glockengießer Georg Christian Carl Henschel und sein Sohn Johann Werner, ein Bildhauer, eine kleine Gießerei gründen. Sieben Jahre später steigt Carl Anton, der Ober-Berginspektor ist, in die Firma ein. Damit ist der Weg u einer der größten und ichtigsten Maschinenbaufirmen dieser Zeit frei. Carl Anton Henschel ist ein genialer Erfinder und ent ickelt neuartige Dampfkessel und Turbinen. Sein Sohn Georg Ale ander Carl Henschel startet 184 schließlich den Lokomoti bau. Die Nummer 1, der „Drache“, erließ 1848 die Fabrik.
Alles für die Arbeiter Die e pandierende Firma achtet darauf, dass es den Arbeitern gut geht. Henschel ahlt Spit enlöhne, hat eine
Fabrikkrankenkasse, unterhält die Walderholungsstätte Kragenhof, ermöglicht eine beitragsfreie Unfall ersicherung, richtet eine In alidenWit en- und Waisenkasse ein. Es gibt eine HenschelSchule für Kleinkinder, der Chor hat einen eigenen Übungsraum, und man kann sich in einer Henschel-Badeanstalt aschen. Ein Wannenbad kostet 15 Pfennig – halb so iel ie in den städtischen Bädern. Und Henschel baut für seine Arbeiter in Kassel Wohnungen, die sie sich auch leisten können. Mit dem Ersten Weltkrieg ird Henschel ur Rüstungsschmiede. Man baut das Werk
Drache hieß die erste Lokomotive von Henschel. Sie wurde an die Hessische Friedrich-Wilhelms-Nordbahn ausgeliefert. Mittelfeld für den Geschüt bau. Die Rüstungsproduktion läuft auf Hochtouren. Parallel ur Rüstungsprodution läuft der Lokbau. Henschel liefert der Reichsregierung 798 Feldbahn-Lokomoti en. 1917 erlässt die erste so genannte Kriegs-Einheitslok das Werk. Die Baureihe umfasst insgesamt 433 E emplare. Nach dem Ende des Krieges muss Henschel die Rüstungsmaschinen auf Druck der Siegermächte erschrotten. Man in estiert in den Lokbau, errichtet ein eigenes Dampfkraft erk und eine Gießerei.
Unwetter tobt über Homberg Bäume entwurzelt – Viele Dächer beschädigt – Stromzufuhr unterbrochen
Domizil für Grimms: Die Murhardsche Bibliothek. Foto: Koch Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
HOMBERG. Menschen flüchten in Kellerge ölbe, ein Wirbel ind beschädigt ahlreiche Dächer, der Regen schießt in Strömen die Straßen entlang, mannsstarke Äste on jahrhundertealten Bäumen erden abgerissen: Über dem Homberger Land ütet am 3 . Juli ein unge öhnlich sch eres Un etter. Frei illige Feuer ehr, Technisches Hilfs erk und iele Helfer aus der Be ölkerung gingen un er üglich an die Arbeit, um als erstes die Durchgangsstraßen ieder
25.6. Durch einen 3:2-Sieg über den 1. FC Köln wird der Hamburger Sportverein Deutscher Fußballmeister. 9.8. Das Jugendarbeitsschutzgesetz tritt in der Bundesrepublik in Kraft. Das Mindestalter für eine Beschäftigung wird auf 14 Jahre festgelegt, Akkord- und Fließbandarbeit für Jugendliche werden verboten.
150 Jahre alt – Der Lokomotivbau läuft wieder
VON FRANK THONICKE
Ein Museum für die Brüder Grimm
wurde der Standort Pommernkaserne genannt. Die größte Einheit war das Panzergrenadierbataillon 62. In Spitzenzeiten waren über 1500 Soldaten in der Kaserne, die im Juni 2008 von der Bundeswehr verlassen wurde. (awe) Foto: nh
21.6. Der Deutsche Armin Hary (geb. 1937) läuft bei einem Leichtathletiksportfest in Zürich als erster Mensch die 100-Meter-Strecke in 10,0 Sekunden.
frei u machen. „Die Alarmsirenen konnten nicht betätigt erden, da die Strom ufuhr durch Kur schluss unterbrochen ar“, heißt es in einem Zeitungsbericht der Hessischen Nachrichten. Der Schaden in der Landirtschaft ar unächst nicht ab uschät en. In den Fluren der Umgebung lag das Getreide am Boden, an den Waldrändern, o der Sturm gute Angriffspunkte hatte, knickten die Bäume ie Streichhöl er um oder urden mitsamt dem Wur elstock ausgerissen. In
Lüt el ig urden Dächer abgedeckt. In der Homberger Klinik und ielen anderen Häusern standen die Keller unter Wasser. Erheblicher Schaden entstand auch am Dach der Homberger Stadtkirche, das erst in der Vor oche reno iert orden ar. Viele Mopeds und Motorräder hatte der Sturm umge orfen und beschädigt. Als Wunder kann es beeichnet erden, dass durch die ahlreichen Blit einschläge kein offenes Feuer entstand. (ula)
1922 erreicht die Beschäftigungs ahl ihren Höchststand – es gibt in Kassel 1 773 Henschelaner. Ab 1925 erden im Werk Mittelfeld Last agen und Busse hergestellt. Die Welt irtschaftskrise trifft Henschel hart. 1931 ird die Arbeit eingestellt, doch kur danach startet man neu. Der Z eite Weltkrieg bringt ieder Rüstungsaufträge – usammen mit Porsche erden sch ere Pan er gebaut. Im Jahr 1942 beschäftigt Henschel 6 Z angsarbeiter.
Ziel der Bomber Natürlich ar die Rüstungsschmiede ein ichtiges Ziel für die Bombenangriffe der Alliierten. Die Werke urden fast ollständig erstört. 1946 bekam man schließlich die Erlaubnis, kleine Industrielokomoti en u bauen und beschädigte Last agen u reparieren. Ab 1948 urden ieder größere Loks gebaut, und 1961 übernahm Henschel die Diesellokfertigung der Maschinenfabrik Esslingen.
Größte Mühle muss schließen WITZENHAUSEN. Im Zuge des so genannten MühlenStilllegungsgeset es musste die Rit -Mühle in Wit enhausen ihren Betrieb einstellen. Sie ar die mit eitem Abstand größte Mühle in Nordhessen und nach den beiden Großmühlen im Frankfurter Mainhafen die drittgrößte Mühle in Hessen. So lagen fast über Nacht 85 Paar Mahl alen mit einer Kapa ität on 25 Zentnern Getreide täglich still. Und 85 Mitarbeiter standen auf der Straße. 1977 urde die Mühle schließlich abgerissen. (sff)
Durchbruch in Hamburg: Drei Beatles (George Harrison, Stuart Sutcliffe und John Lennon). 18.8. In einem Hamburger Nachtclub tritt die Band The Beatles erstmals außerhalb Großbritanniens auf. 12.9. Nach dem Tod von Wilhelm Pieck wird das Amt des Staatspräsidenten abgeschafft und durch ein kollektives Staatsoberhaupt, den Staatsrat der DDR, ersetzt. Erster Vorsitzender wird Walter Ulbricht.
... und die Welt 1.5. Ein US-Spionageflugzeug vom Typ U2 wird über sowjetischem Gebiet abgeschossen. Pilot Gary Powers kann sich mit Schleudersitz retten und gerät in sowjetische Gefangenschaft. 14.10. Während der 15. UNVollversammlung in New York protestiert im Verlauf einer stürmischen Debatte um die Entkolonialisierung der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow gegen die Erwähnung von Moskaus osteuropäischen Satellitenstaaten, indem er mit seinem Schuh auf das Rednerpult hämmert. 8.11. In den USA wird John F. Kennedy (Foto), der 43-jährige Kandidat der Demokraten, zum neuen Präsidenten gewählt.
e-paper für: 6069489 60 Jahre Bundesrepublik
Mitt och, 25. Mär 2
9
BRD-RE
Das Jahr 1961 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. 727 Arbeitslose, aber 5000 offene Stellen sind im Bezirk des Arbeitsamts Kassel gemeldet. Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt.
4.1. Der letzte Band des Deutschen Wörterbuchs der Brüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859), die vor 123 Jahren mit der Arbeit begonnen hatten, wird fertiggestellt.
Hofgeismar. Die Fertigstellung der B 7-Ortsumgehung für Westuffeln und Obermeiser bringt eine Verkehrsberuhigung.
3.4. Die ersten Kriegsdienstverweigerer treten den Zivildienst an. 17.6. In Bayern liefert nach drei Jahren Bauzeit das erste deutsche Atomkraftwerk Strom.
Kassel. Die AEG eröffnet eine neue Produktionshalle in Bettenhausen. Über 1000 Menschen finden dort Arbeit.
24.6. Der 1. FC Nürnberg wird nach einem 3:0-Sieg über Borussia Dortmund Deutscher Fußballmeister.
Korbach. Ein Bundeswehr-Starfighter stürzt aus 12 000 Meter Höhe ab. Die beiden Piloten retten sich mit dem Schleudersitz. Kurz bevor ein Zug in den Bahnhof einfährt, prallen die JetTrümmer am Bahndamm auf.
28.6. Der Bundestag beschließt eine Änderung des Familienrechts. Scheidungen werden ab sofort schwerer. 1.7. Die Banken führen die FünfTage-Woche ein. Samstags bleiben die Schalter geschlossen.
Kassel. In allen Wagen der KVG gilt jetzt absolutes Rauchverbot – nicht wegen der Gefahren für die Gesundheit, sondern wegen der vielen Brandlöcher in der Kleidung der Fahrgäste. Ziegenhain. Der Kreistag beschließt, in Ziegenhain ein Krankenhaus zu bauen. Es ist das größte Bauprojekt in der Geschichte des Schwalmkreises.
Kassel. 24 000 Besucher kommen zur Erfinder- und Neuheitenausstellung in die Stadthalle und bestaunen Nützliches wie das aufblasbare Pannenwarngerät, aber auch manch kuriose Idee wie eine Kombination aus Eierkocher und Brotröster. Kassel. Autos raus: Die Obere Königsstraße zwischen Fünffensterstraße und Königsplatz wird Fußgängerzone.
Parkscheibe in Kassel erfunden
Die Bergshäuser Brücke wird errichtet Im Zuge des Autobahnbaus entschied man sich für den Bau einer Stahlfachwerkbrücke bei Bergshausen. 1959 wurde mit dem 700 Meter langen Bauwerk begonnen. Unser Foto aus dem Jahr 1961 zeigt die fast fertige Brücke, die sich in 55
Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
Schlosser in luftiger Höhe arbeitete. Bei einem Arbeitsunfall stürzten zwei Arbeiter trotz Sicherung in den Tod. Die Brücke hatte nur einen Fahrstreifen pro Richtung. 1971 wurde ein zweites Brückenbauwerk daneben gesetzt, dann konn-
ten die Autos zweispurig in beide Richtungen fahren. Lärmprobleme gab es anfangs nicht, erinnert sich Erika Semler aus Bergshausen. Die Brücke stand damals außerhalb des Dorfes, und der Verkehr war gering. (hog) Foto: Geschichtsverein Fuldabrück/nh
Flucht im Bremserhaus
Teilung: Der Mauerbau trennt Ost und West für 28 Jahre.
Mauerbau 1961 in Berlin war Signal für die Befestigung der Zonengrenze
5.9. In der DDR beseitigen FDJMitglieder alle nach Westen ausgerichteten Fernsehantennen.
VON WERNER KELLER WITZENHAUSEN. Es ar enige Wochen nach dem 13. August 1961: Im thüringischhessischen Gren gebiet gegenüber den damaligen Kreisen Esch ege und Wit enhausen rückten DDR-Arbeitskommandos an. Unter scharfer Beachung begannen sie damit, Hol beobachtungstürme und Stacheldraht äune in drei Linien u set en. Denn die mittler eile eit fortgeschrittene Abriegelung Ost-Berlins ar das Signal dafür, nun auch an der Gren e u Westdeutschland mit dem Ausbau u beginnen. Bis dahin gab es nur einen ehn Meter breiten Kontrollstreifen und einen einfachen Draht aun: Der Ackerstreifen diente da u, die Spuren on Flüchtlingen u erkennen.
Tote und Verletzte
KASSEL. Eine bahnbrechende Erfindung beginnt 1961 in Kassel ihren Sieges ug durch deutsche Innenstädte: die Parkscheibe. Vater dieses Gedankens ist der damalige Polieipräsident und spätere Bürgermeister Hein Hille. „Mit der Parkkontrollscheibe soll die Verkehrskrankheit des Dauerparkens bekämpft erden“ ermeldet die Hessische Allgemeine. Die Scheibe, eine 14 mal 14 Zentimeter große, drehbare Zeigerscheibe, ird gut sichtbar hinter der Windschut scheibe angebracht und garantiert unächst eine, später sogar ei Stunden kostenloses Parken. (chr)
Meter Höhe über die Fulda spannt; 1962 wurde die Brücke eingeweiht. Die Bauarbeiten waren schwierig. Beim Einbau eines tonnenschweren Stahlträgers senkte sich die Brücke um einen Meter, berichtet Herbert Wehrmann (67), der als
13.8. Bewaffnete Volkspolizisten der DDR riegeln Ost-Berlin gegen West-Berlin ab. Der Mauerbau beginnt.
Das Gelände ischen dem eiten und dritten Zaun urde nun im Raum Neuseesen/ Bornhagen ermint. Die Arbeiten forderten nach den Aufeichnungen der bundesdeutschen Gren behörden Tote und Verlet te. Denn die Bodenminen reagierten auf ge-
17.9. Bei den Bundestagswahlen verlieren CDU/CSU (45,3 Prozent) die absolute Mehrheit.
Komplett getrennt: Mit mehreren Zäunen riegelte die DDR die Grenze nach Hessen ab, hier ein Blick über die gesprengte Werrabrücke ins thüringische Dorf Lindewerra. Archivfoto: Stadtarchiv Witzenhausen ringen Berührungsdruck. Kamen bis 1961 noch täglich Flüchtlinge aus der DDR in die Kreise Esch ege und Wit enhausen, urden dies mit dem Ausbau der Gren sperranlagen immer eniger. Allein am Wochenende 16./17. Juli trafen im hessischen Notaufnahmelager Gießen 15 Menschen aus der DDR ein. Die Welt hielt den Atem an, als in der Nacht um 13. August 1961 in Ost-Berlin die Bauarbeiter akti urden. Die Lage ar gespannt, aber ruhig, berichteten die Lokal eitungen aus dem östlichen Hessen.
Der Esch eger Landrat Eitel O. Höhne (SPD) appellierte an die Parteien, den Wahlkampf im Gren kreis u beschränken: „Jet t heißt es usammenstehen.“ Das Wit enhäuser Erntefest, das stets im August gefeiert ird, sollte um Bekenntnis für Deutschland erden. Nach Zeitungsberichten urde bei Linde erra erstmals ein Pan erspäh agen an der Zonengren e gesehen. Und bei Wartha flüchtete eine Reichsbahnerin im Bremserhäuschen eines Zuges in den Westen: Sie og in Herleshausen die Notbremse.
Zoll und Gren schut hatten auf estlicher Seite iel u tun, um um Beispiel Konflikte on Gren besuchern mit den DDR-Organen u erhindern. „Wir schafften es allein nicht, sondern mussten Kollegen on der internationalen Gren e hin u iehen“, erinnerte sich der frühere Leiter des Zollgren kommissariats Witenhausen, Albert Nickel. Bis eit in die 195 er-Jahre hinein aren die Vopos aus dem Eichsfeld noch häufig Gäste bei der Kirmes in hessischen Gren dörfern. Auch diese Episode urde mit dem Mauerbau beendet.
Stolz auf 400 Tiefkühltruhen Im Februar fusionieren die Edeka-Organisationen in Melsungen und Kassel MELSUNGEN/KASSEL. Der Wettbe erb im regionalen Ein elhandel nimmt u, der Rationalisierungsdruck bei den Kaufleuten ächst. Deshalb schließen sich die Genossenschaften Edeka Kassel und Edeka Hessenring Melsungen Mitte Februar 1961 ur Edeka Nordhessen usammen. Die neue Großgenossenschaft hat ihren Sit in Kassel, Ver al-
tung und Lagerhäuser befinden sich jedoch in Melsungen. Das Geschäftsgebiet umfasst seiner eit Stadt und Landkreis Kassel so ie die Kreise Melsungen, Frit larHomberg, Wolfhagen und Hofgeismar. Insgesamt gehören der neuen nordhessischen Edeka 7 Ein elhändler an. Et a die Hälfte ihres Gesamtumsat es on 84,5 Millionen
Markenzeichen im Wandel: Dieses alte Edeka-Logo wurde 1965 durch das heute bekannte blaue E auf gelbem Grund in Blockschrift abgelöst. Repro: nh
Mark machen sie mit Lebensmitteln und anderen Waren, die sie on Melsungen aus über ihren Einkaufs usammenschluss be iehen. Damals noch längst nicht selbst erständlich: Die Edeka Nordhessen ist stol auf insgesamt 4 Tiefkühltruhen, die im Genossenschaftsgebiet für eine geschlossene WarenKühlkette sorgen. (as )
27.10. Am Berliner Sektorengrenzübergang Checkpoint Charlie stehen sich erstmals amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. 7.11. Konrad Adenauer wird zum vierten Mal zum Bundeskanzler gewählt. 15.12. Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann wird in Jerusalem als einer der Organisatoren des Völkermordes an den europäischen Juden zum Tode verurteilt.
... und die Welt 12.4. Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin (Foto) startet als erster Mensch ins Weltall. 17.-20.4. In der kubanischen Schweinebucht scheitert eine vom amerikanischen Geheimdienst CIA geplante Invasion von Exilkubanern. 30.10. Die KPdSU beschließt, den Leichnam des 1953 gestorbenenDiktators Josef Stalin aus dem Mausoleum am Roten Platz in Moskau zu entfernen.
e-paper für: 10216894 Donnerstag, 26. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1962 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. Der Hauptvorstand der Gewerkschaft Gartenbau, Landund Forstwirtschaft (GLF) verlegt seinen Sitz nach Kassel und bezieht das neue Hauptverwaltungsgebäude in der Druseltalstraße.
20.1. Die deutsche Erstaufführung des Dramas Andorra von Max Frisch findet in Düsseldorf, Frankfurt und München statt. 7.2. Bei einer Schlagwetter-Explosion in der Grube Luisenthal bei Völklingen im Saarland kommen 300 Bergleute ums Leben.
Witzenhausen. Ab dem Frühjahr wird am Riesenprojekt Kanalisation für die Stadt gearbeitet. Bis dato waren lediglich 52 Prozent der Wohnhäuser ans Kanalnetz angeschlossen.
17.2. Norddeutschland wird von der schwersten Flutkatastrophe seit 1855 heimgesucht. 330 Menschen sterben.
Kassel. An der Damaschkestraße wird die dritte Brücke über die Fulda innerhalb des Stadtgebiets für den Verkehr freigegeben. Frankenberg. Die Burgwaldkaserne wird eingeweiht. Sie existiert bis heute und beheimatet das Bataillon Elektronische Kampfführung. Arolsen. Fürstin Bathildis zu Waldeck und Pyrmont, die letzte regierend waldeckische Fürstin, stirbt am 6. April im Alter vom 67 Jahren in Arolsen. Eine Ära geht damit zu Ende. Kassel. Das erste Bürgerhaus der Stadt, das Philipp-ScheidemannHaus, wird in der Nordstadt eingeweiht.
Schüler demonstrieren für Pressefreiheit Die „Spiegel-Affäre“ beschäftigt auch Kasseler Gymnasiasten: Einige hundert Schüler beteiligen sich im November an einer Demo in der Königsstraße für den Erhalt der Pressefreiheit. Vorausgegangen war die Verhaftung des Spiegel-He-
rausgebers Rudolf Augstein sowie mehrerer Redakteure unter der Beschuldigung des Landesverrats. In dem Artikel „Bedingt abwehrbereit“ hatte sich Conrad Ahlers kritisch mit Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß und dem
Zustand der Bundeswehr auseinandergesetzt. Spiegel-Büros in Hamburg und Bonn wurden durchsucht und wochenlang besetzt. Auf Veranlassung von Strauß wurde Ahlers im Spanien-Urlaub verhaftet. Bundeskanzler Konrad Adenauer
spricht im Bundestag von einem „Abgrund von Landesverrat“, Strauß hingegen beteuert zunächst, mit der Sache nichts zu tun zu haben. Auf Druck der FDP-Minister im Kabinett verliert Strauß schließlich sein Amt. (hpo) Foto: HNA-Archiv
Kassel. Im Hessenkolleg wird der Unterricht aufgenommen. Waldeck. Binnen weniger Tage fahren zwei Autos in den Edersee und versinken. Sieben Insassen ertrinken – einmal zwei von sechs, dann alle fünf Personen. Kassel. Der KSV Hessen schafft den Aufstieg in die FußballOberliga Süd. Kassel. Die Kreuzung Holländischer Platz ist fertig. 26 Häuser mit 59 Wohnungen sowie 33 Firmen und Geschäfte mussten weichen.
Mäuseplage in Homberg HOMBERG. Mäuse bedrohen Wald und Flur. Die flinken Nager fressen die Felder kahl, unterminierten Raine und Böschungen und laufen sogar Wanderern ungeniert über die Füße. Da u kommen ihre Ver-
Blind und erfolgreich Konrad Gumbel – Eine beispiellose Karriere aus der Arbeiterbewegung VON THOMAS SCHATTNER FALKENBERG. Am 29. De ember 1962 starb der SPD-Politiker Dr. Konrad Gumbel. Seine Karriere beeindruckt und ist für ein armes nordhessisches Dorfkind eher unge öhnlich: Konrad Gumbel aus Falkenberg bei Wabern (Sch almEder-Kreis) urde om Kriegsblinden u einem einflussreichen Landespolitiker in Hessen. Geboren urde er am 2 . Oktober 1886 als Sohn des Wagners Johann Heinrich Gumbel in Falkenberg. Nach dem Besuch der Volksschule durchlief Konrad eine Ausbil-
dung als Former. Als Soldat im Ersten Weltkrieg urde er erlet t und kam erblindet nach Hause.
Bildung war Voraussetzung Konrad Gumbel gab jedoch nicht auf. Stattdessen begann bald schon eine große politische Karriere, die in ge isser Hinsicht für die Arbeiterbe egung t pisch ar, denn Bildung ar Vorausset ung für alles. Grundlage des späteren Aufstiegs bildete der Besuch der Marburger Blindenstudienanstalt und das anschließende Studium der Volks irtschaft in Marburg und Gießen, das Gumbel als Diplom-Volks-
irt und mit Doktore amen abschloss. Später arbeitete Gumbel als Do ent an Volkshochschulen und in Bildungseinrichtungen der So ialdemokratie. 1945 bekam er die Leitung des Gießener Versorgungsamtes übertragen. Dabei kam ihm ugute, dass er sich u or über einen langen Zeitraum politisch betätigt hatte. Vom 7. De ember 1931 bis um 7. Juli 1933 ar Gumbel Landtagsabgeordneter.
Verfassung mit erarbeitet Schon bald nach Kriegsende urde der Mann aus Falkenberg aber erneut politisch ak-
ti . Vom 15. Juli bis um 3 . No ember 1946 ar Dr. Konrad Gumbel in der Verfassungsberatenden Landes ersammlung für Groß-Hessen tätig, und om 1. De ember 1946 bis um 3 . No ember 1954 ertrat er die SPD als Landtagsabgeordneter für ei Wahlperioden. Damit ar der blinde Politiker auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Hessischen Landtag 1954 urde es ruhig um ihn. Gumbel starb 1962 in Gießen. Der Protestant ar erheiratet mit Margaretha Johanna Ida, geborene Sader.
Conny und Peter drehen in der Schwalm
andten, die Rötelmäuse (Foto). Die machen sich an die arte Rinde des Junghol es im Wald. Sie schaffen es, bis u fünf Meter die Stämme hinauf u klettern. Eschen und Buchen, Douglasien und Fichten ertrocknen reihen eise, eil die Pflan en ohne Rinde keine Möglichkeiten haben, das Wasser u transportieren. Allein im Homberger Stadtald sind fünf Hektar geschädigt – eine Fläche fast so groß ie sieben Fußballfelder. Mit Gift für 1 Mark rückt man den Nagern im Staatsforst Homberg auf den Pel . (rbg) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
Gefeierte Stars des deutschen Films drehten im Juni 1962 in Schrecksbach: Cornelia Froboess, Georg Thomalla und Peter Weck kamen zu Außenaufnahmen für eine Verfilmung der Operette „Der Vogelhändler“ ins Schwälmer Dörfchen Schrecksbach. Zwar war das Wetter für die Filmaufnahmen günstig, aber die Geduld des Regisseurs Geza von Chiffra und seiner Kameraleute wurde auf eine harte Probe gestellt: Häufig störten Geräusche aus der großen Zuschauermenge die Aufnahmen, so dass manche Szene bis zu fünfmal wiederholt werden musste. Vor allem Conny Froboess, auf unserem Zeitungsausriss mit ihrem Kollegen Peter Weck zu sehen, wurde während der Drehpausen von jugendlichen Zuschauern um Autogramme bestürmt. (syg)
Sturmflut an der Nordsee: Viele Deiche brechen. Foto: Archiv 22.3. Die DDR-Regierung führt für Bundesbürger den Visumzwang ein. 12.5. Der 1. FC Köln wird mit einem 4:0-Sieg über Titelverteidiger 1. FC Nürnberg Deutscher Fußballmeister. 10.6. Bei der Fußball-WM in Chile scheidet Deutschland im Viertelfinale nach einer 0:1-Niederlage gegen Jugoslawien aus. Weltmeister wird Brasilien. 13.7. Die tägliche Werbezeit im Fernsehen wird auf 20 Minuten begrenzt. 17.8. Bei einem Fluchtversuch über die Berliner Mauer wird der 18-jährige Ost-Berliner Bauarbeiter Peter Fechter von DDRVolkspolizisten angeschossen. Er verblutet qualvoll. 26.10. Beginn der Spiegel-Affäre. Im Auftrag der Bundesanwaltschaft durchsucht die Polizei die Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Herausgeber Rudolf Augstein wird wegen Verdachts auf Landesverrat 103 Tage inhaftiert. 14.11. Eröffnung des Ernst-Barlach-Museums in Hamburg. 12.12. Premiere des Films Der Schatz im Silbersee nach dem Roman von Karl May . 14.12. Gründung der deutschen Welthungerhilfe.
... und die Welt 3.7. Mit dem Abkommen von Évian-les-Bains endet nach acht Jahren der Algerienkrieg. Das Land wird von Frankreich unabhängig. 5.8. Die USFilmschauspielerin Marilyn Monroe (Foto) wird in ihrer Wohnung in Los Angeles tot aufgefunden. 22.-28.10. Kuba-Krise: Die USA fordern den Abbau aller sowjetischen Raketen und Abschussrampen auf Kuba. Die USA und die Sowjetunion stehen kurz vor einem Krieg, der erst durch den endgültigen Abbau der Raketen verhindert wird.
e-paper für: 10216894 Freitag, 27. Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1963 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. Amtsgericht, Landgericht, Oberlandesgericht, Amtsanwaltschaft und Staatsanwaltschaft nehmen ihre Tätigkeit in den neuen Gerichtsgebäuden an der Frankfurter Straße auf.
20.2. In der Freien Volksbühne in West-Berlin wird Rolf Hochhuths Drama Der Stellvertreter uraufgeführt. Es kritisiert die passive Haltung des Vatikans gegenüber der Judenverfolgung im NS-Deutschland.
Rotenburg. Das Waldschwimmbad wird eingeweiht. Es hat über 1,1 Millionen Mark gekostet.
1.4. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) nimmt seinen Sendebetrieb auf.
Ziegenhain. Ministerpräsident Georg-August Zinn setzt den ersten Spatenstich für die kreisübergreifende Schwalmregulierung, mit der Überschwemmungen vermieden werden sollen. Es gehört zu den größten Projekten der öffentlichen Hand in Hessen. Kassel. Neuer Oberbürgermeister wird der bisherige Bürgermeister Karl Branner (Foto). Er löst Lauritz Lauritzen ab, der hessischer Justizminister wird. Treysa. Die Besitzer von Fernsehgeräten in Treysa sind verärgert: Das Zweite Programm ist nicht zu empfangen. Abhilfe soll der neue Sender auf dem Rimberg bringen. Kassel. Im Februar liefern die Henschel-Werke der Deutschen Bundesbahn die bisher stärkste und schnellste dieselhydraulische Lokomotive, die V 320 mit 4000 PS Motorleistung. Witzenhausen. Die neuen Gebäude der Deutschen Landmaschinenschule (Deula) werden ihrer Bestimmung übergeben.
Keine Kohle: Eine Woche schulfrei KASSEL. Mit einer Schussfahrt ins Neue Jahr auf dem Schlitten begrüßen iele junge Leute das Jahr 1963, doch die Freude über den Winter soll den Menschen bald ergehen: Die Schneemassen behindern den Verkehr derart, dass es u heftiger Kritik in der Öffentlichkeit kommt und am 4. Januar die Bundes ehr eingeset t erden muss, um beim Schneeräumen in der Innenstadt u helfen.
30.4. Die 963 Meter lange Fehmarnsundbrücke, die die Insel Fehmarn mit dem schleswigholsteinischen Festland verbindet, wird eröffnet. 10.5. In West-Berlin wird Joghurt erstmals im EinwegKunststoffbecher verkauft. 23.-26.6. Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in der Bundesrepublik und in West-Berlin. Seine Rede vor dem Schöneberger
Neckermann zieht an den Kasseler Königsplatz Die letzte Baulücke am Kasseler Königsplatz, dort, wo früher die alte Hauptpost stand, wird vom Deutschen Lloyd mit einem betont modernen Stahlbeton-Zweckbau der Berliner Architekten Schwebes und Schloßberger geschlossen –
nachdem zuvor 12 000 Kubikmeter Trümmerschutt beseitigt worden sind. Durch den eiskalten Winter gestalteten sich die Bauarbeiten besonders schwierig. Um die Termine einhalten zu können, betonierte man auch bei
Frost unter schützenden Zeltplanen weiter. Am 8. Mai ist es so weit: Die Neckermann KG kann eines ihrer schönsten und größten Kaufhäuser eröffnen. Das Kaufhaus zieht vom Ständeplatz ins Herz der Stadt. 10 000 Quadratmeter Ver-
kaufsfläche sind dort entstanden, 700 Menschen finden in den 30 Verkaufsabteilungen sowie der Verwaltung Arbeit. Und im autofreundlichen Kassel wird das Parkdeck mit 184 Plätzen besonders begrüßt. (wet) Foto: privat
Jubel über „Schulecho“ Homberger Schülerzeitung gewinnt bei landesweitem Wettbewerb den ersten Preis VON THOMAS SCHATTNER HOMBERG. Das „Schulecho“ der Homberger August-Vilmar-Schule urde Ende 1962 ur besten Schüler eitung Hessens gekürt. Am 8. Januar 1963 aren der Hessische Rundfunk und die Tages eitung im heutigen Theodor-Heuss-G mnasium u Gast. Stol präsentierten die Mädchen und Jungen ihre Schüler eitung „Schulecho“. Für dieses Blatt hatten sie den mit 3 DM dotierten 1. Preis eines Wettbe erbs des hessischen Er iehungsministeriums erhalten. Be orben hatten sich Schulen mit 5 Zeitungen. Bereits 1959 hatten die Homberger den 2. und 1961 den 3. Preis erhalten.
Schuleiter Dr. Horst Clément über seine neun Redakteure lobend: „Unbeirrt on aller Kritik, brachten die Schülerredakteure das Homberger Schulecho eiter heraus. Ihre fleißige und selbstständige Arbeit fand eine schöne Anerkennung.“ Wie stol der Direktor auf seine mitunter rebellische Redaktion ar, da on eugt auch dieses Zitat: „Unbeirrt on aller Kritik ar unsere Schul eitung eiterhin bemüht, dem eltbeVorbild Das siegreiche „Homberger Schulecho“ rüchtigten (Spiegel) nach uei1963.
fern. Trot dem gelang es orläufig nicht, eine Echo-Affäre u kreieren. Sämtliche Redakteure befinden sich ur eit noch auf freiem Fuß.“ Chefredakteur ar damals der Schüler Rolf Mänken, heute ist er Fachbereichsleiter in diesem G mnasium. Kur e Zeit später aber beklagte Clément bitterlich: „Unser Homberger Schulecho, or einem Jahr im Wettbeerb mit allen hessischen Schul eitungen preisgekrönt, hat sich auf den bereits erelkten Lorbeeren ur Ruhe begeben und ist sanft entschlafen.“ Schmer haft machte sich bemerkbar, dass einige der Redakteure nach dem Abitur die Schule erlassen hatten.
Tödliche Gasvergiftung Doch es soll noch schlimmer kommen. Als Gasrohre brechen, stirbt ein NordstadtBe ohner an Gas ergiftung. Klirrender Frost behindert die Müllabfuhr, stellen eise bricht die Wasser ersorgung usammen. Grund sind nicht geplat te Rohre, sondern leere Speicher. Regen asser konnte nicht durch den gefrorenen Boden dringen. Menschen müssen in der Kälte an Tankagen anstehen. Eher Jubel er eugt dann eine andere Maßnahme der Stadt: Ab dem 22. Januar gibt es schulfrei, denn Kohlen sind knapp ge orden, und die Zechen an der Ruhr eigern sich, Kohle per Lk u schicken. Man set t dort auf die Bahn, aber die ist mit ihren Kapa itäten auch am Ende. Als am 28. Januar 3 Tonnen Kohle eintreffen, erden die Schulen mit Ausnahme der Berufsschulen ieder geöffnet. ( et) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
Letzte Förderschicht fuhr ein In der Grube Christiane bei Adorf wurde am 16. April der Eisenerz-Abbau beendet ADORF. Nach 1,7 Millionen Tonnen gefördertem Eisener ar Schluss: Am 16. April 1963 urde in der Grube Christiane in Diemelsee-Adorf die let te Förderschicht gefahren. Die Grube Christiane ar nach dem Z eiten Weltkrieg die größte Eisener grube in Hessen. Mit dem Ende des Er abbaus nach 25 Jahren in der Grube Christiane ging auch die Geschichte des Bergbaus im Raum Diemelsee insgesamt u Ende. Diese reicht mindestens bis ins 13. Jahrhundert urück. Am 5. Januar 1273 urde die älteste Urkunde über den Adorfer Eisener bergbau ausgestellt. In dieser Urkunde ird das Schürfrecht im Raum Esbeck (Wüstung im Adorfer Raum, südlich des damaligen Schachtes Webbel), Upspringe (das heutige Giershagen, Nachbarort auf estfälischem Boden) und Amesl th (das heutige Arnstein) ischen den Feinden des Klos-
Das Ende: Ein mit einem Kranz geschmückter Hunt – ein Förderwagen im Bergbau – wurde bei der letzten Schicht aus dem Förderkorb des Adorfer Bergwerkes geschoben. Foto: Privat ters Bredelar und den begüterten Adelshäusern geregelt. Seit dem Jahr 1935 bemühten sich die gegenüber anderen Ruhrkon ernen nur über eine ergleichs eise geringe inländische Eisener grundlage erfügende Mannesmann-
röhren-Werke um eine Verstärkung ihrer Er basis. Da heimisches Eisener u dieser Zeit ein begehrter Rohstoff ar, konnten abbau ürdige Vorkommen nur sch er er orben erden. Unter Vermittlung des Amtes für deut-
sche Roh- und Werkstoffe pachtete Mannesmann die Grubenfelder der Ge erkschaft Christiane im Juli 1936 für 25 Jahre und führte den Betrieb unter dem Grubennamen „Christiane“. Bei einer Gesamtbelegschaft on 26 Personen (daon et a 18 Mann unter Tage) urden im Jahr 196 fast 156 Tonnen Er mit einem durchschnittlichen Eisengehalt on 3 ,35 Pro ent gefördert. Hierbei handelt es sich um die höchste Jahresförderung eines Grubenbetriebes im hessischen Eisener bergbau seit 1918, die auch in der Folge eit nicht mehr übertroffen urde. Im Rahmen der Stilllegung des gesamten inländischen Eisener bergbaus on Mannesmann urde im Re ier Martenberg am 16. April 1963 der let te mit einem Kran geschmückte Wagen abge ogen und der Abbau eingestellt. (emr)
„Ich bin ein Berliner“: John F. Kennedy, der fünf Monate später ermordet wird. Foto: ddp Rathaus beendet er auf Deutsch mit den Worten: „Ich bin ein Berliner.“ 29.6. Borussia Dortmund wird mit einem 3:1-Sieg über den 1. FC Köln deutscher Fußballmeister. 15.7. Der SPD-Politiker Egon Bahr formuliert in einer Rede in der Evangelische Akademie Tutzing eine neue Konzeption der deutschen Ostpolitik unter der Devise Wandel durch Annäherung. 15.10. Bundeskanzler Konrad Adenauer tritt zurück, Wirtschaftsminister Ludwig Erhard wird zu seinem Nachfolger gewählt. 1.11. In Lengede (Niedersachsen) werden elf Bergleute zwei Wochen nach dem Grubenunglück lebend geborgen. Das Wunder von Lengede ist die bisher spektakulärste Rettungsaktion in der Geschichte des Bergbaus. 17.12. Unterzeichnung eines Passierscheinabkommens zwischen der DDR und dem Senat, das den Besuch von West-Berlinern in Ost-Berlin über Weihnachten und Silvester regelt. Heinrich Bölls (Foto) Roman Ansichten eines Clowns ist eines der erfolgreichsten Bücher des Jahres.
... und die Welt 8.8. Beim bis dato größten Geldraub in der britischen Geschichte, dem Überfall auf den Postzug Glasgow-London, erbeuten 15 Männer umgerechnet 30 Millionen DM. Die meisten Täter werden schnell gefasst. 22.11. Bei einer Fahrt im offenen Wagen durch Dallas/Texas wird US-Präsident John F. Kennedy erschossen. Der mutmaßliche Täter Lee Harvey Oswald wird kurz darauf festgenommen und zwei Tage später selbst von einem Nachtclubbesitzer erschossen. Die Spekulationen um mögliche Hintermänner des Attentats dauern bis heute an.
e-paper für: 10216894 60 Jahre Bundesrepublik
Samstag, 28. Mär 2
9
BRD
Das Jahr 1964 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. Hessen feiert seinen 700. Geburtstag beim dreitägigen Hessentag in Kassel. Die Prominenz geht zum feierlichen Festakt ins Große Haus des Staatstheaters, die Bevölkerung strömt in Scharen zum Musikfest der „Gemeinschaft der Vier Nationen“ im Auestadion. Und 200 000 Zuschauer sehen den sieben Kilometer langen Festzug durch die Innenstadt.
11.1. Nominierung der letzten gesamtdeutschen Olympiamannschaft für die Olympischen Spiele in Innsbruck und Tokio. 15./16.2. Auf dem Sonderparteitag der SPD wird Willy Brandt zum Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten gewählt.
Baunatal. Altenbauna, Kirchbauna und Altenritte schließen sich zur Gemeinde Baunatal zusammen.
12./13.3. Die SED-Parteileitung der Ost-Berliner Humboldt-Universität schließt Professor Robert Havemann wegen kritischer Äußerungen aus dem Lehrkörper der Universität und aus der Partei aus.
Treysa. Die beliebte Fernsehsendung „Zum Blauen Bock“ wird aus Treysa übertragen.
9.5. Der 1. FC Köln wird in der neuen Bundesliga deutscher Fußballmeister.
Kassel. 15 000 Sänger feiern in Kassel den 125. Geburtstag des Mitteldeutschen Sängerbundes. Witzenhausen. Die Bahnstrecke zwischen Kassel und Göttingen ist elektrifiziert: Am 25.September befährt der erste elektrisch betriebene Zug, der „RheingoldExpress“, mit Ehrengästen die Strecke und macht mittags In Witzenhausen Station. Kassel. Der Neubau der Volkshochschule in der Wilhelmshöher Allee wird seiner Bestimmung übergeben. Niedermöllrich. Leichtathlet Josef Klik aus Niedermöllrich bei Wabern wird Deutscher Meister im Diskuswerfen. 1954 hatte er diesen Titel bereits im Kugelstoßen und 1955 im Zehnkampf gewonnen.
Die Kunst geht neue Wege auf der documenta 3 Bei der documenta 3, die vom 27. Juni bis 5. Oktober 1964 in Kassel ihre Tore öffnete, wurde wieder ein Besucherrekord erzielt: 200 000 Menschen sahen die Weltkunstausstellung. Ge-
Strahlend in Tokio: Stabhochspringer Klaus Lehnertz. TOKIO. Der Kasseler Klaus Lehnert tritt am 17. Oktober 1964 gan entspannt um Stabhochsprung-Wettbe erb bei den Ol mpischen Spielen in Tokio an. „Ich hatte mir gar nichts ausgerechnet und ar entsprechend locker“, erklärte der damals 26-Jährige später. Doch der Mann, der sich als Außenseiter fühlt, holt sich die Bron emedaille und ist damit der erste Kasseler Medaillenge inner bei Ol mpischen Spielen. Die on Lehnert übersprungenen fünf Meter urden nur om amerikanischen Ol mpiasieger Fred Hansen übertroffen, der 5,1 m überquerte. Der Göppinger Wolfgang Reinhardt, der Silber geann, schaffte ebenso ie Lehnert fünf Meter. Klaus Lehnert ar auch nach seiner StabhochsprungKarriere erfolgreich und urde Hochschullehrer an der Uni ersität Kassel im Bereich Sport issenschaften. (geb) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
Art und kinetischen (bewegten) Kunst gewidmet war. Der damals in Paris lebende Künstler Harry Kramer hatte mit seinen Objekten aus Eisendraht Gegenmodelle zu den glatten und
massiven Skulpturen geschaffen. Unser Archivfoto zeigt seine „Automobile Skulptur“. Kramer war später Professor in Kassel und ist Begründer der Künstler-Nekropole. (w.f.)
Krimi um Henschel-Chef Fritz-Aurel Goergen wurde spektakulär verhaftet und erst Jahre später rehabilitiert VON FRANK THONICKE
Kasseler Klaus Lehnertz gewinnt Bronze
leitet wurde sie wieder vom documenta-Gründer Arnold Bode zusammen mit Werner Haftmann. Eine besondere Attraktion war die Abteilung „Licht und Bewegung“, die der jungen Op-
KASSEL. Es ar der 26. April 1964, und Henschel-Chef Frit -Aurel Goergen hatte es sich un eit des Kan lers Konrad Adenauer bequem gemacht. Beide nahmen an einem Bankett in Hanno er teil. Adenauer mochte Goergen – schließlich ählte er u den Kapitänen des deutschen Wirtschafts unders ie Ma Grundig, Helmut Horten und Josef Neckermann. Nichts und niemand schien Goergen etas anhaben u können. Doch da erschienen plöt lich Kriminalbeamte und nahmen den Henschel-Boss om Bankett eg fest. Der Vorurf: Goergen soll Ersat teile für Pan er der Bundes ehr aus Ne York importiert und sie der Bundesregierung u
überhöhten Preisen in Rechnung gestellt haben. 4 Mark sollen so in seine Tasche geflossen sein. Bereits ier Tage u or, am 22. April 1964 hatten 5 Poliisten in Kassel die Henschelei durchsucht. Alle Mitarbeiter mussten das Bürogebäude erlassen, ährend Beamte Berge on Akten sicherstellten. Frit -Aurel Goergen ar 1958 als Retter on Henschel nach Kassel gekommen. Der eigen illige und ego entrische Goergen ar ein renommierter Wirtschaftsboss – uor hatte er die Phoeni Rheinrohr AG geleitet, das größte Hütten erk an der Ruhr, und er ar Generalbeollmächtigter des OetkerKon erns. Henschel befand sich 1958 in einer sch ierigen Lage. Die Banken fürchteten
Fritz-Aurel Goergen Foto: Lengemann um ihr Geld und hatten Goergen geholt. Er bekam dafür 27,5 Pro ent der Henschel-Aktien u niedrigem Preis. Goergen hatte in Kassel schnell Erfolg. Lag der Henschel-Umsat 1958 noch noch bei 193 Millionen Mark, so aren es drei Jahre später schon 5 Millionen. Goergen baute
Henschel om reinen Lok- und Lk -Werk u einer Sch ermaschinenfabrik um. Z ei Monate nach seiner Festnahme urde Goergen im Juni 1964 gegen eine hohe Kaution aus der Haft entlassen. Der Kapitän des Wirtschafts unders hatte on Deutschland die Nase oll. Er erkaufte seinen Henschel-Anteil für fast 6 Millionen Mark an die Rheinischen Stahl erke Essen und og in die Sch ei . Erst 1969 erhob man Anklage gegen Goergen egen Betrugs und Untreue. 1974 urde das Verfahren auf Kosten der Staatskasse eingestellt – faktisch ein Freispruch. Frit -Aurel Goergen starb am 4. No ember 1986 im Alter on 77 Jahren in Cologn bei Genf.
Wiederwahl als Bundespräsident: Heinrich Lübke 1.7. Heinrich Lübke (CDU) wird in Berlin erneut zum Bundespräsidenten gewählt. 10.9. In Köln trifft der millionste Gastarbeiter ein: Der Portugiese Armando Rodriguez (19261981) erhält bei seiner Ankunft ein Moped als Geschenk. 16.9. Die Bundesregierung beschließt die Gründung der Stiftung Warentest mit Sitz in West-Berlin. 31.10. Der Rationalisierungsverband Ruhrbergbau meldet 31 Großzechen im Ruhrgebiet zur Stilllegung an. In den folgenden Wochen gehen Tausende von Bergleuten auf die Straße und demonstrieren für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. 28.11. Gründung der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) in Hannover. Im deutschen Fernsehen wird erstmals zu Spenden für geistig und körperlich behinderte Kinder aufgerufen. Die Aktion Sorgenkind (heute: Aktion Mensch) wird zu einem großen Erfolg.
... und die Welt
KSV Hessen verpasst den Aufstieg in die Bundesliga 28. Juni 1964: Der Blick auf die Tabelle der Bundesliga-Aufstiegsrunde ist ernüchternd. Mindestens mit vier Toren Unterschied muss der KSV Hessen bei Hannover 96 gewinnen, wenn der Aufstieg noch klappen soll. Doch die Aufgabe ist für Nolte, Vollmer, Istel, Michel, Dittel, Alt, Assmy, Fritzsche, Kuster, Jendrosch und Burjan zu schwer. Mit einem 3:1 sichert sich Hannover den Aufstieg. Zwar hatte der KSV die 1:2-Auftakt-Niederlage gegen Hannover schnell verkraftet und das erste Auswärtsspiel in Aachen 4:2 gewonnen, aber schon beim zweiten Heimspiel fiel die Vorentscheidung gegen die Löwen. Gegen den FK Pirmasens gab es ein 1:4. Siege in Pirmasens (4:2) und zuhause gegen Aachen (2:0) verbesserten die Lage nicht, weil sich Hannover keine Blöße mehr gab. – Unser Foto: Peter Jendrosch (links) trifft beim 4:2 in Pirmasens. (geb) Foto: nh
25.2. Der erst 22-jährige USAmerikaner Cassius Clay (Foto), der sich nach seinem Übertritt zum Islam Muhammad Ali nennen wird, erkämpft gegen Sonny Liston den Titel eines Boxweltmeisters im Schwergewicht. 1.6. Gründung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), deren erklärter Gegner der Staat Israel ist. 4./5.8. Nach US-Angaben haben nordvietnamesische Kriegsschiffe im Golf von Tongking zwei US-Zerstörer angegriffen. Dieser Zwischenfall wird zum Anlass für die Bombardierung von Zielen in Nordvietnam durch US-Flugzeuge genommen. 14.10. Der sowjetische Parteiund Regierungschef Nikita Chruschtschow wird vom Zentralkomitee der KPdSU aller Ämter enthoben.
e-paper für: 10216894 Montag, 3 . Mär 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1965 in unserer Region Chronik Deutschland
Chronik Nordhessen
29.1. Die NRW-Landesregierung stellt den so genannten SmogPlan auf. Danach kann bei SmogGefahr der private Kraftfahrzeugverkehr in einigen Städten ganz oder teilweise stillgelegt werden. Smog ist ein Kunstwort aus der Kombination der englischen Wörter „Smoke“ (Rauch) und „Fog“ (Nebel).
Kassel. Im wieder aufgebauten historischen Marstallgebäude wird erstmals Markt abgehalten. Die Fleischer und Wurstmacher sind vom Entenanger zunächst in das Obergeschoss eingezogen. Als sie nach einigen Monaten in das Erdgeschoss umziehen, ist Platz für die Obst- und Gemüsehändler vom Königsplatz.
10.2. Der Bundestag hält erstmals eine „Aktuelle Stunde“ ab. Sie soll der Opposition die Möglichkeit bieten, aktuelle Themen im Plenum zu erörtern.
Treysa. Carl Freudenberg eröffnet ein Kunststoff-Industriewerk. Grebenstein. Das Neubaugebiet Riethweg mit 315 Ein- und Mehrfamilienhäusern entsteht.
7.4. Sowjetische Düsenjäger überfliegen die Berliner Kongresshalle während der Plenarsitzung des Bundestages in West-Berlin. Außerdem werden aus Protest gegen die Abhaltung
Treysa. 1000 Soldaten aus Treysa machten mit bei Aufnahmen für einen Film über die Bundeswehr als „die modernste Artillerie Europas“. Kassel. Die KVG beginnt, die Schaffner abzuschaffen. Entwertungsautomaten machen in Straßenbahnen und Bussen nun ihre Arbeit. 100 Schaffner verlieren ihren Job. Kassel. Automatisch geht es ab dem 20. März im Parkhaus in der Neuen Fahrt im Herzen Kassels zu. Dort wird die bundesweit erste elektronische Steuerungsanlage in Betrieb genommen. Ampeln zeigen dem Autofahrer, ob in irgendeinem der fünf Stockwerke noch ein Plätzchen frei ist. Kassel. Flutlicht für Fußballer: Begeistert können Spieler, Trainer und Vereinsmitglieder des CSC 03 miterleben, wie die 24 Scheinwerfer der ersten Kasseler Flutlichtanlage den roten Bodenbelag des Hartplatzes an der Jahnstraße in 24 000 Watt starkes Licht tauchten.
Knöllchen von zarter Hand
Nur mit Mühe erreichte unser Fotoreporter Jochen Baron am 16. Juli die Gemeinde Obermeister im Kreis Hofgeismar. Sein Bild von einem Bauern, der eine Kuh in Sicherheit bringt, dokumentiert, wie hoch das Wasser durch den Ort strömte.
Menschen sterben in den Fluten Nach heftigen Überschwemmungen gleicht die Region einem riesigen Trümmerfeld VON FRANK THONICKE KASSEL. Zehn Menschen ertrinken in den Fluten, überall erstörte Brücken und eingestür te Häuser, unterspülte Bahndämme, riesige lehmbraune Seenplatten und totes Vieh, das in reißenden Strömen treibt: Im Juli 1965 gleichen eite Teile Nordhessens, Ost estfalens und Südniedersachsens einem riesigen Trümmerfeld. Die sch erste Un etterkatastrophe seit Jahre ehnten richtet Millionenschäden an.
Das Jahr 1965 galt bei den Meteorologen als das größte Regenjahr seit 1 Jahren. Überall auf der Welt kam es u Stürmen und Übersch emmungen. Und auch unsere Region in der Mitte Deutschlands ar betroffen. Lang anhaltende, sintflutartige Wolkenbrüche hatten das Unglück ausgelöst. Am härtesten traf es in Nordhessen die Kreise Waldeck und Hofgeismar. Als das Wasser abfloss, aren eite Landstriche mit einer Schlammschicht bedeckt.
KASSEL. Einen unge öhnlichen Dienst treten Mitte Oktober Gisela Knauf, Heidemarie Jacob und Isolde Germeroth an. Als die ersten drei Poli eihelferinnen Kassels, auch „Politessen“ genannt, sollen sie „Parkscheibensündern“ auf Kur eitparkplät en „ on arter Hand“ gebührenpflichtige Ver arnungen hinter die Scheiben ischer stecken, aber auch alten Leuten helfen, Kinder sicher über die Straße bringen und aus ärtigen Gästen Auskunft erteilen. Analog u den Kasseler Stadtfarben Blau und Weiß sind eiße Bluse, blaues Kostüm und ein rundes Käppi ihre Dienstkleidung. Als Ledige im Alter on 25 Jahren erdienen die Poli eihelferinnen et a 6 Mark und als Verheiratete 65 Mark im Monat. (tos)
Nachrichten- und Telefon erbindungen aren errissen. Bei der Rettung on Flutopfern spielten sich mitunter dramatische S enen ab. So in Helmarshausen bei Hofgeismar: Dort stüt te eine Frau ab, die bereits das Rettungsseil eines Hubschraubers ergriffen hatte. Sie starb an den Verletungen, die sie dabei erlitt. In Wre en (Waldeck) starb eine 64 Jahre alte Frau unter den Trümmern ihres Hauses, das durch einen Erdrutsch um Einstur gebracht orden ar.
Gegen die Fluten kämpften Bundes ehr, belgische, holländische und britische Einheiten so ie Feuer ehr und ahlreiche Hilfsorganisationen. Hessens Ministerpräsident Georg August Zinn sagte nach einem Flug über das Katastrophengebiet: „Das ist niederschmetternd und furchtbar.“ Unsere Zeitung startete eine „Hilfsaktion Hoch asser“. Tausende Leser machten mit. Nach enigen Tagen aren schon über 233 Mark usammengekommen.
Jubel um Tamara und Irina Press Berühmte Schwestern glänzen mit Weltrekorden VON GERD BREHM
Start an der Brauhausstraße: Häuser müssen weichen, um Platz für eine neue Fuldabrücke in Rotenburg zu schaffen. Archivfoto: nh
Fachwerk muss für Brücke weichen
KASSEL. Am 19. September 1965 ar das Kasseler Auestadion Nabel der Sport elt. Die sechs besten Frauen-Leichtathletik-Teams Europas traten um Europacup-Finale an. Die So jetunion ge ann or der DDR (Mitteldeutschland genannt), Polen, der Bundesrepublik, Ungarn und Holland. 2 Zuschauer sahen ei Weltrekorde der PressSch estern aus der So jetunion. Tamara steigerte ihre eigene Bestleistung im Kugelstoßen auf 18,59 m, und Irina stellte mit 1 ,4 Sekunden den 8 -Meter-Hürden-Weltrekord der Australierin Pamela Kilborn ein. Auf einen Sieg einer bundesdeutschen Starterin arteten die LeichtathletikFans ergebens. Die beste Platierung erreichte die Sprinterin Erika Pollmann aus Gel-
senkirchen, die über 1 Meter in 11,6 Sekunden hinter der Polin E a Klobuko ska (11,3) Rang ei belegte. Und eine schöne Anekdote gibt es auch noch u er ählen: Der Fahrer des Wagens mit holländischem Kenn eichen, der in die Fußgänger one Obere Königsstraße einbog, ar kein Geringerer als Adrian Paulen, der Präsident des Internationalen LeichtathletikVerbandes. Als Paulen on einem Poli isten höflich gefragt urde, as Ziel seiner Reise sei, ant ortete der Holländer: „Ich möchte u meinem Freund Ma .“ Gemeint ar Dr. Ma Dan , der Kasseler Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Und überliefert ist, dass die Irrfahrt durch die Fußgänger one damals nicht mit einem Strafmandat geahndet urde.
In Rotenburg werden über 40 Häuser abgerissen Gisela Knauf ist eine der drei ersten Kasseler Politessen. Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
ROTENBURG. Die Bagger rollen im Juli 1965: Mehr als 4 alte Häuser, darunter iele Fach erkgebäude, erden in Rotenburg abgerissen, um Plat für Neues u schaffen: Eine moderne, breite Brücke über die Fulda ist geplant. Sie soll die alte Brücke, die Neuund Altstadt erbindet, entlas-
ten und dem stetig unehmenden Auto erkehr gerecht erden. Die Abbrucharbeiten beginnen an der Brauhausstraße. Die neue Fuldabrücke ar jedoch kein Bau für die E igkeit. Schon jet t, nach gut 4 Jahren, gilt sie als marode und muss mit Millionenauf and saniert erden. (sis)
Hürdenfinale mit Weltrekord: Irina Press (links) stürmt zum Sieg, Inge Schell (Mitte) aus München wird Dritte. Foto: Baron
Bundestag in Berlin: Düsenjäger über der Kongresshalle der Sitzung des Bundestages zeitweilig die Zugänge zu Wasser und zu Lande nach West-Berlin durch sowjetische und DDRSoldaten blockiert. 5.5. Der Bundestag verabschiedet das 624-DM-Gesetz. Danach können Arbeitnehmer nach tarifvertraglicher Vereinbarung jährlich bis zu 624 Mark steuerbegünstigt mit Unterstützung des Arbeitgebers sparen. 12.5. Die Bundesrepublik Deutschland kündigt die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zu Israel an. 15.5. Werder Bremen wird in der Bundesligasaison 1964/65 Deutscher Fußballmeister. 19.8. Verkündung der Urteile im Auschwitz-Prozess in Frankfurt. Die zum Teil milden Strafen führen zu Protesten im In- und Ausland. 19.9. Wahlen zum 5. Deutschen Bundestag. Union und FDP bilden erneut die Regierung.
17. 12. In bundesdeutschen Kinos startet der James-Bond-Film „Feuerball“ mit Sean Connery (geb. 1930) in der Hauptrolle.
... und die Welt 24.2. Der DDR-Staatsratsvorsitzende und Parteichef Walter Ulbricht (Foto) trifft zu einem Staatsbesuch in Kairo ein, wo er und seine Frau Lotte mit allen Ehren empfangen werden. Der Besuch ist die erste Reise Ulbrichts in einen Staat außerhalb des Warschauer Paktes. 18.3. Der sowjetische Kosmonaut Alexej Leonow (geb. 1934) schwebt als erster Mensch 20 Minuten frei im Weltraum.
e-paper für: 10216894 60 Jahre Bundesrepublik
Dienstag, 31. Mär 2
9
BRD-RE
Das Jahr 1966 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Frankenberg. Aus für das Fräulein vom Amt, wie die Damen in der Telefon-Fernvermittlung genannt wurden. Jetzt kann man auch im Kreis Frankenberg andere Orte in Deutschland per Vorwahlnummer erreichen.
12.1. Der Inspekteur der Bundesluftwaffe berichtet vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages, dass 1965 insgesamt 26 Starfighter-Kampfflugzeuge abgestürzt sind und 15 Piloten dabei ums Leben kamen. 1.4. Der regimekritische Wissenschaftler Robert Havemann wird aus der Ost-Berliner Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen.
Witzenhausen. Für die Entwicklung der Stadt zu einem zentralen Ort landwirtschaftlicher Ausbildung werden entscheidende Weichen gestellt: Die „Deutsche Ingenieurschule für Tropenlandwirtschaft“ wird eröffnet und die „Höhere Landbauschule“ in eine sechssemestrige Ingenieurbauschule für Landwirtschaft umgewandelt.
5.5. Borussia Dortmund gewinnt mit einem 2:1-Sieg über Liverpool als erste deutsche Mannschaft den Europapokal der Pokalsieger. 28.5. Der TSV 1860 München wird deutscher Fußballmeister.
Kassel. Sensation im Auestadion: Der KSV Hessen wirft Eintracht Frankfurt mit 6:2 aus dem DFB-Pokalwettbewerb.
30.7. Im Londoner WembleyStadion unterliegt die deutsche Nationalmannschaft im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft dem Gastgeber durch ein umstrittenes drittes Tor mit 4:2.
Grebenstein. Gründung des Schulverbandes Mittelpunktschule Grebenstein (erster Schulverband auf Kreisebene) mit Schülern aus Grebenstein, Burguffeln, Schachten, Westuffeln und Udenhausen, ab 1968 auch Obermeiser. Homberg. Die 25-jährige Helga Duchac (Foto) aus Homberg ist die erste deutsche Chefstewardess im internationalen Luftverkehr. Bei der US-Fluggesellschaft TWA ist sie für die Auswahl und Schulung der Kolleginnen verantwortlich. Hofgeismar. Das bekannte Hotel Hessischer Hof stürzt ein. An seiner Stelle wird später ein umstrittener Flachdachbau für einen Supermarkt errichtet. Kassel. Die Söhrebahn von Kassel-Bettenhausen nach Wellerode-Wald stellt ihren Betrieb ein.
VW schafft die Basis: Baunatal wird Stadt
Schilderwechsel: Großenritte ist jetzt Ortsteil der neuen Stadt Baunatal. Foto: nh BAUNATAL. Immer mehr Menschen ollen in der Nähe ihres Arbeitsplat es im Altenbaunaer VW-Werk ohnen: Straßen und Wohnungen erden in den Dörfern rundherum benötigt, doch das lässt sich finan iell nur gemeinsam schultern. Daher schließt sich Großenritte am 1. Juli 1966 dem Trio aus Altenbauna, Kirchbauna und Altenritte an, das sich 1964 ur Gemeinde Baunatal formiert hatte. Die neue Kommune erhält auch Stadtrechte. 12 Menschen leben dort damals, 2 eniger als bei VW arbeiten. Heute hat die Stadt Baunatal sieben Stadtteile und 28 Ein ohner, Volks agen ählt 13 Beschäftigte. (ing) Mehr auf
Theaterskandal um „Lysistrata“ Heute gehören die Nanas, die prall-bunten Figuren der Künstlerin Niki de Saint Phalle (19302002) zu den beliebtesten Objekten der neueren Kunst. Das war 1966 noch anders. Und als im Kasseler Schauspielhaus die Komödie des Aristophanes „Ly-
sistrata“ in und vor einem von Niki de Saint Phalle geschaffenen weiblichen Torso gespielt wurde, war der Skandal groß. In dem Stück verweigern sich die Frauen Athens den Krieg führenden Männern. Die Inszenierung von Rainer von Diez zeige
te den Kritiker besonders. Auch die Mitwirkung der britischen Beat-Band „The Sonics“ sorgte für Aufregung. Zahlreiche Theaterabos wurden gekündigt. Immerhin: Das Kasseler Staatstheater war bundesweit im Gespräch. (w.f.) Archivfoto: Lengemann
Aus für die Herkules-Bahn Am 11. April 1966 wurde die beliebte Straßenbahn-Verbindung eingestellt VON THOMAS SIEMON KASSEL. Der Andrang ar so groß, dass die Kasseler Verkehrsgesellschaft einen Zusat agen einset en musste. Geschmückt mit Tannengrün und Weidenkät chen machte sich die Herkulesbahn am 11. April 1966 um let ten Mal auf den Weg hinauf u Kassels Wahr eichen. Nach über ier Jahr ehnten kam das Aus für die beliebte Schienen erbindung. Statt der Straßenbahn fuhren on nun an Linienbusse um Herkules. Eine unge öhnliche Enticklung für Kassel, denn im Gegensat u anderen Städten hatte man hier immer auf die Straßenbahn geset t. Doch in diesem Fall set te sich die Bundes ehr durch, die mehr Plat auf der Druseltalstraße beanspruchte. Auf dem Weg um Übungsplat im Habichts ald störte die Bahn. Es ar das Ende einer traditionsreichen und sehr beliebten Verbindung. Ab 19 2 transportierte die Herkulesbahn unächst die im Habichts ald geförderte Braunkohle und den Abbau der ie-
27.10. Die FDP verlässt die Bonner Regierungskoalition mit CDU und CSU wegen eines Streits über Steuererhöhungen bzw. -senkungen. 6.11. Bei den Landtagswahlen in Hessen erreicht die NPD 7,9 Prozent der Stimmen. Damit zieht die rechtsextreme Partei erstmals in ein Landesparlament ein. 30.11. Nachdem die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und FDP gescheitert sind und die Unionsparteien sich mit der SPD geeinigt haben, tritt Bundeskanzler Ludwig Erhard von seinem Amt zurück. 1.12. Kurt Georg Kiesinger wird zum Bundeskanzler einer Regie-
Große Koalition: Kanzler Kiesinger (CDU, rechts) und Außenminister Brandt (SPD) Wehmütiger Abschied: Der Start zur letzten Tour der Herkules-Bahn am 11. April 1966 wurde mit Musik begleitet. Archivfoto: Lengemann len Steinbrüche. Der Personen erkehr startete kur e Zeit später. Insbesondere am Wochenende ar der preis erte Ausflug mit der Herkulesbahn eine Attraktion. Wintersportler nut ten die Verbindung hi-
nauf auf Kassels Hausberg, das Hohe Gras. Der Güter erkehr urde bereits 1961 eingestellt, da nach dem Z eiten Weltkrieg der Bergbau stark urückging. Dem Ende des Personen er-
kehrs mit der Herkulesbahn im Jahr 1966 trauern heute noch iele Menschen nach. Mittler eile gibt es Bestrebungen, die Linie mit neuen Schienen und modernen Fahr eugen ieder ubeleben.
Die wilden Zwillinge kamen bis Hollywood Gisela und Jutta Schmidt suchten das Abenteuer
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
„geistiges Halbstarkentum auf besonders grobianische Weise“, ereiferte sich der Kritiker Hans Ludwig Schulte in der „Hessischen Allgemeinen“. Beim Premierenpublikum kam das Stück dagegen gut an. Gerade diese „lautstarke Zustimmung“ ärger-
1.10. Der frühere NS-Rüstungsminister Albert Speer und der frühere NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach werden nach zwanzigjähriger Haft aus dem Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau entlassen.
Kassel wurde ihnen schnell zu klein: Die glamourösen Zwillingsschwestern Gisela Getty (links) und Jutta Winkelmann. Foto: Reichhardt/nh
KASSEL. Sie aren blutjung, bildhübsch und ollten hinaus in die große Welt. Die Kasseler Z illinge Gisela und Jutta Schmidt erfüllten sich diesen Traum Beide studierten on 1966 bis 197 an der Kasseler Kunsthochschule. Über Berlin und Rom og es die beiden nach Holl ood. Dort lernten sie Größen ie Dennis Hopper, Bob D lan und Wim Wenders kennen.
Gisela ar unächst mit dem Schauspieler Rolf Zacher usammen. Mitte der 7 er-Jahre heiratete sie Paul Gett III, den Enkel des Multimillionärs Gett , et a ein Jahr nach dessen spektakulärer Entführung. Jutta Winkelmann ar mit dem Regisseur Helmut Winkelmann erheiratet. Nach über 2 Jahren in den USA leben die beiden seit einigen Jahren in München. (tos)
rung der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD gewählt. Vizekanzler und Außenminister wird Willy Brandt.
... und die Welt 19.1. Indira Gandhi (Foto), die Tochter des ehemaligen Premierministers Pandit Javaharlal Nehru (18891964), wird zur Premierministerin Indiens gewählt. 1.7. Der von Staatspräsident Charles de Gaulle angekündigte Austritt Frankreichs aus der Nato beginnt: Frankreich zieht seine Truppen aus dem Kommandobereich der Nato zurück. 2.7. Frankreich nimmt seinen ersten Atomwaffenversuch auf dem Muroroa-Atoll im Südpazifik vor.
e-paper für: 10216894 60 Jahre Bundesrepublik
Mitt och, 1. April 2
9
BRD-re
Das Jahr 1967 in unserer Region Chronik Nordhessen
Werratal wählt erstmals eine Kirschenkönigin
Kassel. Als erste mittlere Großstadt installiert Kassel eine elektronische Verkehrssteuerungsanlage „zur maximalen Ausnutzung der vorhandenen Straßenkapazität“.
Eigentlich nur probehalber veranstaltet, sollte aus der Witzenhäuser Kesperkirmes ein Erfolgsmodell werden. Um den Tourismus zu stärken und für das Kirschenanbaugebiet im Werratal sowie die rote Frucht selbst zu werben, lässt der Verkehrsverein von Witzenhausen Anfang Juli sechs heimische Bands zu einem Beat-Festival in der Festhalle auftreten, Kirschsaft aus dem Marktbrunnen fließen und eine Kirschenkönigin wählen. Publikum und Jury entscheiden sich unter den zehn Bewerberinnen für die jüngste, die 17 Jahre alte Ute Hoffmann aus dem Dorf Roßbach. Eingehüllt in eine rote Samtrobe, werden ihr ein Krönchen aufgesetzt und ein Zepter in die Hand gedrückt. Damit besaßen die Kirschengemeinden um Witzenhausen erstmals eine gemeinsame Symbolfigur. Seither wird jedes Jahr im Juli aufs Neue eine Kirschenkönigin gekrönt. (sff)
Ziegenhain. Beim Brand einer Lagerhalle verbrennen 120 000 Schuhe. Hofgeismar. Das neue Postamt wird eingeweiht. Ende des Jahres wird auch in Hofgeismar der Telefon-Selbstwählferndienst eingerichtet. Kassel. 143 000 Besucher werden bei der Hausfrauenausstellung gezählt. Nach dem großen Erfolg des Vorjahres findet sie zum zweiten Mal in einer Zeltstadt auf den Giesewiesen an der Damaschkestraße statt. Witzenhausen. Mit dem Aus für die Feinpapierfabrik Staffel, eine der ältesten Papierfabriken Deutschlands und industrielles Herz der Region um Witzenhausen, verlieren 400 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.
Chronik 1967 Deutschland 14.2. Auf Initiative des Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller kommen Vertreter von Arbeitnehmer- und Unternehmerverbänden sowie des volkswirtschaftlichen Sachverständigenrates und der Bundesregierung zu informellen Gesprächen über eine Konzertierte Aktion zusammen, mit der die Rezession bekämpft werden soll. 19.4. Altbundeskanzler Konrad Adenauer stirbt im Alter von 91 Jahren in Rhöndorf. 26.5. Der Deutsche Sportbund und die Deutsche Olympische Gesellschaft gründen die Stiftung Deutsche Sporthilfe, deren Ziel in der materiellen Unterstützung der Sportler liegt. 27.5.-4.6. Besuch des persischen Schahs Mohammad Resa Pahlawi (1919-1980) und seiner Frau Farah Diba (geb. 1938) in der Bundesrepublik und in
Foto: Stadtarchiv Witzenhausen
Ein Hoch auf den Herkules Kasseler Wahrzeichen feiert 250. Geburtstag – Immer wieder muss es saniert werden VON THOMAS SIEMON
Spaziergang mit Geparden auf der Kasseler Fuldabrücke. Edith Weidmann vom Zirkus Sarrasani nutzt das Gastspiel zu einem Stadtbummel mit ihren beiden Lieblingen. Foto: Archiv
Prinz Josias stirbt in Diez
KASSEL. 25 Jahre Herkules, enn das kein Grund um Feiern ist. 1967 ar es so eit, die Kasseler ließen ihr Wahreichen hochleben. Doch damals ie heute bereitete der sagenhafte Held on Wilhelmshöhe auch einige Sorgen. Seit seiner Geburtsstunde im Jahr 1717 nagten Wind und Wetter an der Figur. Zum 25 . Geburtstag ar der Herkules mal ieder eingerüstet. Für eine bessere Standfestigkeit hatten ihn die Mitarbeiter des Staatsbauamtes ein Zementkorsett und jede Menge Betonsprit en erpasst.
Ist angefangen anno 1714 und fertig worden anno 1717 d. 3 . Nov.“ INSCHRIFT AUF DER PLAKETTE IM KOPF DES HERKULES
Josias Prinz zu Waldeck und Pyrmont in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Foto: nh AROLSEN. Josias Georg Wilhelm Adolf Prin u Waldeck und P rmont (71) stirbt am 3 . No ember auf dem Familienschloss Schaumburg in Die an der Lahn. Der Arolser, ältester Sohn des let ten Regenten des Fürstentums Waldeck-P rmont, machte im Dritten Reich steile Na i-Karriere um Poli ei- und SS-General. Als Adjutant des ReichsführersSS, Heinrich Himmler, ar Waldeck in die Organisation der E ekutionen nach dem „Röhm-Putsch“ 1934 er ickelt. 1947 urde er als Kriegs erbrecher on einem US-Militärgericht im Buchen aldHauptpro ess u einer lebenslangen Freiheitsstrafe erurteilt. Die Strafe urde 1948 auf 2 Jahre Haft erkür t. 195 urde Waldeck aus gesundheitlichen Gründen oreitig entlassen. ( rk) Mehr auf
Das genaue Geburtsdatum ar erst im Jahr 19 aktenkundig ge orden. Damals hatte man ihm bei Sanierungsarbeiten um ersten Mal den Kopf abgenommen. Darin fand sich eine Plakette mit folgender Inschrift: „Carolus Landgr. . H. hat dieses Bild
West-Berlin. Dabei kommt es zu Ausschreitungen bei einer Demonstration vor der Deutschen Oper in Berlin. In dem Tumult wird der 26-jährige Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Eintracht Braunschweig wird Deutscher Fußballmeister. 13.6. Die Bundesregierung erklärt sich bereit, im gesamtdeutschen Sportverkehr die Flagge der DDR zu dulden.
Standfest auch im Orkan Bereits dreimal in der jüngeren Vergangenheit stand der Herkules kopflos auf der P ramide des Oktogon. Und ar in den Jahren 19 , 1951 und 2 6. Auch bei der Verjüngungskur or drei Jahren stellten die E perten fest, dass die 8,25 Meter große Figur aus her orragendem Material hergestellt urde. Nur das beste Kupfer ar dem Schmied im Messinghof (Bettenhausen) gut genug. Bei der jüngsten Sanierung urde in erster Linie das Innenleben des Herkules auf Vordermann gebracht. Der soll nicht nur bei Sonnenschein glän en, sondern auch Orkanböen bis u 18 Stundenkilometer aushalten, ohne mit der Wimper u ucken.
3.8. Zwischen der Bundesrepublik und der Tschechoslowakei wird die Errichtung von Handelsvertretungen vereinbart. 25.8. Die Live-Fernsehshow Der Goldene Schuss ist die erste Farbsendung, die das ZDF ausstrahlt. 20.10. Die erste Folge der neuen Serie Aktenzeichen XY ungelöst ... wird im ZDF ausgestrahlt. In der Sendung werden von Eduard Zimmermann unaufgeklärte Kriminalfälle präsentiert und die Zuschauer um Mithilfe gebeten. Thront seit 1717 über der Stadt: Der Herkules ist das Wahrzeichen Kassels. Die kolorierte Postkarte stammt aus der Zeit der Jahrhundertwende. Foto: nh
Stolz auf das Stadtbad Mitte Modernes Schwimmbad in bester Innenstadtlage - Millionen für den Wohnungsbau
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
Von einem Polizisten erschossen: Benno Ohnesorg, Student und Demonstrant. Foto: Archiv
machen lassen durch Joh. Jacob Anthoni ein Goldschmid gebürtig aus Augsburg. Ist angefangen anno 1714 und fertig orden anno 1717 d. 3 . No .“ Seitdem steht der 3 . Noember 1717 als Geburtstag des Herkules fest. Zum 25 . gratulierten ihm die Kasseler auf besondere Weise: „Der Herkules kommt in die Stadt“, hieß das Motto des Wasserfest ugs auf der Fulda am Zissel-Sonntag.
Festlich geschmückt: Das Stadtbad Mitte wurde am 20. Juni 1967 eröffnet. Foto: Archiv/nh
KASSEL. Es galt als eines der modernsten Hallenbäder Deutschlands. Entsprechend stol ar Kassels damaliger Oberbürgermeister Karl Branner bei der Eröffnung des Stadtbades Mitte am 2 . Juni 1967. Doch die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Gut ier Jahr ehnte später hat das Bad in bester Innenstadtlage keine Zukunft mehr. Es soll nur noch so lange stehen bleiben, bis der Ersat am Auedamm fertig ist. Danach ird es der Abrissbirne um Opfer fallen. Eine Sanierung, das haben Baue perten festgestellt, lohnt sich nicht mehr. Dafür
hofft die Stadt Kassel darauf, dass das Grundstück in direkter Nachbarschaft um Cit Point am Königsplat einige Millionen Euro bringt. Das Stadtbad Mitte ar nicht das ein ige große Bauprojekt in Kassel, das im Jahr 1967 für Schlag eilen sorgte. Z ischen den Stadtteilen Ober ehren und Nordshausen uchsen die Wohnblocks der Brückenhofsiedlung schnell empor. 17 Wohnungen entstanden dort, die Gemeinnüt ige Wohnungs- und Siedlungsbaugesellschaft (Geobag) in estierte 4 Millionen Mark in neuen Wohnraum. (tos)
... und die Welt 29.4. Uraufführung des RockMusicals Hair in New York. Für Jugendliche in aller Welt wird es innerhalb kürzester Zeit zu einem Kultstück. 5.6. Im Sechs-Tage-Krieg besetzen israelische Truppen unter anderem die Altstadt von OstJerusalem, den Gazastreifen und die Golanhöhen. 9.10. Der Guerilla-Kämpfer Ernesto Che Guevara stirbt bei einem Gefecht mit bolivianischen Regierungstruppen. 3.12. In Kapstadt verpflanzt Christiaan Barnard erstmals einem Menschen ein fremdes menschliches Herz. Obwohl der Eingriff gelingt, stirbt Patient Louis Washkansky 18 Tage später an einer Lungenentzündung.
e-paper für: 10216894 Donnerstag, 2. April 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1968 in unserer Region Chronik Nordhessen
85 Meter verpackte Luft bei der documenta 4 Kunst im Aufbruch: Die documenta 4 vom 27. Juni bis 6. Oktober 1968 war die letzte, an deren Leitung der Gründer Arnold Bode beteiligt war. Obwohl neue Kunstformen wie Pop-Art und Minimal Art Einzug hielten, gab es viel Kritik an
Frielendorf. Der letzte Zug mit Braunkohle verlässt die Zeche Frielendorf. Immenhausen. Die Tuberkuloseheilstätte Philippstiftung wird Fachklinik für Lungenerkrankungen.
der Ausstellung, weil die politisch-kritische und die AktionsKunst keinen Zugang hatten. Beim Publikum war die documenta 4 aber ein Erfolg. Mit 207 000 Besuchern wurde ein Rekord erzielt. Wochenlang hielten der bulgarische Künst-
ler Christo (zweiter von links) und seine Frau Jeanne-Claude die Öffentlichkeit mit der Frage in Atem, ob er seine 85 Meter hohe Skulptur verpackter Luft zum Stehen (linkes Foto) bringen würde. Er schaffte es. (w.f.) Fotos: Archiv
Chronik Deutschland 1.1. In der Bundesrepublik wird die Bruttoumsatzsteuer durch die Mehrwertsteuer ersetzt. 1.1. Premiere des Sexualaufklärungsfilms „Das Wunder der Liebe“ von Oswalt Kolle. 2.4. Aus Protest gegen die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse setzen vier radikalisierte Anhänger der Außerparlamentarischen Oppositon (APO) zwei Frankfurter Kaufhäuser in Brand.
Kassel. Beim ersten Wilhelmshöher Bürger- und Parkfest hat die neue Beleuchtungsanlage für Kaskaden und Herkules Premiere. Calden. Die Bauarbeiten für den Flugplatz Calden beginnen.
11.4. Studentenführer Rudi Dutschke wird in West-Berlin von einem 23-jährigen Arbeiter niedergeschossen und schwer verletzt. Der Anschlag führt in vielen Teilen der Bundesrepu-
Kassel. Die Hochschule für bildende Künste an der Menzelstraße wird offiziell eingeweiht. Burghasungen. Die A 44 wird von Kassel-Süd bis Burghasungen (Abfahrt Zierenberg) für Verkehr frei gegeben. Kassel. Die Henschel-Werke bauen die erste Fluggastbrücke. Sie geht an den Flughafen Frankfurt.
Attentatsopfer: Studentenführer Rudi Dutschke. Foto: dpa
Das dez lockt Kunden an KASSEL. Mit Erstaunen und auch ein enig Unbehagen urde der Plan aufgenommen, auf dem Werksgelände der ehemaligen Waggonfabrik Credé in Kassel-Nieder ehren ein Einkaufs entrum mit 22 Geschäften u bauen. So etas hatte es in Nordhessen noch nicht gegeben. Doch enige Monate nach der Eröffnung aren alle Z eifel beseitigt: Kunden aus der gesamten Region hatten das de , eines der ersten deutschen Einkaufs entren überhaupt, sofort sehr gut angenommen. Nach mehreren Um- und Ereiterungsbauten präsentiert sich das de heute als moderne Shopping Mall mit über 7 Fachgeschäften und 26 Quadratmetern Verkaufsfläche. (hpo)
Soldaten auf Kassels Bühne
Szene aus Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“ in Kassel. Foto: privat/nh KASSEL. Eigentlich galt diese Oper on Bernd Alois Zimmermann als unspielbar. Mehrere Orchester und Handlungsstränge laufen in der Vertonbung des Dramas „Die Soldaten“ on J. M. R. Len parallel. Doch kur nach der Kölner Uraufführung be ies das Staatstheater Kassel 1966, dass ein mittleres Haus u Großem in der Lage sein kann: In der Ins enierung on Intendant Ulrich Brecht und musikalisch geleitet on Gerd Albrecht sorgte die Premiere für Aufsehen in der Opern elt. ( .f.) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
blik zu Demonstrationen und teilweise blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Demo vor der Stadthalle Studentenproteste erreichen Kassel - Nur der Hubschrauber kam durch KASSEL. Am Ostersamstag 1968 ar die Kasseler Innenstadt Austragungsort einer der ersten größeren Demonstrationen des Jahres. 1 junge Leute schoben sich durch die Obere Königsstraße. Das Berliner Attentat om 11. April, bei dem der Studentenführer Rudi Dutschke lebensgefährlich erlet t urde, set te auch in Kassel eine Protestbeegung in Gang. Noch blieb alles friedlich, und die Poli ei ar stol auf die gute Zusammenarbeit ischen Demonstranten und E ekuti e. Anders als in Berlin oder Frankfurt flogen in Kassel keine Steine, brannten eder Autos noch urden Fensterscheiben einge orfen. Als sub ersi galt da schon das Befestigen roter Fahnen am SpohrDenkmal, die man unter dem Beifall des Publikums jedoch schnell ieder entfernte. Die Presse kommentierte: „Statt
Im Laufschritt zur Stadthalle: Der Protest gegen die Notstandsgesetze begann friedlich. Später kam es zu Handgreiflichkeiten. Foto: Archiv
der Faust ie anderorts urde der Verstand gebraucht.” Wenige Wochen später urde die Gangart rauer. Am 29. Mai, einen Tag, be or die
Notstands erfassung das Bonner Parlament passieren sollte, traf sich in der Kasseler Stadthalle die Führungsspit e der Bundes ehr ur 14. Kom-
mandeurstagung. Von 12 Uhr bis in die Abendstunden hinein belagerten rund 1 Schüler und Studenten die Stadthalle. Um 12.5 Uhr set ten sie die Deutschlandflagge auf Halbmast. Dann urde im Chor die Melodie des Deutschlandliedes angestimmt: „Notstand, Notstand über alles!” Als die ersten Ehrengäste u einem Empfang eintrafen, plat ierten sich Demonstranten u einem Sit streik auf der Stadthallentreppe. Poli eibeamte errten sie ur Seite. Ohne Erfolg. Prominente Tagungsgäste ie der damalige Wissenschaftsminister Gerhard Stoltenberg mussten per Hubschrauber in den Innenhof geflogen erden. Kur nach 18 Uhr eskalierte die Lage. Es kam um Schlagabtausch ischen Demonstranten, Pol isten und Feldjägern. Auf beiden Seiten gab es Leicht erlet te. (tos)
Sex statt Mathe und Chemie
Homberger THS soll zur „Gegenschule“ werden und nach John Lennon heißen VON THOMAS SCHATTNER
scheinen ist keine Pflicht: Die Veranstalter empfehHOMBERG. Um ein Haar len, sich lieber mit der äre das Homberger G mFreundin oder dem Freund nasium 1968 in John-Lenu beschäftigen.“ Weiternon-Schule umbenannt hin sollte die Schul eit orden. Wenn die Schüler nach einem Flugblatt auf ihren Willen bekommen ei Monate erkür t erhätten, äre nicht der eheden, der Rest des Jahres malige Bundespräsident sollte für Ferien reser iert Theodor Heuss, sondern bleiben. ein Beatle Namenspatron. Aufmüpfig waren die Schüler der Homberger Theodor-Heuss-Schule, die in Am Tag nach den OsterDie Euphorie der 68er- der Boulevard-Presse bald „Pornoschule“ genannt wurde. aren die Wände Foto: Schattner/nh ferien Be egung sch appte in mit teils deftigen Sprüeiner großen Welle on Berlin Hans-Peter Bernhardt, ei schule“, die statt Mathe und chen beschmiert. Das ging der und Frankfurt direkt nach ehemaligen THS-Schülern und Chemie lieber Se unterrich- Schulleitung dann doch u Homberg. Die THS sollte ur damaligen Frankfurter So io- ten ollte – in Theorie und eit. Man klagte. Ein Tre saer „Gegenschule“ erden, auf logiestudenten, stieß bei den Pra is. Überhaupt sollte es an Gericht erurteilte Bernhardt dem Stundenplan sollte or al- Schülern auf offene Ohren. der „Gegenschule“ locker uu 18 Monaten und Bott u lem eines stehen: Se . Die ForBundes eit berichtete die gehen. So hieß es in der Schü- drei Monaten Gefängnis auf derung on Dieter Bott und Presse über die erste „Gegen- ler eitung: „Regelmäßiges Er- Be ährung.
14.4. Bundesjustizminister Gustav Heinemann mahnt in einer selbstkritischen Rundfunk- und Fernsehansprache zur Gewaltlosigkeit. 25.5. Der 1. FC Nürnberg wird Deutscher Fußballmeister. 30.5. Der Bundestag beschließt eine Ergänzung des Grundgesetzes durch die Notstandsverfassung. Sie genehmigt unter anderem den Einsatz der Bundeswehr bei inneren Unruhen. 28.10. Außenminister Willy Brandt erklärt die Bereitschaft, von der Existenz der DDR als eines zweiten deutschen Staates auszugehen und der Regierung der DDR auf gleichberechtigter Basis zu begegnen. 7.11. Auf dem CDU-Parteitag in West-Berlin ohrfeigt die 29-jährige Beate Klarsfeld (geb. 1939) Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger. Sie will damit auf seine NS-Vergangenheit als stellvertretender Abteilungsleiter der Rundfunkabteilung des Reichsaußenministeriums hinweisen.
... und die Welt 16.3. US-Soldaten verüben ein Massaker in dem südvietnamesischen Dorf My Lai. 507 Menschen kommen ums Leben. 4.4. In Memphis/USA wird der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King (geb. 1929) von einem weißen Attentäter erschossen. 10.5. In Frankreich rufen die Gewerkschaften aus Solidarität mit den rebellierenden Studenten zu einem Generalstreik auf, bürgerkriegsähnliche Zustände stürzen das Land ins Chaos. 5.6. US-Senator Robert F. Kennedy, jüngerer Bruder von ExPräsident John F. Kennedy, wird bei einem Attentat angeschossen und stirbt einen Tag später. 20./21.8. Truppen des Warschauer Paktes besetzen die CSSR und beenden damit den Prager Frühling, das Experiment einer Demokratisierung von Staat und Gesellschaft.
e-paper für: 10216894 60 Jahre Bundesrepublik
Freitag, 3. April 2
9
BRD-RE
Das Jahr 1969 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Baunatal. VW wächst und wächst und wächst. Im Baunataler Werk arbeiten jetzt 16 140 Menschen.
23.1. Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier kündigt nach heftiger Kritik an seinem Verhalten in Zusammenhang mit Wiedergutmachungszahlungen den Rücktritt an.
Melsungen. Schwere Unwetter mit sintflutartigem Regen verursachen im Kreisgebiet Schäden von 3 Millionen Mark. 21 Orte sind betroffen.
5.2. Das Bundeskabinett billigt das so genannte Airbus-Projekt. Dabei handelt es sich um die gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien geplante Produktion eines MittelstreckenGroßflugzeuges.
Treysa. Festtag für die Anstalten Hephata in Treysa: Das bisher größte Bauwerk der Anstalten, die für fünf Millionen Mark errichtete Nervenklinik, wird feierlich eingeweiht.
5.3. In West-Berlin wird der SPDPolitiker Gustav Heinemann im dritten Wahlgang mit 512 Stimmen zum Bundespräsidenten gewählt. Auf Gerhard Schröder, den Kandidaten der CDU/CSU, entfallen 506 Stimmen. Heinemann spricht von einem „Stück Machtwechsel“.
Kassel. Die belgischen Soldaten verlassen die Stadt. Hofgeismar. Die Altstadtsanierung beginnt. Kassel. Auf dem Bahnhof KasselUnterneustadt wird die erste Container-Umschlagstelle in Nordhessen in Betrieb genommen.
Das letzte „Fräulein vom Amt“ Ihnen wurden allein wegen ihrer netten Stimme Heiratsanträge gemacht, ungeduldige Zeitgenossen wünschten sie manchmal allerdings auch auf den Mond: Jahrzehntelang wa-
Lothar Behnke (26) aus Wilhelmshaven, besser bekannt als DJ Ralf, stellt in der Kasseler Diskothek „Old Ranch“ einen Weltrekord im Plattendauerauflegen auf: 685 Stunden. Zwischendurch muss er Sauerstoff aus einem Atemgerät der Feuerwehr tanken. Foto: Lengemann
Baader und Ensslin im Beiserhaus RENGSHAUSEN. Im Juli und August 1969 rumorte es im Beiserhaus in Rengshausen (Kreis Frit lar-Homberg). Immer ieder kamen Akti isten der Studentenbe egung in den Ort und riefen um Widerstand gegen Er ieher und Heimleitung auf. Z ei Mal aren Andreas Baader und Gudrun Ensslin unter ihnen. Einige Heimbe ohner ogen u den Studenten nach Frankfurt, darunter Peter-Jürgen Boock, der später als einer der Schle er-Entführer traurige Berühmtheit erlangte.
Ulrike Meinhof Auch das Mädchener iehungsheim in Gu hagen geriet massi in die öffentliche Kritik. Die Journalistin Ulrike Meinhof recherchierte und quartierte sich mehrere Tage in Gu hagen ein. Das Ergebnis ar frappierend: Schüler organisierten sich. Das Schülerkomitee an der Melsunger Gesch ister-Scholl-Schule lud Ulrike Meinhof ein. Sie nahm an einem ihrer Gesprächsforen im De ember 1969 teil. Meinhof prangerte auch die Verhältnisse im Waberner Eriehungsheim an: den Kar er, die Prügel und die geschlossene Abteilung. Bald darauf ging sie in den Untergrund, utiefst frustriert, dass Veränderungen aus ihrer Sicht auf friedlichem Weg nicht möglich aren. (t.s.) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
ren die „Fräuleins vom Amt” die Bindeglieder, um die Verbindung zwischen zwei Telefonen herzustellen. Dieser Abschnitt Postgeschichte endete in Kassel am 4. März 1969
pünktlich um 11 Uhr. Doris Schenk (Foto), das letzte „Fräulein vom Amt”, beendete in der Hauptvermittlungsstelle Kassel ihren Dienst. Von diesem historischen Augenblick an
wurden die letzten handvermittelten Gespräche vom Fernamt Hannover übernommen, und Doris Schenk wechselte zur Fernsprechauskunft. (use) Foto: Lengemann
Kurzes Leben einer Marke Hanomag-Henschel Fahrzeugbau baute leichte bis schwere Nutzfahrzeuge VON ANDREAS NORDLOHNE KASSEL. Die komplette Bandbreite on Nut fahr eugen aus einer Hand: Die Ehe ischen der Lk -Sparte der Kasseler Maschinen- und Fahreugschmiede Henschel und der Hanno erschen Maschinenbau AG (Hanomag) im Jahr 1969 hat das ermöglicht. Hanomag-Henschel Fahr eugbau lieferte allerdings nicht lange Modelle om leichten Transporter bis um 2 -Tonner. In den 197 ern schluckte Daimler-Ben den Betrieb. Henschels Stern beim Nut fahreugbau ging unter, der on Daimler stieg eiter auf. Die Henschel-Werke, die 1848 den Grundstein für den Lokomoti bau mit dem legendären „Drachen“ legten, produ ierten seit 1925 neben Omnibussen mittelsch ere bis sch ere Lk . Geringe Stückahlen und das fehlende eigene Händler- und Ser icenet steckten enge Gren en, den E port in die Höhe u schrau-
196Aus Henschel (links) wird Daimler-Benz (rechts): Die HanomagHenschel Fahrzeugbau GmbH bestand nur wenige Jahre. Foto: Archiv ben. Henschel arb daher in den Nachbarländern um Partner bei der Programmgestaltung und -abstimmung. 1961 biss der fran ösische Nut fahr eugbauer Sa iem an, 1963 die britische RootesGruppe. Be or die internationale Zusammenarbeit Früchte tragen konnte, übernahmen die Rheinischen Stahl erke
4 die Kasseler Henschel Werke AG. Hanomag gehörte schon länger u den Stahl erken – ein Spe ialist für Traktoren, Kleintransporter und leichte bis mittelsch ere Lk . Die Modellpallette ergän te sich, die Kon ernspit e straffte die Strukturen. Henschels Nut fahr eugsparte kümmerte
sich um Vertrieb und Wartung der Hanomag-Fahr euge. Die Stahlkrise leerte Ende der 196 er-Jahre die Kassen der Rheinischen Stahl erke. Das Unternehmen musste sich einen finan starken Partner suchen, der sich an der gemeinsamen Lk -Sparte on Hanomag und Henschel beteiligen sollte. Bei der Gründung der Fahr eugbau GmbH 1969 griff Daimler-Ben u und sicherte sich 51 Pro ent. Da die Finan sorgen bei den Stahlerken anhielten, erkaufte der Kon ern Ende 197 auch die erbliebenen Anteile an die Stuttgarter. Der neue Eigentümer stellte die Lk on Hanomag-Henschel kontinuierlich auf Daimler-Technik um, sortierte die Modellpalette nach und nach aus. Mitte der 7 er-Jahre tilgte DaimlerBen den Markennamen Hanomag-Henschel om Markt.
Auch der Landrat war sauer
Fernsehfilm stempelte die Frankenberger zu typischen deutschen Kleinstädtern FRANKENBERG. Skandal um einen Dokumentarfilm: Der NDR-Film „Der deutsche Kleinstädter“ erschütterte 1969 nicht nur Frankenberg, sondern die gan e Republik. Drei Wochen lang hatten die Regisseure Theo Gallehr und Rolf Schübel Frankenberg mit der Kamera inspi iert. Ihr Film präsentierte entlar ende Stammtischkommentare, selbst ufriedene Kommunalpolitiker, enig streikbereite Arbeiter und kritische Schüler, Hinterhöfe mit erfallender Bausubstan . Es hagelte Zuschauerbriefe, Landrat Heinrich Kohl er-
langte gar eine „Gegendarstellung“. Bei den Frankenberger
Kommunalpolitikern löste der Film einen
übereilten Einstieg in die Altstadtsanierung aus. ( e)
9.5. Der Bundestag verabschiedet einige rechtliche Neuerungen, die als erster Schritt zu einer großen Strafrechtsreform gesehen werden. Unter anderem wird ab dem 1. April 1970 die Zuchthausstrafe abgeschafft, und ab dem 1. September werden Ehebruch und Homosexualität straffrei. 24.5. Zwei Spieltage vor Ablauf der Bundesligasaison steht der FC Bayern München als Deutscher Fußballmeister fest. 12.6. Verabschiedung des Gesetzes über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Danach sind die Arbeitgeber verpflichtet, auch Arbeitern (ebenso wie bisher den Angestellten) den vollen Bruttolohnausgleich während der ersten sechs Krankheitswochen zu zahlen. 28.9. Nach den Wahlen zum 6. Deutschen Bundestag schließen Willy Brandt (SPD) und Walter Scheel (FDP) trotz knapper
Mehrheiten die erste sozialliberale Koalition. Sie will – so Brandt – vor allem „mehr Demokratie wagen“.
Mehr Demokratie Kanzler Willy Brandt.
wagen: Foto: ap
... und die Welt 21.7. Über 500 Millionen verfolgen weltweit live am Bildschirm, wie der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Fuß auf die Mondoberfläche setzt. Er sagt dazu: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit“.
e-paper für: 10216894 Samstag, 4. April 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1970 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik 1970 Deutschland
Kassel. Der 18. Februar markiert ein historisches Datum in der Stadtgeschichte: An diesem Tag beschloss die Hessische Landesregierung in einer Sitzung im Kasseler Rathaus die Gründung der Gesamthochschule.
13.2. Bei einem Brandanschlag vermutlich arabischer Terroristen auf das Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München kommen sieben Menschen ums Leben. 29.3. Die Fernsehsender ARD und ZDF benutzen für die Wettervorhersage erstmals eine Karte Europas ohne Grenzen. Bisher zeigten die Sender auf ihren Wetterkarten die Grenzen des Deutschen Reichs von 1937.
Hofgeismar. Der Landkreis Hofgeismar kauft das Jugendheim Panorama in BerchtesgadenSchönau. Karlshafen. Im November wird das älteste Schiff der Oberweserdampfschiffahrtsgesellschaft , der 70 Jahre alte Schaufelraddampfer „Kaiser Wilhelm“, an das Elbschifffahrtsmuseum Lauenburg verkauft, wo er bis heute vor allem Touristen befördert. Der Verkauf wird an der Oberweser schon bald bedauert. Homberg. Hoffnung auf Ansiedlung eines VW-Zweigwerks mit 500 Arbeitsplätzen in Homberg . Der Grundstücksvertrag wird unterschrieben, doch das Werk bleibt ein Traum. Kassel. Die Deutschen packt das Fernweh. Deshalb ist der Andrang zur ersten Messe „Reise Urlaub - Freizeit + Hobby“ (RUF 70) in der Stadthalle groß.
Glashütte Süßmuth an die Mitarbeiter
Richard Süßmuth (1900-1974) Foto: privat/nh
IMMENHAUSEN. Weil die eltbekannte Glashütte Süßmuth in Immenhausen nach einer Wirtschaftsflaute und egen ersäumter Rücklagenbildung in Not geraten ist, übergibt Richard Süßmuth am 17. Mär 197 die Firma in einer be egenden Ansprache an die Mitarbeiter. Sie sind bereit, die Firma bei Lohn ericht und unbe ahlten Überstunden u übernehmen. Unter einem neuen Geschäftsführer produ iert die 1898 gegründete und 1946 on Süßmuth iedereröffnete Hütte eiter, ist aber doch nicht u retten. Im Oktober 1996 schließt sie endgültig die Tore. (tt )
Damen schnüren Fußballstiefel WABERN. Die Eman ipation hat auch auf dem Fußballplat begonnen: Im damaligen Kreis Frit lar-Homberg urde die erste Damenfußballmannschaft gegründet. Sie gehörte um Tuspo 19 Wabern. Das erste Spiel bestritt die Elf gegen die Alten Herren und erlor or 8 Zuschauern nur mit 5:6. Die Idee ur Gründung der Damenmannschaft ar beim Karne al entstanden, als das Ballett in Fußballerkostümen auftrat. (rbg) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
4.5. Borussia Mönchengladbach wird erstmals Deutscher Fußballmeister.
Linke gegen Rechte und Polizisten gegen Demonstranten: Wie hier in der Weinbergstraße kam es beim deutsch-deutschen Gipfel in Kassel mehrfach zu schweren tätlichen Auseinandersetzungen. Polizeipräsident Herbert Ahlborn musste sich in den Tagen danach kritische Fragen zu seinem Einsatzkonzept gefallen lassen. Foto: Lengemann
Die Welt blickt auf Kassel
Zweites innerdeutsches Gipfeltreffen Brandt/Stoph – Eine Stadt im Ausnahmezustand VON WOLFGANG BLIEFFERT
A
m Donnerstag, 21. Mai, ist für Kassel der große Tag endlich gekommen: Gegen 9:3 Uhr trifft die DDRDelegation mit einem Sonderug auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe ein. An Gleis 3 begrüßt ein ernst irkender Bundeskan ler Will Brandt seinen Gast, DDR-Ministerpräsident Willi Stoph. Es ist erst das eite Treffen der Regierungschef der beiden deutschen Staaten nach dem historischen Besuch Brandts enige Wochen u or in Erfurt. Die Menschen im geteilten Deutschland hoffen, dass on Kassel aus ein Signal für erbesserte Be iehungen ausgehen möge. 1 Journalisten aus dem In- und Ausland sind u dem mit Spannung er arteten Gipfel angereist, freie Hotel immer gibt es schon seit Tagen nicht mehr. Vor dem Schlosshotel ragen Fernsehsendemasten in die Höhe. Begleitet on sieben Motorradfahrern der Kasseler Poliei fahren Brandt und Stoph durch ein dichtes Spalier inkender Menschen über die Wilhelmshöher Allee Richtung Schlosshotel. Die Stimmung ist durch Demonstranten jeglicher Couleur aufgehei t. Knallkörper e plodieren, Flugblätter ir-
beln durch die Luft, ein Mann irft sich auf die Kühlerhaube der mit den Standern der Bundesrepublik und der DDR geschmückten Mercedes-Limousine. Endlich erreicht die Wagenkolonne den eiträumigen Sperrbe irk, der rund um das Schlosshotel errichtet orden ist.
Flaggen-Zwischenfall Be or die Gespräche überhaupt inhaltlich erden können, unterbricht Stoph den Bundeskan ler. Gerade hat man ihm einen Zettel in den Tagungssaal gereicht: Drei Rechtse tremisten aus Schlesig-Holstein, die sich als Journalisten getarnt in den Sperr-
bereich schleichen konnten, haben die DDR-Flagge or dem Schlosshotel om Mast geholt. Stoph protestiert, Brandt entschuldigt sich, die Gesprächsatmosphäre ist gerei t. Gegen Mittag be irtet Brandt seinen Gast mit Stangenspargel in Sauce Vinaigrette, Neunahrer Rindfleisch, gespicktem Rehrücken mit Rahmtunke, Pfifferlingen, Stangensellerie, Spät le und frischen Erdbeeren. Gereicht ird unter anderem ein 1963er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder. Nachmittags steht das Gipfeltreffen plöt lich or dem Abbruch. Stoph ill ie geplant am Mahnmal für die Op-
fer des Faschismus im Fürstengarten am Weinberg einen Kran niederlegen. Doch dort und an anderen Stellen in der Stadt prügeln in ischen rechte und linke Demonstranten aus der gan en Bundesrepublik aufeinander ein, es kommt ur Auseinandersetungen mit der trot Verstärkung überforderten Kasseler Poli ei. Die DDR-Delegation bläst die Kran niederlegung ab, eil „die BRD-Behörden die Sicherheit des Ministerpräsidenten nicht ge ährleisten“ könnten. Die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Erst am Abend, als die meisten Demonstranten abge ogen sind und die Poli ei die Lage ieder im Griff hat, kann Stoph seinen Kran doch noch niederlegen. Eine neue Peinlichkeit ird erst am nächsten Morgen bekannt: Unbekannte ent enden nachts die Schleifen des Kran es.
Denkpause
Gespannte Atmosphäre: DDR-Ministerpräsident Willi Stoph (links) und Bundeskanzler Willy Brandt im Kasseler Schlosshotel.
Doch da on eiß noch niemand et as, als Kan ler Brandt seinen DDR-Besucher gegen 22 Uhr auf dem Bahnhof erabschiedet. Man ill eine Denkpause einlegen, aber den Dialog fortset en. Kassel atmet auf, der aufregendste Tag der Nachkriegsgeschichte ist u Ende.
Linienflüge nach Köln/Bonn
14.5. Der 1968 wegen Kaufhaus-Brandstiftung verurteilte Andreas Baader wird unter Mitwirkung von Ulrike Meinhof (Foto) befreit. Dabei wird ein Justizbeamter lebensgefährlich verletzt. Die Gewalttat gilt als Geburtsstunde der Roten Armee Fraktion (RAF). 21.6. Bei den Fußballweltmeisterschaften in Mexiko wird Brasilien nach dem 4:1-Sieg über Italien Weltmeister. 31.7. Durch eine Grundgesetzänderung wird in der Bundesrepublik das aktive Wahlalter auf 18 Jahre herabgesetzt. 5.9. Beim Training zum Großen Preis von Monza verunglückt der in der WM führende Formel-IFahrer Jochen Rindt tödlich. 9.10. Die FDP-Abgeordneten Erich Mende, Heinz Starke und Siegfried Zoglmann wechseln aus Protest gegen die sozial-liberale Koalition zur CDU/CSU über.
Erfolgreiche Serie: Schulmädchen-Report. Foto: dpa 23.10. Mit der Premiere des als Aufklärungs-Film bezeichneten Schulmädchen-Reports beginnt eine erfolgreiche, 13-teilige Sexfilmserie. 7.12. Kanzler Willy Brandt und Polens Ministerpräsident Jozef Cyrankiewicz unterzeichnen den Warschauer Vertrag zur Normalisierung der Beziehungen. Bei einer Kranzniederlegung am Denkmal für die Opfer des Warschauer Gettos kniet Brandt spontan nieder. Das Bild von Brandts Kniefall geht um die Welt. Erfolgreichstes Buch des Jahres ist Hildegard Knefs „Der geschenkte Gaul“.
Zwei Tage Hochbetrieb bei der Eröffnung des Regionalflughafens Kassel-Calden VON FRANK THONICKE KASSEL. Am 11. Juli 197 ar es so eit: Der Regionalflughafen Kassel-Calden urde eröffnet. Prominentester Gast ar der hessische Ministerpräsident Albert Os ald, der mit einer 4 -sit igen Passagiermaschine aus Frankfurt gekommen ar und on Kassels Oberbürgermeister Karl Branner begrüßt urde. In Frankfurt hatte es geregnet, in Calden schien die Sonne – doch die Miene des Ministerpräsidenten erfinsterte sich usehens. Denn auf der Pressekonferen anlässlich der Eröffnung urde kriti-
siert, dass das Land nur sechs Millionen Mark u den Kosten on 21 Millionen für den Flugplat da u gab. Os ald damals: „Wir müssen sehen, ie sich die Dinge ent ickeln.“ Zu or hatte Albert Os ald die Prognose ge agt, dass Kassel-Calden die Drehscheibe des regionalen Flug erkehrs in Hessen sein erde. Als Geschenk hatte der Ministerpräsident 25 Mark mitgebracht – ein Zuschuss für das Funkfeuer des Flugplat es. Kassels Oberbürgermeister Branner hatte erklärt, der Plat habe nicht nur für Kassel, sondern für „den gan en nordhessischen Raum“ Bedeu-
tung: „Sonst hätten nicht gebaut.“
ir ihn
Gelbe Nelken für die Ersten Vor der Feierstunde aren 8 Flug euge in Kassel-Calden gelandet – Teilnehmer eines Sternfluges mit dem Motto „Ab nach Kassel“. Und am Morgen der Feierlichkeiten ar eine „Con air Metropolitan“ mit 4 Tagesausflüglern aus Hamburg nach Calden geflogen. Die ersten Flugtouristen in Nordhessen bekamen gelbe Nelken überreicht. Anlässlich der Eröffnung herrschte ei Tage Hochbetrieb auf dem Flugplat . Blechla inen äl ten sich nach
Calden. Die ein ige Zufahrtsstraße ar hoffnungslos überlastet. Und auch die Rundflüge aren heiß begehrt. Am Eröffnungstag ählte man in Kassel-Calden 7 Flugbe egungen. Z ei Tage nach der Eröffnung erließ die erste Linienmaschine der Gesellschaft General Air Calden. Ihr Ziel: Köln/Bonn und Düsseldorf. Außerdem gab es eine Linienerbindung nach Hanno er. Die Flüge urden on der Kasseler Flughafen GmbH sub entioniert. Geflogen urde mit Hochdeckern des T ps „Dornier-Sk ser ant“, die Plat für ölf Passagiere hatten.
... und die Welt 30.4. Auf Befehl von US-Präsidenten Richard Nixon marschieren US-Truppen von Südvietnam aus in Kambodscha ein. 18.9. Der Rockgitarrist Jimi Hendrix (27) stirbt an den Folgen überhöhten Alkoholgenusses und der Einnahme von Schlaftabletten in London. Am 4.10. stirbt die Sängerin Janis Joplin (Foto) in Los Angeles an einer Überdosis Heroin.
e-paper für: 10216894 60 Jahre Bundesrepublik
Montag, 6. April 2
9
BRD-RE
Das Jahr 1971 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Kassel. Die Landkreise Kassel, Hofgeismar und Wolfhagen schließen sich am 1. November 1971 zum Landkreis Kassel zusammen. Zum Landrat wird Herbert Günther (SPD) gewählt, bisher Landrat des Untertaunuskreises.
8.2. Das Bundesverteidigungsministerium erlässt den Haarnetz-Befehl. Dementsprechend müssen Soldaten, deren Haare über den Hemdkragen reichen, aus Sicherheitsgründen ein Haarnetz tragen. 7.5. Die Kreditinstitute in der Bundesrepublik , in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg beschließen die Ausgabe einheitlicher „eurocheques“ und „eurocheque“-Karten.
Schwalmstadt. Seit Jahresbeginn gibt es die Stadt Schwalmstadt. In dem Ort, zu dem sich Ziegenhain, Treysa und Nachbargemeinden zusammenschlossen, leben jetzt 17 000 Einwohner.
13.5. Bundesfinanzminister Alex Möller (1903-1985) tritt auf Grund der kritischen Haushaltslage zurück. Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller (ebenfalls SPD) übernimmt dessen Ministerium mit.
Kassel. Auf der Strecke der Kleinbahn Kassel-Naumburg verkehrt die letzte Dampflokomotive, danach fahren nur noch Dieseltriebwagen und Busse.
6.6. 374 Frauen aus der Bundesrepublik geben in der Hamburger Illustrierten „stern“ bekannt:
Baunatal. Das neue Altenzentrum des Landkreises Kassel mit 156 Plätzen, für knapp 8 Millionen Mark erbaut, geht in Betrieb.
Bohrung stößt in Arolsen auf Mineralwasser AROLSEN. Die Suche nach einer Mineral asserquelle ist erfolgreich. Im Park hinter dem Neuen Schloss stößt man in 4 Meter Tiefe auf eine Wasserader. Anal sen ergeben einen Mineralgehalt, der die Verleihung des Prädikats Heil asser im Jahr 1976 rechtfertigt. Die Heilquelle Schlossbrunnen bringt die Stadt einen großen Schritt eiter in ihrem Bestreben, den Namen Bad Arolsen führen u dürfen. 1977 ist es dann so eit. Als Luftkurort ar Arolsen schon 1956 anerkannt orden. Das milde Bitter asser irkt lokal auf die MagenDarm-Schleimhäute, die Leber ellensekretion und die Gallenfunktion. Da u ist es kochsal arm und hat mit einem Fluoridgehalt on 1,5 Milligramm eine günstige Relation für die Zahn-Karies-Proph la e. (hpo)
Spengler/Stock Weltmeister im Wildwasser
Ein Schluck auf die Weltmeister (von links): Walter Spengler, Günter Beck und Peter Stock. Foto: nh
KASSEL. Eines der drei Boote, die beim Mannschafts ettbeerb der Kanu-Wild asserWM 1971 in Meran an den Start gehen, ist mit einem nordhessischen Duo beset t. Der Kasseler Walter Spengler (26) und der Melsunger Peter Stock (31) kehren als Weltmeister urück und knüpfen damit an den Erfolg an, den der Kasseler Günter Beck 1957 mit dem Titelge inn in Augsburg im Kanu-Slalom gefeiert hatte. (geb) Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
Sababurg wieder Heimat für bedrohte Tiere Anfangs kritisch beobachtet (die Junge Union forderte sogar einen Baustopp), wird der 1571 geschaffene erste Wildpark Europas vom Landkreis Hofgeismar 1971 zum 400-jährigen Bestehen wieder ins Leben gerufen. In dem Jahr wird
der Tiergarten an der Sababurg zunächst provisorisch für Besucher freigegeben – mit einem Eintrittskarten-Automaten. Der Park, der dann Pfingsten 1973 offiziell eröffnet wird, widmet sich vor allem dem Erhalt und der Rückzüchtung be-
drohter heimischer Tierarten wie Wisenten, Ure und Wildpferden. Später kommen Luchse, Wölfe und andere Arten hinzu. Experimentell war die Unterbringung der drittstärksten Wisentherde Europas. Das Technische Hilfswerk setzte
schweres Gerät ein, um eine Umzäunung aus Baumstämmen anzubringen. Man wusste nicht, dass es für den Leitbullen ein Kinderspiel gewesen wäre, den Zaun umzudrücken. Später wurde entsprechend nachgebessert. (tty) Foto: Archiv
GhK nimmt Fahrt auf
Am 25. Oktober 1971 wurde die Hochschulgründung mit wenig Pomp gefeiert VON BEATE EDER KASSEL. Im Rückblick ar die Gründung der damaligen integrierten Gesamthochschule (GhK) das beste, as Kassel je passieren konnte. Die Hochschule hat das Gesicht dieser Region grundlegend erändert: Sie ist ein ichtiger Wirtschaftsfaktor mit der Ausgründung des Solartechnikherstellers SMA als Zugpferd. Die Uni hat junge Leute in die Stadt geholt, er ielt ichtige Forschungsergebnisse in Um elt issenschaften so ie moderner Technologie. Sie hat Maßstäbe für die Lehrerbildung geset t, und sie bietet den Studenten ein breites Fächerspektrum aus ihren Kompeten feldern Natur, Technik, Kultur, Gesellschaft. Die Uni ist Motor für die Stadtent icklung rund um den Holländischen Plat . Denn die Tage des Standorts in Ober ehren sind ge ählt. Aber bei der enig pompösen Gründungsfeier am 25. Oktober 1971 mit Kultusminister Lud ig on Friedeburg und Ministerpräsident Albert Oss ald ar diese Ent icklung nicht ab usehen und die
Hochschul-Neubau auf der Grünen Wiese: Zur Eröffnung der Kasseler Gesamthochschule in Oberzwehren am 25. Oktober 1971 durften auch die Schilder nicht fehlen. Archivfoto: Baron Diskussion, in elche Richtung sich die Uni baulich entickeln sollte, gerade am Anfang. Damals begannen 2913 junge Leute mit dem Studium, heute studieren über 18 . Die Grundlagen für eine Unigründung aren in der Nordhessenmetropole durchaus gegeben: Es gab eine Hochschule für bildende
Künste, eine Ingenieurschule, die Höhere Wirtschaftsfachschule und die land irtschaftliche Hochschule in Wit enhausen. Vor allem hielten die Stadt Kassel und eine kleine Gruppe on Bürgern hartnäckig an der Idee einer Hochschule fest. Damit sollte das Bildungsangebot für die nordhessischen Schulabsol enten
erbessert erden. Die GhK gab sich reformbe egt und e perimentierfreudig, as u der Aufbruchstimmung der 197 er-Jahre passte. Statusunterschiede ischen Fachhochschule und Uni sollten abgebaut erden; in den gestuften Studiengängen, die damals „integrierte“ hießen, studierten alle gemeinsam. Chancengleichheit und Eman ipation hießen die Zauber orte. Interdis iplinäre Themen, übergreifende Arbeit an Projekten und Pra isanteile im Studium urden obligatorisch. Das bildungspolitische E periment urde bald Gegenstand konser ati er Kritik und der Ruf nach einer „richtigen“ Uni laut. Die Reformhochschule hat diese Stürme überstanden, sich in nun fast 4 Jahren an manchen Punkten selbst immer ieder reformiert. Aber sie steht mit ihrem Her stück, den gestuften Studiengängen, nach ie or an der Spit e der Be egung: Unter dem Etikett Bachelor/ Master prakti iert heute jede Hochschule in Europa genau dieses Modell aufeinander aufbauender Abschlüsse.
B. Braun rechnet mit Tempo
Konzern wird zur AG umgewandelt und nimmt neues Rechenzentrum in Betrieb MELSUNGEN. Die Firma B. Braun Melsungen urde um 3 . September 1971 in eine Aktiengesellschaft umge andelt. „Mit diesem Schritt soll langfristig der Bestand der Gesellschaft als Familienunternehmen unter einheitlicher Leitung gesichert erden“, meldete der Wirtschaftsteil der „Welt“. Die beiden Inhaber Otto Braun und Dr. Bernd Braun aren fortan als Vorstandsmitglieder tätig, ebenso ie
Dr. Joachim fristig das notSchnell. Der endige Kapiheutige Kontal u beschafernchef Ludfen. Im Gegenig Georg sat u andeBraun trat ren Aktiengeum 1. Oktosellschaften ber in den Vor- Von Firmenchefs zu AG-Vor- hatte die B. standsmitgliedern: Otto (links) Braun Melsunstand ein. Die Um- und Dr. Bernd Braun. Fotos: Archiv gen AG keinerandlung in lei Aktien im eine AG schaffte die Voraus- öffentlichen Umlauf. Bis heute set ung, um bei ständig ach- befinden sich die Anteile des senden In estitionsbedürfnis- Unternehmens ausschließlich sen auf dem Geldmarkt kur - in Familienbesit .
Ein eiterer Meilenstein für B. Braun ar 1971 die Eröffnung eines Rechen entrums, um eine neue, größere Datenearbeitungsanlage u beherbergen. Deren große Stärke liege darin, dass sie „mit Gesch indigkeiten rechnet, die für iele Menschen un orstellbar sind“, hieß es in der Mitarbeiter eitschrift om De ember 1971. Heute, 38 Jahre später, hantiert mancher Schüler mit einem schnelleren Taschenrechner. (as )
Spektakulärer „stern“-Titel: Wir haben abgetrieben. „Wir haben abgetrieben“. Die Selbstbezichtigungskampagne erregt großes Aufsehen. 6.6. Einen Tag nach Beendigung der Fußballsaison 1970/71 enthüllt der Präsident des Absteigers Kickers Offenbach, Horst Gregorio Canellas, dass durch Geldzuwendungen Spiele der Bundesliga manipuliert wurden. Meister wird erneut Borussia Mönchengladbach. 1.7. In der Bundesrepublik haben Frauen ab 30 und Männer ab 45 einmal pro Jahr gesetzlichen Anspruch auf kostenlose KrebsVorsorgeuntersuchungen, damit vor allem Erkrankungen schon im Frühstadium erkannt und behandelt werden können. 10.9. Die Bundesregierung beschließt die Verkürzung des Grundwehrdienstes von 18 auf 15 Monate. 10.12. Bundeskanzler Willy Brandt wird in Oslo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Ostpolitik des Bundeskanzlers wird als Beitrag zur Überwindung der Konfrontation zwischen den Machtblöcken in Europa betrachtet. Modehit des Jahres sind HotPants – Hosen in der Länge eines Minirocks.
... und die Welt 7.2. In der Schweiz wird durch Volksabstimmung das passive und aktive Wahlrecht für Frauen auf Bundesebene eingeführt. 3.5. Walter Ulbricht tritt aus Altersgründen vom Amt des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees (ZK) der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zurück. Sein Nachfolger wird Erich Honecker (Foto).
e-paper für: 10216894 Dienstag, 7. April 2
60 Jahre Bundesrepublik
9
BRD-LI
Das Jahr 1972 in unserer Region Chronik Nordhessen
Chronik Deutschland
Helsa. Die erste hessische Bürgerinitiative bildet sich in Helsa. Die Bürger stemmen sich erfolgreich gegen den Beschluss der Gemeindevertreter, für eine autogerechte Ortsdurchfahrt im Zentrum Fachwerkhäuser abzureißen. Der historische Ortskern bleibt erhalten, die Bürgerinitiative wird von der PaulDierichs-Stiftung ausgezeichnet.
28.1. Auf dem Höhepunkt der Fahndung nach Mitgliedern der Rote Armee Fraktion (RAF) beschließen die Regierungschefs von Bund und Ländern unter Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt den so genannten Radikalenerlass. Danach können Mitglieder extremer Organisationen aus dem öffentlichen Dienst fern gehalten werden.
Witzenhausen. Mit dem Bau von Hochwasserschutzanlagen an der Werra haben die Überflutungen in der Stadt endlich ein Ende.
27.4. Im Bundestag scheitert das Konstruktive Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD). Der Antrag, Oppositionsführer Rainer Barzel (CDU) zum Kanzler zu wählen, verfehlt um zwei Stimmen die Mehrheit.
Kassel. Der Neubau des Kommunalen Gebietsrechenzentrums (KGRZ) wird von Ministerpräsident Albert Osswald seiner Bestimmung übergeben.
1.6. Die RAF-Terroristen Andreas Baader, Holger Meins und Jan Carl Raspe werden nach einem Schusswechsel mit der Polizei in Frankfurt festgenommen. -
Weniger Arbeit, aber die Preise steigen KASSEL. Waren bis or kurem noch die Arbeitskräfte knapp, so beklagt Kassels Oberbürgermeister Karl Branner jet t eine steigende Arbeitslosigkeit. 25 Stellen in sechs Großbetrieben urden gestrichen. Gleich eitig ird das Leben spürbar teurer. „Mehr Groschen”, die durch den Auspuff der Autos gejagt erden, beklagt die Zeitung. Der Ben inpreis ird um iereinhalb Pfennig angehoben. Ein Liter Superben in kostet jet t 64,5, Normalben in 56,9 Pfennig. Die Post erhöht das Porto. Die Beförderung des Standardbriefs kostet ab 1. Juni 4 (statt 3 ) Pfennig, die Postkarte nun 3 statt 25 Pfennig. Elektrischer Strom ird ebenfalls teurer. Die Städtischen Werke in Kassel heben den Grundpreis um 1,6 DM und die Zählergebühr um 5 Pfennig an. Der Kilo attstundenpreis bleibt bei 1 Pfennigen. (tos)
Ab sofort gilt auf Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften eine Geschwindigkeitsbegrenzung: „Tempo 100“.
documenta 5 schockte das Publikum Im Rückblick gilt die documenta 5, die vom 30. Juni bis 8. Oktober 1972 in Kassel zu sehen war, als eine der wichtigsten Kunstausstellungen des 20. Jahrhunderts. Doch von den 220 000 Besuchern empfanden viele die von Harald Szeemann konzi-
pierte Schau als Skandal. Weil sie Kunst und Nichtkunst gleichsetzte, Kitsch und Werbung integrierte und zahlreiche Aktionen von AvantgardeKünstlern zeigte. Joseph Beuys diskutierte 100 Tage lang in seinem „Büro für direkte Demo-
Mehr auf
www.hna.de
ALLE SEITEN dieser Serie finden Sie auch im Internet als PDF auf www.hna.de/60jahre
Ameisen bildeten den Namen der documenta 5.
26.8.-11.9. Die XX. Olympischen Sommerspiele finden in München und Kiel statt. Mitglieder der arabischen Organisation
Eine Spur der Verwüstung Sturmtief „Quimburga“ erreichte Orkanstärke – Hohe Schäden im Reinhardswald VON PETER OCHS
Als Köhler vom Olympiasieg träumte RHODEN. Hermann Köhler aus Diemelstadt-Rhoden durfte am 1 . September kur on der Goldmedaille träumen. Die deutsche 4 4 -MeterStaffel ging bei den Ol mpischen Spielen in München als heiHermann ßer Fa orit Köhler ins Rennen. Köhler auf Position drei bekam den Staffelstab on HorstRüdiger Schlößke als Erster, erteidigte den knappen Vorsprung und übergab an Karl Hon . Der ar eigentlich damals Deutschlands bester 4 -Meter-Läufer, aber im Finale außer Form. So musste Hermann Köhler machtlos usehen, ie Hon on den Schlussläufern aus Kenia, Großbritannien und Frankreich überholt urde. „Den ierten Plat haben ir damals als totalen Misserfolg empfunden“, sagt Köhler heute noch. (geb)
kratie“ mit Besuchern. So gewann die Ausstellung eine politische Dimension. Eine wichtige Entdeckung waren die Fotorealisten. Witzig: Das Plakatmotiv zur documenta 5 wurde durch Ameisen auf rotem Grund gebildet. (w.f.) Fotos: Archiv
18.6. Durch einen 3:0-Sieg über die UdSSR wird das deutsche Team in Brüssel Fußball-Europameister. Die meisten Spieler stellt Meister Bayern München.
Im Reinhardswald sah es nach dem Orkan aus, als hätten Riesen Mikado mit ganzen Bäumen gespielt. Rund 200 000 Festmeter Holz fielen dem Sturm zum Opfer. Foto: Baron
KASSEL. Als „NiedersachsenOrkan“ ging er in die Geschichte ein. Sch erste Schäden richtete das Sturmtief „Quimburga“ am 13. No ember aber auch in Nordhessen und hier or allem im Reinhards ald an. Zehn Meter über dem Boden erreichte der Orkan Spit engesch indigkeiten on 17 km/h. In Esch ege starb ein 81Jähriger, als eine Böe ihn on der Leiter blies. In den Wäldern hinterließ er eine Spur der Ver üstung. Straßen und Bahnstrecken aren on umgestür ten Bäumen blockiert. Auf dem Flugplat Kassel-Calden urden ei Sportmaschinen auf den Rücken ge orfen. In Frit lar stür te on der Haube des süd-
lichen Domturms ein ei Zentner sch eres Steinkreu in die Tiefe und durchschlug das Dach des Altenheims St. Peter. Menschen kamen nicht u Schaden. In Kassel-Waldau riss der Sturm die Flachdächer on ei Hochhäusern. Die Trümmer stür ten auf Geh ege und einen Kinderspielplat . Glücklicher eise urde niemand erlet t. Auf dem Werksgelände on HanomagHenschel in Kassel erfet te der Orkan eine Traglufthalle. Viele Autos urden durch Bäume, Äste und Dach iegel sch er beschädigt. Wer keine Kasko ersicherung abgeschlossen hatte, blieb auf seinen Kosten sit en. Der Schaden in den deutschen Wäldern urde mit mehr als einer Milliarde Mark be iffert.
Der Kanzler gab den Start frei Viel Prominenz kam zur Einweihung des Presse+Druckzentrums in Kassel VON FRANK THONICKE KASSEL. Großer Bahnhof bei der Ein eihung des neuen Presse+Druck entrums unserer Zeitung in Kassel. Der Kan ler, ei Bundesminister und der Parlamentspräsident kamen. So iel Prominen , urde damals angemerkt, habe es „im Zonenrandgebiet“ ohl noch nie gegeben. Erschienen aren Bundeskan ler Will Brandt (SPD), Bundestagspräsident Kai U e on Hassel (CDU), Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP), Bundesinnenminister Hans Dietrich Genscher (FDP) und natürlich der hessische Ministerpräsident Albert Osald (SPD). Der Kan ler höchst persönlich gab den Start für das Pres-
se+Druck entrum frei, und allgemein urde die In estition für das neue Haus an der Frankfurter Straße in Kassel als gutes Beispiel für Strukturpolitik gelobt. Bundeskan ler Brandt sprach ausdrücklich on einen Beispiel für „ irtschaftliche Weitsicht und unternehmerische Risikobereitschaft.“ Viel Lob heimste bei den Eröffnungsfeierlichkeiten aber auch eine Initiati e des Verlegers Dr. Paul Dierichs ein: Er richtete für unächst ein Jahr einen Ombudsman ein, eine Besch erdeinstan , an die sich die Leser enden konnten. Will Brandt eigte sich beeindruckt da on, „ as in diesem Haus probe eise und frei illig auf den Weg gebracht erden soll.“
Anschlag auf die Spiele: Terroristen im Olympischen Dorf. „Schwarzer September“ verüben im Olympischen Dorf ein Attentat auf die israelische Olympiamannschaft. Bei dem Anschlag sowie bei dem polizeilichen Versuch, die von den Terroristen als Geiseln genommenen Israelis zu befreien, werden elf Israelis, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen getötet. 29.10. Arabische Terroristen entführen eine Lufthansa-Maschine nach Libyen. Passagiere und Besatzung werden gegen drei nach dem Olympia-Anschlag inhaftierte Attentäter ausgetauscht. 19.11. Bei der Bundestagswahl wird die SPD erstmals stärkste Fraktion. Die SPD/FDP-Koalition regiert weiter.
... und die Welt
Bundeskanzler Willy Brandt drückte auf den Knopf, und die große Zeitungsrotation begann sich zu drehen. Foto: Archiv
17.6. Fünf Männer werden bei einem Einbruch in das Wahlkampfhauptquartier der US-Demokraten im Watergate-Hotel in Washington ertappt und festgenommen. Wie sich herausstellt, handelt es sich um Helfer des Komitees für die Wiederwahl des republikanischen Präsidenten Richard Nixon. Im Laufe der Watergate-Affäre geraten immer mehr Mitarbeiter des USPräsidenten - und schließlich er selbst - ins Zwielicht.