Novalis

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Ruhr-Universität Bochum Germanistisches Institut – Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft

Das Klingsohr-Märchen des Novalis. Ein Beitrag zur Neuen Mythologie?

Seminararbeit

vorgelegt von Anna-Maria Müller Hattinger Straße 186 44795 Bochum [email protected] in:

Die Wiederverzauberung der Welt. Literarische Strategien in Romantik und Surrealismus. Wintersemester 2004/05

Betreut von Dr. Winfried Eckel

Inhaltsverzeichnis 1. Vorwort

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2. Das Klingsohr-Märchen: Ein Beitrag zur Neuen Mythologie? 2.1. Was bedeutet die Neue Mythologie? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2. Mit welchen Erwartungen ist die Forderung nach einer Neuen Mythologie verknüpft? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2.1. Gemeinsames Weltbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2.2. Zielorientierung der Geschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2.3. Gemeinschaftstiftende Wirkung in der Gesellschaft . . . . . . . . . . 2.2.4. Projekt eines allgemein verständlichen ikonographischen Referenzrahmens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3. Das Klingsohr-Märchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3.1. Novalis und Wirklichkeit, Mythos, Poesie . . . . . . . . . . . . . . . 2.3.2. Warum ist das Klingsohr-Märchen ein Beitrag zur Neuen Mythologie? Erkenntnistheorie der Frühromantiker . . . . . . . . . . . . . . . . . Bezug auf eine ‚gesamt-mythologische‘Tradition . . . . . . . . . . . . Exkurs in die Naturwissenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . Freya und Held . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erweckung des Atlas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erweckung des Vaters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erweckung der Freya . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnisse der Erweckungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bedeutung des Galvanismus’ für die Frühromantiker und Problem der elektrischen Allegorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Positive Individualität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie werden die Forderungen der Neuen Mythologie im Märchen eingelöst? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.4. Fazit zum Klingsohr-Märchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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3. Fazit zum frühromantischen Projekt einer Neuen Mythologie

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A. Anhang: Handlungsverlauf

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B. Klingsohrs Märchen und sein Personal

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Literatur

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1. Vorwort „Das Ganze soll eine Apotheose der Poësie seyn.“ 1 Dies schrieb Friedrich von Hardenberg (1772 – 1801), der sich ab etwa 1800 Novalis nannte, an seinen Freund Ludwig Tieck in einem Brief vom 23. Februar 1800. Ein Anspruch, dessen Berechtigung diese Arbeit untersuchen will. Nach dem Tod seiner Geliebten Sophie von Kühn, 1797, begann er an der Bergakademie Freiberg seine geologisch-naturwissenschaftlichen Studien, die ihn auch weiterhin beschäftigen sollten. Im Kreise der Jenaer Frühromantiker ‚erholte‘ er sich, so scheint es, von seinem Schicksalsschlag und verschrieb sich – ganz praktisch – der frühromantischen Bewegung, die Welt zu poetisieren. Sein Fragment gebliebener Roman „Heinrich von Ofterdingen“ ist, neben zahlreichen anderen Werken, ein Beitrag zu dieser Neuen Mythologie. Der Roman wurde ein Jahr nach Novalis’ Tod von Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck veröffentlicht. Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem abgeschlossenen Teil des Romans, dem sog. Klingsohr-Märchen, welches den ersten Teil des Romans beschließt. Es soll untersucht werden, inwiefern das Märchen als Beitrag zu einer – unter den Jenaer Frühromantikern (theoretisch) konzipierten – Neuen Mythologie gelesen werden kann. Im Anschluss daran soll nach möglichen Gründen für das Verharren des romantischen Ideals im Anspruch gesucht werden. Exemplarisch soll an den Erweckungsszenen des Märchens die Poetisierung der Naturwissenschaft untersucht werden. Dabei beziehe ich mich besonders auf den Galvanismus und die Elektrizitätslehre, obgleich natürlich auch der im Märchen wirkende Magnetismus Analysemöglichkeiten böte. Zeitgenössische Anknüpfungspunkte sollen eine Einordnung der Thematik unterstützen – immer vor dem Hintergrund der Jenaer Frühromantiker, die in der Konzeption ihrer Neuen Mythologie sehr auf das heute (wieder) allgegenwärtige Schlagwort Interdisziplinarität ausgerichtet waren. Hier trafen sich anthropologische, kulturwissenschaftliche und nicht zuletzt der Moderne die Bahn brechende naturwissenschaftliche Erkenntnisse vor dem philosophischen Hintergrund des deutschen Idealismus. Die Neue Mythologie sollte zu einer neuen Lebensphilosophie werden. Eine die Moderne und ihre Menschen einende Religion, die ganz Poesie ist. So geht es denn auch im Klingsohr-Märchen nicht ‚nur‘ um die Rettung der Welt durch die Poesie. Es geht um die utopische Durchsetzung einer Perspektive, die ‘stets das Gute schafft‘: eine „moralische Welt“ 2 , „Freiheit und Gleichheit der Geister“ 3 , „ewige Einheit“ 4 , „gleiche Ausbildung aller Kräfte“ 5 . Unter dem Banner der Neuen Mythologie sollen alle Menschen dazu beitragen, 1

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322 in: Novalis (1960ff.): Brief vom 23. Februar 1800 an Ludwig Tieck. In: Kluckhohn, Paul/Samuel, Richard (Hrsg.): Schriften. Die Werke Friedrich von Hardenbergs. Band IV (1975), 2. Auflage. Stuttgart: Kohlhammer, S. S.. 235 in: Hegel, G. W. F. (1796/97): Das älteste Systemprogramm des Deutschen Idealismus. In: Moldenhauer, Eva/Michel, Karl Markus (Hrsg.): Werke in zwanzig Bänden. Frankfurt a.M. (1970), I: Frühe Schriften, S. S.. 236 in: Hegel (1796/97), S. S.. 236 in: Hegel (1796/97), S. S.. 236 in: Hegel (1796/97), S. S..

3 Diese Arbeit wurde im Sommersemester 2005 von Anna-Maria Müller erstellt und eingereicht.

der Poesie zum Siegeszug zu verhelfen. Die Ideale der Französischen Revolution sollen nun eine menschliche Revolution bewirken. Wie dies im Kleinen – exemplarisch an einigen wenigen Zeilen des Klingsohr-Märchens ausgemacht – geschehen kann, soll in dieser Arbeit verdeutlicht werden. Damit sich die Untersuchung nicht am komplexen Inhalt des Märchens aufhält, aber trotzdem ein Überblick über die Handlungen, Figuren und Schauplätze möglich ist, habe ich mich entschlossen, diesen im Anhang anzubieten.

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2. Das Klingsohr-Märchen: Ein Beitrag zur Neuen Mythologie? 2.1. Was bedeutet die Neue Mythologie? Philosophischen Hintergrund der frühromantischen Forderungen nach einer Neuen Mythologie bildet der deutsche Idealismus im 18. Jahrhundert, der seinen Ursprung in der Ideenlehre Platons hat. Das erkennende Subjekt begreift die Natur als Entäußerung einer Idee. Die Welt repräsentiert also eine materialisierte Idee. Der subjektive Idealismus geht nun weiterhin davon aus, dass diese Erkenntnis, und damit die Setzung einer Realität, nur durch die menschliche Vernunft möglich sei. Die erkenntnisunabhängige Welt – so sie denn existiert – ist ohne Bedeutung für den Menschen. Schlegel präsentiert in seinem „Gespräch über die Poesie“ den Pantheismus Spinozas6 , den er idealistisch umdeutet7 , gar als die zentrale Tendenz in der Moderne. Aus dem Idealismus soll ein Realismus hervorgehen. Die Synthese beider entfalte dann die Neue Mythologie 8 , welche die Kluft zwischen Mensch und Natur überwinden soll, indem sie u. a. die Nähe von Mensch und Natur anerkennt. Bei der Neuen Mythologie handelt es sich um eine neue Religion, ein poetisiertes Weltbild, welches versucht, die gesellschaftlich schon ausdifferenzierte Moderne mittels Dichtkunst in ein Zeitalter der Einheit zu überführen, ohne dabei „hinter den Bewußtseinsstand der Aufklärung zu regredieren“ 9 . Die Neue Mythologie kann als Reaktion auf die in der Aufklärung betonte empirische Weltsicht gesehen werden. Die empirische Betrachtung der Welt hatte nicht nur die Ausdifferenzierung von Diskursen bzw. der gesamten Wissenschaften zur Folge. Als Konsequenz der Aufspaltung und Spezialisierung der verschiedenen Wissensbereiche wurden wissenschaftliche Erkenntnisse neu geordnet und standen nicht mehr in einem einheitlichen Beziehungsgefüge, welches alle Wissenschaften einschloß. Die Gesellschaft – die in der Antike als einheitliches Referenzsystem aller Diskurse die Mythologie hatte10 – differenziert sich zunehmend. Der Referenzrahmen ist nicht mehr für jeden Menschen der gleiche. Er hängt in der Moderne zunehmend von Erfahrungshorizont, Bildungsniveau und damit auch sozialer Schichtzugehörigkeit des Einzelnen ab. Die zunehmend individualisierten Biographien lösen den Einzelnen aus der Kollektiverfahrung des Mythos’ – eine Beobachtung, die Schiller in seinem Gedicht „Die Götter Griechenlandes“ umfassend beschreibt.

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(1632 – 1677) 138 in: Esselborn, Hans (1987): Poetisierte Physik. Romantische Mythologie in Klinsohrs Märchen. In: Aurora, 47, S. Vgl.. 499 in: Schlegel, Friedrich (1800): Rede über die Mythologie. In: Rasch, Wolfdietrich (Hrsg.): Kritische Schriften. München (1970), S. Vgl.. 226 in: Engel, Manfred (1991): „Neue Mythologie“ in der deutschen und englischen Frühromantik. William Blakes The Marriage of Heaven and Hell und Novalis’ Klingsohr-Märchen. In: arcadia 26,, S. S.. – ob Genealogie, (Welt-)Geschichte, Religion, Poesie –

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2.2. Mit welchen Erwartungen ist die Forderung nach einer Neuen Mythologie verknüpft? Mit meiner Gliederung beziehe ich mich hier im Wesentlichen auf den Aufsatz von Manfred Engel: 229-231 in: Engel, Manfred (1991): „Neue Mythologie“ in der deutschen und englischen Frühromantik. William Blakes The Marriage of Heaven and Hell und Novalis’ Klingsohr-Märchen. In: arcadia 26,, S. Vgl.. 2.2.1. Gemeinsames Weltbild Ein einheitliches, poetisch geschaffenes Weltbild soll den Folgen der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung entgegenwirken. Es muss den Menschen in seine Gesellschaft aber auch in ein gesamtes Weltgeschehen und die Natur reintegrieren. So fordert beispielsweise Schlegel (1772 – 1829) physikalische Naturerklärungen im Medium der Poesie und das Studium der Physik.11 2.2.2. Zielorientierung der Geschichte Das triadische Geschichtsmodell der Romantiker verstand die Abkehr von der mythologischen Einheit als einen notwendigen Entwicklungsschritt hin zu einem neuen und ‚reicheren‘ Zeitalter, in dem eine Reintegration durch Verschmelzen mehrerer Mythologien ermöglicht wird. Schlegel verspricht sich von der Neuen Mythologie nicht nur ein neues Verhältnis des Menschen zu sich selbst, sondern ein neues Naturverständnis. Die Integration der Naturwissenschaft ist ihm aber nicht genug: Er mahnt sogar explizit die Integration der Mythologien anderer Kulturen an.12 2.2.3. Gemeinschaftstiftende Wirkung in der Gesellschaft Die in der Moderne geförderte utilitaristische Homo oeconomicus-Orientierung der Menschen soll unter dem Banner einer gemeinsamen Religion gelöst werden. Die Aufgabe, diese gemeinsinnstiftende Mythologie zu initiieren kommt dabei dem Dichter zu. Die Neue Mythologie hat Schlegel zufolge auch die Macht, eine „harmonische Welt“ 13 , in der die Menschen einander näher kommen14 , zu schaffen. 2.2.4. Projekt eines allgemein verständlichen ikonographischen Referenzrahmens Durch die Demontage alter Weltbilder im Laufe der Aufklärung gibt es in der Moderne auch keinen allgemeinen Bild-, Symbol- und Referenzfundus, auf den die Künstler frei zugreifen

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in: in: in: in:

Schlegel Schlegel Schlegel Schlegel

(1800), (1800), (1800), (1800),

S. S.. S. Vgl.. S. S.. S. Vgl..

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können.15 Tun sie dies trotzdem, bleiben Aussagen zumindest partiell unverständlich. Ein gutes Beispiel hierfür bildet Schillers philosophisches Sinngedicht „Die Götter Griechenlandes“.16 Die zentrale These des lyrischen Ichs vom Tod der Götter wird sofort (unbewusst) durch die vielen unverständlich bleibenden Verweise auf die antike Mythologie und ihr Personal affirmiert.17 Das Gedicht wird – trotz des Verlustes diese Weltverständnisses, der vom lyrischen Ich als schmerzlich empfunden wird – in seiner Kernaussage deutlich. Die Neue Mythologie soll dazu beitragen, wieder ein semantisch-ästhetisches Beziehungsgeflecht zwischen allen Dichtungen, wie es sich Schlegel wünscht18 , zu konstituieren. „Wenn die Romantiker nach einer „Neuen Mythologie“ suchen, hoffen sie auch, eine Zeichensprache von intersubjektiver Evidenz zur Vermittlung ihres neuen Weltbildes zu schaffen.“ 19

2.3. Das Klingsohr-Märchen Das Märchen Klingsohrs im Heinrich von Ofterdingen bildet eine geschlossene, narrative Einheit. Bei Wetzels als Erlösungsmärchen20 in neuem, allegorischen Gewand, bei Esselborn als Vereinigungsmärchen21 beschrieben, sind es drei von Novalis gesetzte, fiktive Handlungsorte (bei Engel „Räume“ 22 ), „. . . die von Fabel dreimal durchmessen werden, . . . “ 23 . „Durch Fabels Handeln, also durch die Poesie, wird vereinigt, was getrennt war, geläutert, was noch der Bildung bedurfte, und zurechtgewiesen, was sich zu Unrecht zu herrschen angemaßt hat, also vor allem Verstand und Schicksal.“ 24

2.3.1. Novalis und Wirklichkeit, Mythos, Poesie Novalis wendet sich gegen das empiristische Modell eines passiven Wirklichkeitskonsums mittels menschlicher Sinnesorgane, welches auf Grund der angehäuften empirischen Informationen versucht, allgemeine Gesetzmäßigkeiten und Modelle der Welterklärung ab15

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Esselborn sieht im Gegensatz dazu die Situation nach der Aufklärung geradezu prädestiniert für „eine neue Naturbildlichkeit “ (137 in: Esselborn (1987), S. S.), auf den Säulen „einer einheitlichen Weltanschauung“ (137 in: Esselborn (1987), S. S.). Nur stellt sich für die Verfasserin hier die Frage, ob dieser neue Bildfundus der breiten Masse an Rezipienten zur Verfügung stand, bzw. wie viele Leser es sich im wahrsten Sinne des Wortes überhaupt leisten konnten, sich zum Verständnis eines literarischen Werkes mit den aktuellen Errungenschaften der Naturwissenschaft auseinanderzusetzen. Dies in Verbindung mit der Alphabetisierungsrate und der möglichen Leserschaft überhaupt bildet allerdings eine neue Problematik, deren Betrachtung den gebotenen Rahmen sprengen würde. Schiller, Friedrich (1. Fassung von 1788): Die Götter Griechenlandes. In: Fricke, Gerhard/Göpfert, Herbert G. (Hrsg.): ders., Sämtliche Werke. München (1980), I. Eine Beobachtung, die sicher nicht nur auf den modernen Leser heute, sondern auch auf so manchen Zeitgenossen Schillers zu trifft. 501 in: Schlegel (1800), S. S.. 231 in: Engel (1991), S. S.. 168 in: Wetzels, Walter D. (1973): Klingsohrs Märchen als Science Fiction. In: Monatshefte für deutschen Unterricht, deutsche Sprache und Literatur, 65, S. Vgl.. 151 in: Esselborn (1987), S. Vgl.. 234 in: Engel (1991), S. S.. 235 in: Engel (1991), S. S.. 235 in: Engel (1991), S. S..

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zuleiten.25 Der Mensch steht seinem Schicksal, seinen Lebensumständen aber auch seiner Wahrnehmung nicht ohnmächtig gegenüber – seine Außenwelt determiniert ihn nicht; statt dessen ist er „aktiv und frei“ 26 . Der Mensch soll produktiv auf seine Wirklichkeit reagieren und sie aktiv beeinflussen.27 „Alle Menschen sehen aktiv heraus in einer durchaus bildenden Thätigkeit. Der Künstler, dessen Kreativität am höchsten und reinsten entwickelt ist, tut dies bewusst und in völlig freier Produktivität: Seine Vision bedarf nicht mehr der Sollicitation durch Wahrgenommenes (N II 574) und ist so der erste Schritt zu einem umfassenden thätigen Gebrauch der Organe (583) . . . .“ 2829 „. . . [F]ür Novalis sind die Mythen aller Völker und Zeiten nichts anderes als die höchsten und vollkommensten Produkte einer solchen aktiven Weltsicht der Imagination.“ 30 D. h. also, die Mythen bezeugen für Novalis die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Realität und stellen nicht etwa eine imaginative Fluchtwelt dar: „Novalis [. . . ] definiert Mythologie als freye poetische Erfindung, die die Wircklickeit sehr mannichfach symbolisirt (III 668).“ 31 Wobei bei ihm, wie auch bei Schlegel32 und Hegel (1770 – 1831)33 Poesie, Mythos und Mythologie sowie Religion praktisch synonym gebraucht werden. „Bey den Alten war die Religion schon gewissermaaßen das, was sie bei uns werden soll – practische Poësie.“ 34 Welche Rolle spielt nun der Dichter? Die Romantiker weisen ihm die große Aufgabe zu, das Wunderbare zurück in die Alltagswelt zu holen, die Wirklichkeit zu poetisieren.35 Dies kann freilich nur geschehen, wenn man – wie Novalis – davon ausgeht, dass grundsätzlich eine Verwandtschaft des Menschen und seiner Umwelt besteht. Der Mensch, hat sich ‚nur‘ von seiner Natur entfremdet – ein Prozess, dem nun die Neue Mythologie durch Poetisierung der Welt entgegen wirken kann. Allerdings ist die Poesie der Erscheinungswelt in keiner Weise verpflichtet.36 Der Dichter kann eine Reintegration bewirken, die den Einzelnen zur praktischen und imaginativen Mitgestaltung der neuen Welt bzw. Neuen Mythologie auffordert. „Wie [. . . ] das Märchen zeig[t], ist so verstandene Dichtung für beide Autoren letztlich identisch mit wahrer menschlicher Praxis; die exemplarische Verwirklichung welt25 26 27 28 29

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235 in: Engel (1991), S. Vgl.. 235 in: Engel (1991), S. S.. 235f. in: Engel (1991), S. Vgl.. 237 in: Engel (1991), S. S.. Engel zitiert nach: „Schr. Die Werke Friedrich von Hardenbergs, hg. v. Richard Samuel in Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Mähl und Gerhard Schulz, Hist.-krit. Ausg. (bisher 5 Bde.), Darmstadt 1960ff. (Sigle N).“ 233, Fußnote 18 in: Engel (1991), S. S. 237 in: Engel (1991), S. S.. 237 in: Engel (1991), S. S.. Schlegel, Friedrich (1800): Rede über die Mythologie. In: Rasch, Wolfdietrich (Hrsg.): Kritische Schriften. München (1970). Hegel, G. W. F. (1796/97): Das älteste Systemprogramm des Deutschen Idealismus. In: Moldenhauer, Eva/Michel, Karl Markus (Hrsg.): Werke in zwanzig Bänden. Frankfurt a.M. (1970), I: Frühe Schriften. 237 in: Engel (1991), S. S.. 239 in: Engel (1991), S. Vgl.. 239 in: Engel (1991), S. Vgl..

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gestaltenden Handelns mit dem Ziel, den Leser zu gleicher imaginativer Aktivität anzuregen und so – als utopisches Fernziel – ein neues Goldenes Zeitalter herbeizuführen [. . . ]. “ 37 Die Romantiker spekulierten also auch nicht auf eine passive Rezeption ihrer Kunstwerke: Die Poesie sollte nur Initiationsmoment sein, für ein eigenes kreatives Weltverstehen.

2.3.2. Warum ist das Klingsohr-Märchen ein Beitrag zur Neuen Mythologie? Engel nennt drei Merkmale, die das Märchen als einen Beitrag Novalis’ zur Neuen Mythologie ausweisen: „[. . . ] durch die partielle Allegorisierung des Mythos, durch den kreativen und eklektischen Umgang mit alten Mythologemen und durch semiotischen Pluralismus, der viele verschiedene und doch gleichwertige Signifikanten für das gleiche Signifikat kennt – [. . . ]“ 3839 Diese Techniken führen zu einer Betonung des individuell-poetischen Charakters der creierten Mythologie, die eine Objektivierung zum Faktum verhindere.40 Dies geschehe z. B. durch eine „[. . . ] gezielt eingesetzte Leerstellentechnik, die den Leser zwingt, diskursive wie narrative Lücken in intellektueller wie imaginativer Eigenaktivität auszufüllen [. . . ]“ 41 .

Erkenntnistheorie der Frühromantiker Als die Frühromantiker mit ihrem Programm antraten, die Welt zu poetisieren, herrschte „[. . . ] eine diskursive und durchaus rekonstruierbare Weltanschauung“ 42. „Da sie aber der Überzeugung sind, daß nur die Dichtung imstande ist, die weltanschaulichen Probleme der Zeit zu lösen,“ 43 seien ihre Werke, Fragestellungen und Lösungsideen mit Allegorien versehen. So gibt es immer zwei Seiten eines Problems: Das Faktum an sich und seine poetische Bearbeitung. Im Klingsohr-Märchen des Novalis begegnet uns dieses Phänomen u. a. in Gestalt der Offerierung mehrerer möglicher Lesarten.44 Die Doppelbödigkeit der Handlungsträger – als Figuren und als Allegorien – zwingt den Leser zum Mitdenken und zu einer abstrakten Lesart.45 Ganz im Sinne einer Aktivierung des tätigen Geistes überlässt Novalis dem Rezipienten die Wahl. Der Leser ist aber nicht zur Festlegung gezwungen: Ebenso virtuos wie das Märchen selbst konzipiert ist, kann auch der Rezipient mit den Lesarten jonglieren, ohne sich auf nimmer Wiedersehen von einer Verständnismöglichkeit des Textes verabschieden zu müssen. Obwohl die Naturwissenschaft aufwändig in des Märchen integriert wurde und das triadische Geschichtsmodell dem ganzen einen gewissen Rahmen verleiht, wird der Mythos und die Poesie 37 38 39

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239f. in: Engel (1991), S. S.. 240 in: Engel (1991), S. S.. Esselborn setzt sich in seinem Aufsatz ausführlich mit den mehrdimensionalen Identitäten und Identifizierungsmöglichkeiten der Figuren im Märchen sowie ihren Repäsentationsfunktionen auseinander. Insbesondere spricht er sich gegen die These einer umfassenden semantischen Allegorisierung und für den Terminus „Naturchiffren“ (156 in: Esselborn (1987), S. S.) aus. 240 in: Engel (1991), S. Vgl.. 241 in: Engel (1991), S. S.. 240 in: Engel (1991), S. S.. 240 in: Engel (1991), S. S.. 241 in: Engel (1991), S. Vgl.. 168 in: Wetzels (1973), S. Vgl..

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als endgültiges „Erkenntnisinstrument“ 46 gesetzt. Novalis lässt sein mythologisches, allegorisches und menschliches Personal in drei fiktiven Welten agieren. Im Reich Arcturs, in der Menschenwelt sowie in der Unterwelt muss es sich bewähren. Das Geschehen in der Menschenwelt, in der der Schreiber unrechtmäßig die Macht an sich reißt, der geschichtsträchtige Erlösungsmoment der Freya (und der Welt) auf den die gesamte Handlung zu steuert und das Durchlaufen der Welten von den Figuren: „Ganz analog dazu läßt sich Novalis’ Märchen sowohl anthropologisch wie auch kosmologisch oder geschichtsphilosophisch lesen.“ 47 Grundsätzlich fordert Novalis jedoch die Beibehaltung der poetischen Perspektive ein – eine rein naturwissenschaftlich-empirische Lesart kann vom Rezipienten zwar eingeschlagen werden, wird dem Märchen aber auf Dauer nicht gerecht und wirft sogar Fragen auf, die u. U. nur noch mit dem Verweis auf das Wunderbare – also auf das Reich der Poesie – aus der rationalen Welt geschaffen werden können – ohne sie damit letztlich rational zu erklären. Esselborn warnt zugleich vor einer einseitig-poetischen Lesart: „Wenn man die naturwissenschaftlichen Motive grundsätzlich nicht in ihrer Eigenart ernst nimmt, sondern nur als poetische Bilder ansieht, geht nicht nur die brisante Spannung des Märchens zwischen Empirisch-Materiellem und dem Geistig-Seelischen verloren, sondern das Ziel des Vereinigungsmärchens und die dabei der Dichtung zugewiesene Aufgabe wird verdunkelt. In den physikalischen und chemischen Vorgängen erscheint nämlich die anorganische Natur auf adäquate Weise, wie auf der anderen Seite die Geschichte und das Wesen des Menschen in Mythen und religiösen Ansichten erfaßt sind. Die Poesie, die die Einheit der Natur einschließlich des Menschen und ihren letztlich geistigen Charakter offenbaren soll, braucht beide Beschreibungsweisen, so daß sich eine synkretistische Mythologie mit Einbeziehung der Naturwissenschaft ergibt.“ 48

Bezug auf eine ‚gesamt-mythologische‘ Tradition Novalis bezieht seine Figuren nicht ‚nur‘ aus einem Kulturraum: Er wählt Allegorien, Rituale, Attribute und Namen, die auf die vielfältigsten mythologischen Traditionen verweisen, wie es auch Schlegel in seiner „Rede“ 49 gefordert hat. So entstammen Perseus, Atlas, die Sphinx, die Leier, der Phönix u. a. aus der antiken Mythologie, während u. a. Freya, Arctur, die Parzen und die meisten Gestirne aus der nordischen Mythologie bzw. den nördlichen Kulturkreis entnommen sind. Ginnistan ist, laut Engel, Element orientalischer Mythologie.50 Die Handlungsträger, die bei den physikalischen Prozessen relevant werden, sind personalisierte chemische Elemente51 .52 Referenz auf die abendländisch-christliche Religion bieten u. a. die Opferung der Mutter, die den Untergang der Sonne und damit das neue Goldene Zeitalter nach sich zieht, sowie die Auflösung ihrer Asche im Wasser der Weisheit. Durch diesen Trunk werden am Ende des Märchen alle Welten, alle ‚guten‘ Figuren und Prinzipien miteinander versöhnt und verbunden. Die christliche Praxis der Kommunion wird hier aufgegriffen – ein Ritual besiegelt die Neue Zeit 53 , die so „beglück[t] [. . . ,] ewig“ 54 unter einem ‚guten Stern‘ steht und andauern kann. 46 47 48 49 50 51 52 53 54

241 in: Engel (1991), S. S.. 241 in: Engel (1991), S. S.. 149 in: Esselborn (1987), S. S.. 502 in: Schlegel (1800), S. Vgl.. 242 in: Engel (1991), S. Vgl.. (bspw. Gold, Zink, Eisen, der auch als Held bezeichnet wird) 142 in: Esselborn (1987), S. Vgl. auch. 168 in: Wetzels (1973), S. Vgl.. 151, 4f. in: Novalis (2004): Heinrich von Ofterdingen. Band 8939, Stuttgart: Reclam., S. S..

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Des weiteren greift Novalis detailliert, z. B. in den Erweckungsszenen des Märchens, zeitgenössische naturwissenschaftliche Erkenntnisse55 vor idealistischem Hintergrund auf und gibt ihnen mythologische Bedeutung durch konsequente Poetisierung. Hier verwirklicht er den von Schlegel erhobenen Anspruch einer poetisierten Physik und erschließt sich einen neuen und umfangreichen Bildbereich.56 Die genauere Betrachtung ausgewählter Beispiele soll dies später verdeutlichen. Zuerst möchte ich allerdings kurz die zugrunde liegenden physikalischen Prozesse erläutern:

Exkurs in die Naturwissenschaft Die Erweckungen sind alle samt auf das Bestreben Fabels zurückzuführen, die Welt zu erlösen.57 Um diese durchführen zu können, erbittet sie sich verschiedene Helfer und Hilfsmittel von König Arctur. Die Metalle Gold und Zink sowie das Mineral Turmalin sind allegorische Handlungsträger und unterstützen Fabel auf ihrer Reise. Die Auswahl gerade dieser Elemente hat ganz praktische Gründe und erfolgte nicht willkürlich: Ein galvanisches Element – als solches stellen sich die Erweckungsszenarien jeweils dar – besteht aus zwei Metallen (Elektroden), die über eine Flüssigkeit (Elektrolyt) miteinander verbunden sind. Es dient dazu, chemische in elektrische Energie umzuwandeln. Dies geschieht durch eine Redoxreaktion, d. h. eines der Metalle gibt im galvanischen Element Elektronen ab (Oxidation), während die andere Elektrode Elektronen aufnimmt (Reduktion). In der sog. elektrochemischen Spannungsreihe sind Elemente nach ihrem Bestreben geordnet, Elektronen abzugeben (Reduktionsmittel) bzw. aufzunehmen (Oxidationsmittel). Je mehr Elektronen in die Lösung gehen, desto stärker ist auch die Spannung bzw. später der Stromfluss im galvanischen Element. Da die Spannungsreihe die Metalle nach ihrem Bestreben zu reagieren ordnet, ist die Redoxreaktion zwischen zwei Metallen umso stärker, je weiter sie in dieser Ordnung von einander entfernt stehen. Je stärker die Reaktion, desto stärker auch der Stromfluss. Zink und Gold waren nun zu Novalis’ Zeiten die beiden Metalle, die am weitesten in dieser Spannungsreihe auseinander standen. D. h. die zu erwartende Reaktion zwischen diesen beiden Elektroden war als die stärkste mögliche Redoxreaktion innerhalb der Spannungsreihe anzunehmen. Daher verwandte der naturwissenschaftlich äußerst interessierte Novalis58 gerade diese beiden Elemente. An dieser Stelle soll nur kurz auf die Bedeutung des Goldes in der Alchemie hingewiesen werden. Zu Novalis’ Konzept gehörte auch die Integration von Aberglauben59 , Alchemie60 , Volkskunst u. a. in sein Märchen. Er beließ es nicht bei der Berücksichtigung verschiedener Mythologien und Kulturen bzw. bei der Poetisierung der Naturwissenschaften in seinem Märchen.61 Die Nutzung des trigonalen Minerals Turmalin als ‚Aschentrekker‘, d. h. Aschenzieher, im Märchen (wie auch im Alltagsgebrauch des 18. Jahrhunderts) ist leicht zu erklären. Ein Phänomen, das als pyroelektrischer Effekt bekannt ist und welches zuerst an den prismatisch ausgebildeten Kristallen des Turmalins beobachtet wurde, ist dafür verantwortlich: Die Kristalle des Turmalins sind in der Lage, sich durch Erhitzen und anschließendes Abkühlen elektrisch aufzuladen. Sie sind dann an einem Ende positiv und am anderen Ende negativ geladen (Polarisation). Wie schon das Sprichwort sagt, ziehen sich Gegensätze an. Leichte, kleine Partikel, werden vom Turmalin jeweils entgegengesetzt ihrer Ladung angezogen. So gelingt es der Fabel also, die winzigen Ascheteilchen 55 56 57 58 59 60

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– vor allem aus den Bereichen Magnetismus, Galvanismus, Elektrizität – 243 in: Engel (1991), S. Vgl. auch. Esselborn widmet sich u. a. explizit der Figur der Fabel. 152f. in: Esselborn (1987), S. Vgl. – u. a. studierte er von 1797 bis 1799 an der Bergakademie Freiberg – Der Schreiber z. B. wehrt sich mit Alraunwurzel gegen die Geister in der Unterwelt. Wetzels vergleicht auch die im Wasser der Weisheit gelöste Asche der Mutter mit dem Allheilmittel der Alchemisten: das aurum potabile. 171 in: Wetzels (1973), S. Vgl.. Weiter dazu bei Esselborn, der u. a. auch auf die Bearbeitung des astronomischen Wissensbereiches und Verarbeitung unterschiedlicher Weltbilder eingeht. u. a. 142ff. in: Esselborn (1987), S. Vgl.

11 Diese Arbeit wurde im Sommersemester 2005 von Anna-Maria Müller erstellt und eingereicht.

der Mutter mittels Turmalin aufzusammeln. Ein weiterer physiko-chemischer Prozess, den Novalis allegorisch verarbeitet. Außerdem kommt das Wasser der Weisheit zum Einsatz, das anfangs in der Menschenwelt von Sophie verwaltet und als Prüfmittel der Notizen des Schreibers und der Fabel eingesetzt wird.62 Esselborn fasst den Charakter der Erweckungsszenen treffend folgendermaßen zusammen:

62

Wetzels vergleicht diese „Wundertinktur“ (171 in: Wetzels (1973), S. S..) mit Salpetersäure (früher auch Scheide- oder auch Königswasser genannt), die als Prüfmittel verwendet wurde, um Gold von anderen Metallen zu unterscheiden, da nur Gold der zersetzenden Wirkung der Säure widersteht. Die Wirkung des Wassers im Märchen betont auf ganz praktische Weise das Prinzip der Poesie, da ihre Schriften bewahrt bzw. als wahr erkannt werden, während die Aufzeichnungen des Schreibers ausgelöscht werden.

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Es handele sich um „[. . . ] korrekt wiedergegebene physikalische Vorgänge als Szenen zwischen Figuren [. . . ], die als materielle Stoffe, als Personifikationen von Naturkräften, als Menschen und geistige Größen erscheinen.“ 63 In dieser Szene geht es nicht um eine Erweckung sondern um die elektrostatische Aufladung Freyas, die dann an den Helden weiter gegeben wird. Freya thront auf einem mit seidenen Polstern bestückten Schwefelkristall, als der Held zu ihr tritt. Feyas Glieder werden von Dienerinnen massiert – eine Reibung, die nur eine elektrostatische Aufladung nach sich ziehen kann. Durch Reibung wurde mit Hilfe des Schwefelkristalls Elektrizität erzeugt. Diese wird nun als Licht – ausgehend von Freya – sichtbar und erhellt sogleich den gesamten Palast. Als der Held mit seiner Hand die Tochter Arcturs berührt, wird er von Freya elektrostatisch aufgeladen. „[E]ine durchdringende Kraft beseelte seinen Körper. Seine Augen blitzten und das Herz pochte hörbar an den Panzer.“ 65 Freya wird dadurch kurzfristig ebenfalls belebt – statische Elektrizität ist von ihr auf den Helden übertragen worden. Auf die physikalische Gestaltung des Lichtes und den Zusammenhang von Farbspektren und Lichtmotiv im Märchen möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen.66 Dass auch der Prozess der Verbrennung der Mutter sowie die Auflösung ihrer Asche als chemische Prozesse betrachtet werden können, soll hier nur erwähnt werden.67 Erweckung des Atlas 68 Die Ereignisse hier stellen im Grunde nach allen Regeln der Kunst ein galvanisches Element her: Dem noch „gelähmt[en]“ 69 Atlas wird durch Gold eine Münze in den Mund gelegt (1. Metall). Zink schiebt ihm eine Schüssel unter die Lenden (2. Metall). Fabel verbindet nun diese beiden Metalle, indem sie Atlas das Wasser der Weisheit über das Gesicht verteilt. Sobald sich nun diese Flüssigkeit über das Gesicht, in den Mund mit der Goldmünze und von dort in die Schale aus Zink ergießt, sind beide Metalle verbunden. Elektronen gehen in die Lösung über, „die galvanische Stromkette ist geschlossen“ 70 und über Atlas entläd sich die Spannung und

Freya und Held

64

„ein Blitz des Lebens [zuckte] ihm in allen Muskeln.“ 71 Der Atlas72 erwacht, die Erde „steig[t]“ 73 . Das veranlasst Fabel zu der Äußerung „Die Erde ist wieder leicht, wie sie es immer den Guten war.“ 74. Hier variiert Novalis eine antike Totenformel, die bei Beerdigungen gesprochen wurde: „Die Erde sei dir leicht!“. Weiterhin verweist Fabel in der Folge auf die Rückkehr der „alten Zeiten“ 75 und verheißt Atlas auch das Wiedersehen mit „alten Bekannten“ 76 . Es fällt nicht schwer diese Atlas-Episode in Verbindung mit Schillers Gedicht „Die Götter Griechenlandes“ zu bringen. Der schlafende Atlas repräsentierte die entgötterte Natur, die 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76

145 in: Esselborn (1987), S. S.. 122f., 25-17 in: Novalis (2004), S. Vgl.. 123, 5-7 in: Novalis (2004), S. S.. 147-149 in: Esselborn (1987), S. Vgl. dazu. 144f. in: Esselborn (1987), S. Vgl. dazu. 145, 3-28 in: Novalis (2004), S. Vgl.. 145, 5 in: Novalis (2004), S. S.. 172 in: Wetzels (1973), S. S.. 145, 11 in: Novalis (2004), S. S.. – der in der griechischen Mythologie die Erde auf seinen Schultern trägt – 145, 13 in: Novalis (2004), S. S.. 145, 18f. in: Novalis (2004), S. S.. 145, 19 in: Novalis (2004), S. S.. 145, 20f. in: Novalis (2004), S. S..

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auch Schiller in der Moderne konstatiert. Die Erweckung des Atlas wird nun eine Wiederbevölkerung der Natur mit ihren Göttern zur Folge haben – die Wiederkehr eines früheren Zustandes ist eingeleitet. Auch hier erkennt man das triadische Geschichtsmodell der Romantiker wieder. Erweckung des Vaters 77 Diese Erweckung verläuft nach bekanntem Schema, ist allerdings etwas aufwändiger inszeniert: Eine Goldmünze wird diesmal geschmolzen und in das „Ruhebette [. . . ] worin der Vater lag“ 78 gefüllt (1. Metall). Zink legt eine Kette (2. Metall) um Ginnistan, die sich über den Geliebten beugt. Dabei taucht die Kette in das flüssige Gold. Indem Ginnistan ihre Hand auf das Herz des Vaters legt, ist der Stromkreis geschlossen – der Vater wird zu neuem Leben erweckt.79 Der dabei entstehende „helle[. . . ] Spiegel“ 80 verweist offensichtlich auf die Möglichkeit der Zerlegung einer chemischen Verbindung durch elektrischen Strom.81 In diesem Fall wird durch den Strom die Gerinnung des Metalls zu einem ‚Spiegel‘ dargestellt. Der Spiegel zeigt eine auffällige Ähnlichkeit mit dem Prüfwasser der Weisheit, da er „alles in seiner wahren Gestalt zurückwerfe [. . . ]“ 82 . In dem Maße, in dem das Metall erstarrt, scheint der Vater seine Gestalt hin zu „eine[r] feine[n] unendlich bewegliche[n] Flüssigkeit“ 83 zu verändern. Erweckungselemente und Erweckter ‚tauschen‘ also parallel ihre Gestalt bzw. ihre Eigenschaften – ein Prinzip, dass bei Redoxreaktionen aber auch anderen chemischen Prozessen zu beobachten ist. Zwar wird dabei nicht der Aggregatzustand unter den Bestandteilen der galvanischen Zelle getauscht, es liegt aber eine chemische Veränderung der Eigenschaften vor, ein Prinzip, dass poetisch durch den Gestaltwechsel dargestellt wird. Die Metamorphose des Vaters visualisiert metaphorisch den durch dessen ‚Wiedergeburt‘ nun möglichen Neubeginn. Auch in diesem Erweckungsgeschehen zeigt sich die Entladung als Blitz in den Augen des erwachten Vaters.84 Erweckung der Freya 85 Ausgangssituation der Freya war ja ihre elektrostatische Aufladung durch Reibung und die Wirkung des Schwefelkristalls. Die Natur ist bereits beseelt, die Poesie hat Einzug in das Leben aller gefunden.86 Die Welt ist poetisiert und personalisiert. Das Ende des Märchens ist nahe – aber, wie im traditionellen Erlösungsmärchen, muss die Prinzessin erweckt werden, um die neue Zeit endgültig anbrechen zu lassen und so das Märchen zu beschließen. Statt Zink wirkt der alte Held in seiner bereits elektrostatisch aufgeladenen Rüstung an der Erweckung Freyas mit. Er gibt Eros sein Schwert (1. Metall). Eros erhält eine Kette von Gold (2. Metall), die ins Meer (Elektrolyt) hinab reicht. Eros, ebenfalls in seiner Rüstung, richtet die Schwertspitze auf die schlafende Freya. Zwischen der Prinzessin und dem Schwert entläd sich die Spannung, die sich zwischen ihr und dem sich nähernden Eros aufgebaut hat – wieder sichtbar durch einen Funken und ein Leuchten.87 Dieser „Entladungsfunke“ 88 lässt (aufgrund von elektrostatischen Abstoßungskräften) „Eros’ Helmbusch“ 89 in die Luft schnellen. Freya kann jedoch nicht erwachen,

77 78 79

80 81 82 83 84 85 86 87 88 89

146, 15-35 in: Novalis (2004), S. Vgl.. 146 in: Novalis (2004), S. S.. Elektronenübertragung findet vom Zink zum Gold über die Elektrolyte in Ginnistans Körperflüssigkeiten statt. 146, 27 in: Novalis (2004), S. S.. 146 in: Esselborn (1987), S. Vgl. auch. 146, 35f. in: Novalis (2004), S. S.. 146, 29f. in: Novalis (2004), S. S.. 146, 28 in: Novalis (2004), S. Vgl.. 148f., 23-6 in: Novalis (2004), S. Vgl.. 148, 5 in: Novalis (2004), S. Vgl.. 148, 33f. in: Novalis (2004), S. Vgl.. 173 in: Wetzels (1973), S. S.. 148, 36 in: Novalis (2004), S. S..

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da die galvanische Kette nicht geschlossen ist.90 Die Erweckung Freyas geschieht dann „mit einem klassischen Mittel der Märchenerlösungen, dem Kuß“ 91 . Nur durch Kombination von galvanischen, elektrostatischen und mythologischen Kräften ist also die Erweckung des ewigen Friedens durch die Liebe möglich.

Ergebnisse der Erweckungen Bedeutsam erscheint auch, dass die Erweckungen nicht ‚nur‘ um ihrer selbst Willen stattfinden. Es entstehen bei jeder Erweckung auch ‚Nebenprodukte‘, die mehr oder minder von Belang für den Fortgang des Märchens sind. Im Zuge der Erweckung des Atlas wird die Natur neu beseelt, während nach dem Erwachen des Vaters ein weiteres Prüfmittel zur Verfügung steht, welches „ jedes Blendwerk vernichte“ 92. Freyas Erweckung folgt (zwangsläufig) die Krönung des neuen Königspaars. In der Idee der Erweckung durch Elektrizität gibt Novalis der Naturwissenschaft schließlich ein neues Gewand in Form von Poesie. Je öfter Anorganisches zu Leben verhilft, Erstarrtes wieder belebt wird, desto weiter schreitet die Transformation der Naturwissenschaft in Poesie.93 „[E]s ergibt sich eine Synthese der Assoziationsfelder von Physik und Mythologie“ 94 Dadurch entstanden neue Bilder, die besonders vor dem Hintergrund idealistischer Philosophie interessant waren. Die – wenn auch nur gedachte – Möglichkeit der Erweckung durch einen geschlossenen Stromkreis, an dem unbelebte Elemente eine Belebung hervorrufen, nach diesem Zusammenhang von organischer, anorganischer und geistiger Natur hatte man lange gesucht. So ermöglichen praktische naturwissenschaftliche Erkenntnisse die Integration des Menschen in einen (substanziellen) Weltzusammenhang auf philosophischer (theoretischer) Ebene.95 „Elektrizität war Bildungskraft im Anorganischen, Lebenskraft im Organischen und möglicherweise Reflexionskraft im Bewußtsein.“ 96 „Da oft auch die emblematische und mythologische Bedeutung von Naturdingen hervorgehoben [. . . ] und auf ältere Naturspekulationen angespielt wird [. . . ], bildet die Naturwissenschaft keinen isolierten Bereich und Aspekt. In jedem Fall ist sie durch eine prinzipielle Vermenschlichung ihrer Erscheinungen in den Kreis der anderen Figuren und Vorgänge einbezogen.“ 97

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Es besteht keine geschlossene Verbindung zwischen den Bestandteilen des galvanischen Elementes: Goldkette verbindet Meer und Eros in seiner Rüstung – Rüstung und Schwert sind durch Berührung verbunden – der Entladungsfunke zwischen der Liebe und dem ewigen Frieden springt schon bei Annäherung über – eine letzte Verbindung fehlt allerdings. Selbst wenn des Schwert als zweites Metall Freya berühren würde – die Verbindung wäre nicht geschlossen, denn beide Metalle sind durch keine Elektrolytlösung verbunden. Logische Lösung des Problems wäre die Konzedierung einer Verbindung Schwert – Freya – Meer. Dann könnten – theoretisch – die Elektronen vom Schwert über die Elektrolyte in Freyas Körper und der Salzlösung des Meeres zur Goldkette gelangen. Dies ist allerdings eine unwahrscheinliche, um nicht zu sagen eine funktionsunfähige galvanische Kette. 146 in: Esselborn (1987), S. Vgl. dazu auch insbes. Fußnote 27., zu Novalis’ Betrachtungen des Galvanismus: 157 in: Esselborn (1987), S. S.. 173 in: Wetzels (1973), S. S.. 146, 36 in: Novalis (2004), S. S.. 157 in: Esselborn (1987), S. Vgl. auch. 173 in: Wetzels (1973), S. S.. 170 in: Wetzels (1973), S. Vgl.. 170 in: Wetzels (1973), S. S.. 149 in: Esselborn (1987), S. S..

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Bedeutung des Galvanismus’ für die Frühromantiker und Problem der elektrischen Allegorie „Der Galvanismus wird bei den Romantikern [. . . ] oft zum Codewort für die alle Natur- und Geistesbereiche beherrschende Grundkraft des Lebens, für das Zentralphänomen der Schöpfung überhaupt.“ 98 Wetzels greift hier eine die Epoche um 1800 beherrschende Vorstellung einer „tierischen Elektrizität“ auf. Diese glaubte der Physiologe Luigi Galvani (1737 – 1798) bei seinen berühmten Froschschenkel-Experimenten entdeckt bzw. nachgewiesen zu haben, worauf im ausgehenden 18. Jahrhundert ein überaus produktiver Gelehrtenstreit zwischen Alessandro Volta (1745 – 1827) und Galvani ausbrach. Volta vermutete die Kontraktion der Froschschenkel in der Versuchsanordnung begründet: Die Nutzung zweier verschiedener Metalle und deren Verbindung mittels der im Froschschenkel enthaltenen Elektrolyte war es dann auch, die den Stromkreis schloss und nicht etwa eine „tierischen Elektrizität“ 99 . Damit war der Stromfluss zwischen unterschiedlichen Metallen, die durch eine Elektrolytlösung verbunden sind, entdeckt – eben die Anordnung, die in der Folge als galvanisches Element bezeichnet wurde. Wetzels verweist auf das von Ritter aufgestellte „Grundgesetz des Galvanismus als Triplizität der Individuen bei Duplizität der Klassen [. . . ].“ 100 Womit das Vorhandensein von drei verschiedenen Körpern in zwei unterschiedlichen Aggregatzuständen (fest bzw. flüssig) beim Aufbau des galvanischen Elementes gemeint ist. Aus diesem Gesetz leitet Wetzels in seiner Argumentation die Trinität und die Dualität als grundlegende Kompositionschemata im Klingsohr-Märchen ab.101 Nicht nur im Kleinen – d. h. in den einzelnen Erweckungsszenen – spielt die Trinität eine Rolle, sondern auch im großen Erlösungsgeschehen der Welt, in dem das triadische Geschichtsmodell der Romantiker verwirklicht ist. Auch die Konstruktion dreier Welten und das dreimalige Bitten Fabels um Unterstützung von Arctur, sowie das dreifache Durchlaufen der fiktiven Räume durch Fabel und nicht zuletzt die Dreizahl der Erweckungsszenen selbst machen das Konzept der Trinität deutlich. Der Dualismus ist in der allegorischen Konzeption der Handlungsträger realisiert, die eine doppelte Lesart von vornherein einfordert. Zugleich sind die Figuren insgesamt grob – wie in jedem traditionellen Märchen auch – in gute und böse Charaktere einzuteilen. Durch das von Ginnistan begangene Unrecht der Verführung des Eros’ könnte man dieses Prinzip als unterlaufen ansehen. Dagegen spricht aber, dass fast jede Figur sich im Märchen zwischen zwei Extremen entwickelt.102 Ginnistan schwankt zwischen entfesselter und an gesunde Sinne (den Vater) gebundener Phantasie. Eros zwischen verspielter, junger Liebe und dem Jüngling mit der Mission, die für ihn bestimmte Geliebte zu erlösen. Freya schwankt zwischen lebenskraftspendender Funktion und selbst der Erweckung bedürftiger Lage, usw.. Wetzels führt die Konzeption von Dualismus und Trinität auf „das Prinzip der Polarität schlechthin“ 103 zurück, welches „das formale Prinzip der Weltseele überhaupt“ 104 für die Romantiker darstellte. 98 99

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174 in: Wetzels (1973), S. S.. Galvani zog aus seinen Experimenten den Schluss, „daß dem Tier selbst Elektrizität innewohnt“. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in seiner Schrift De viribus electricitatis in motu musculari commentarius (1791). 172 in: Wetzels (1973), S. S.. 174 in: Wetzels (1973), S. Vgl.. 150ff. in: Esselborn (1987), S. Vgl. auch in Bezug auf die im Märchen dargestellten Gegensätze. 174 in: Wetzels (1973), S. S.. 174 in: Wetzels (1973), S. S..

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„Das Märchen feiert daher in diesen galvanischen Wiedergeburten der Weltseele den Natur- und Göttermythus von der ewigen Wiederkehr schlechthin.“ 105 Und kann damit eigentlich – selbst logisch betrachtet – auch nicht falsch liegen. Denn eine beseelte Natur bzw. Mythologie, die immer wieder sich selbst hervorbringt, der ist die Ewigkeit des von Novalis im Märchen erreichten Zeitalters nicht verschlossen.

Positive Individualität Wie schon erläutert, setzt Novalis, wie seine frühromantischen Zeitgenossen, konsequent auf die Perspektive und Kraft der Poesie.106 Innerhalb dieses Rahmens allerdings ist das Individuum und auch der Künstler frei. Es geht um eine individuelle, freie Betrachtung der poetisierten Welt, bei Übernahme der „in ih[r] chiffrierten Grundstrukturen und Haltungen.“ 107 Das System der Neuen Mythologie an sich bleibt offen, denn der Rezipient denkt es weiter. Alle, die sich der Prämisse Poesie unterwerfen, sind eingeladen, ja geradezu angehalten, auch mitzuarbeiten. Dieses durchaus emphatische Herangehen an die Schaffung einer Neuen Mythologie wird besonders in Schlegels „Gespräch über die Mythologie“ deutlich: Sie gibt ein Plädoyer für die Kunst ab, stellt sich aber auch als Appell an alle Kunstschaffenden dar. Schon der erste Satz enthält eine Apostrophe108 . Die „Rede“ will ihr Publikum direkt erreichen: Die programmatischen Ideen sollen im Dialog gebündelt, mit anderen Künstlern geteilt und in die Welt hinaus getragen werden – gleichzeitig sollen in der Welt existierende andere (kulturelle) Konzepte von Mythologie integriert, evt. gar übernommen werden.109 Es geht nicht nur um eine theoretische Einsicht über die Bedeutung der (neuen) Mythologie, die alle erfassen und für jeden Menschen ersichtlich werden soll. Der einzelne Künstler und sein Realisierungs- und Creierungsprozess (der Neue Mythologie) als Individuum sind wichtiges Ziel der eindringlichen Forderungen Schlegels. Schlegel beansprucht für das Projekt alle Künstler, jede Kraft soll mobilisiert werden. Festzustellen ist ein gewisses „Alles-oder-Nichts-“-Pathos: Es geht Schlegel um die Rettung der Poesie – für ihn steht ‚das Schicksal der Menschheit‘ auf dem Spiel: „[. . . ] daß die Menschheit aus allen Kräften ringt, ihr Zentrum zu finden. Sie muß, [. . . ] untergehn oder sich verjüngen.“ 110 . Diese Rettung hängt davon ab, ob es geschafft wird, eine Neue Mythologie zu finden und dann auch im Leben der Menschen (bzw. Künstler) zu realisieren. Schlegel stellt also nicht nur akademische Fragen in den Mittelpunkt seiner „Rede“, sondern praktische Aspekte der Neuen Mythologie bzw. Poesie. Klingsohr’s Märchen stellt nun gleichzeitig einen dieser geforderten praktischen Beiträge sowie einen Versuch dar, Rezipienten zur Eigentätigkeit anzuregen.

Wie werden die Forderungen der Neuen Mythologie im Märchen eingelöst? Diese Frage drängt sich nun auf, da wir in dem Märchen ja viele Forderungen der Frühromantiker bearbeitet und innovativ vermittelt sehen können. Nach unserer Analyse besteht nun kein Zweifel mehr – das Märchen ist vielleicht sogar ein mustergültiges Beispiel für einen Beitrag zur Neuen 105 106

107 108 109 110

174 in: Wetzels (1973), S. S.. Ein Beleg dafür ist z. B. die Tatsache, dass die Aufzeichnungen des Schreibers (Verstand) dem Prüfmittel Sophieens (Weisheit) nicht standhalten, Fabels Formulierungen hingegen nicht ausgelöscht werden.171 in: Wetzels (1973), S. Vgl. auch. 243 in: Engel (1991), S. S.. 496, auch: 497ff. in: Schlegel (1800), S. Vgl.. 502 in: Schlegel (1800), S. Vgl.. 498 in: Schlegel (1800), S. S..

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Mythologie. Es löst viele der von Schlegel und Hegel genannten, konkreten Erwartungen an die Neue Mythologie ein: Das triadische Geschichtsmodell der Romantiker wird gezeigt.111 Zwar beginnt die Märchenhandlung in der Mitte des Modells – die verwunschene Zeit der Entzweiung der Welten ist unmittelbare Gegenwart – doch wird konsequent darauf hingearbeitet, die Welten zu einen, von der alten Zeit und den Stiftern des Unfriedens und Leidens zu befreien und ein neues, ein Goldenes Zeitalter heraufzubeschwören. Dies erinnert nicht nur an eine zyklische Struktur, in der „das Reich der Zukunft [. . . ] eine Wiederkunft des alten Paradieses ist,“ 112 , sondern auch an christliche Glaubensvorstellungen. Weiterhin kann z. B. die Darstellung des erstarrten Reiches von Arctur als „die nur noch fossile Präsenz der alten Welt in den Zustandformen von Kälte, Isoliertheit und Erstarrung [. . . ] “ 113 gedeutet werden. Wie schon Wetzels schreibt, liegt dem Leser hier aber die Assoziation eines wie auch immer gearteten ‚Frühlings‘, der diese Welt ‚auftaut‘, nahe. Allerdings nutzt Novalis bekannte Beschreibungskategorien, besonders aus dem Bildbereich der Kristallographie und Mineralogie.114 Die Handlungsträger sind Figuren aus verschiedenen mythologischen Bereichen. Über Allegorien werden naturwissenschaftliche Vorgänge poetisch integriert. Es entwickelt sich eine neue Symbolsprache über physikalische und chemische Vorgänge, sodass sich neue Bildbereiche und ein neuer poetischer wie naturwissenschaftlicher ‚Formel‘-fundus erschließen. Da er vor dem Hintergrund idealistischer Philosophie operiert, gelingt Novalis im Märchen die Integration von „[. . . ] autonomem Subjekt und Natur [. . . ]“ 115 .116 Belebte und unbelebte Welt werden verbunden – das Individuum in einen Weltzusammenhang der Aggregatzustände und mythologisch-allegorischer Beziehungen gesetzt.117 Ein Erfolg, der sein Zeitalter nicht überlebt. Die Integration von Individuum und Gemeinschaft gelingt Novalis durch „[. . . ] das neue Konzept des Mittlers [. . . ], in dem die Bindung der Individuen an das Ganze mythische Gestalt gewinnt.“ 118 Menschen, mythologische Gestalten, Prinzipien der Menschheit und der Natur werden in einer neuen Zeit durch die Kraft des Herzens vereint, die durch den Trunk der Asche ihre Wiedergeburt in allen anderen Gestalten findet. Am Ende muss sich der Rezipient für keine der Lesarten entscheiden, da alle gleichwertig im „ewige[n] Fest des Frühlings“ 119 unter der Priesterschaft der Weisheit und ewiger Bindung des Herzens vereint sind.120

2.4. Fazit zum Klingsohr-Märchen Die These vom Synkretismus in Novalis’ Klingsohr-Märchen hat sich also bestätigt. Novalis verbindet verschiedenste Wissensbereiche, Mythologien und Motive, Religionen und Welten miteinan-

111 112 113 114

115 116 117 118 119 120

168f. in: Wetzels (1973), S. Vgl.. 169 in: Wetzels (1973), S. S.. 169 in: Wetzels (1973), S. S.. Was nicht besonders verwunderlich ist, da Novalis selbst an der Bergakademie Freiberg studiert hat – und ihm so quasi ‚automatisch‘ ein naturwissenschaftlicher Bildspendebereich bzw. Bildempfangsbereich zur Verfügung steht. Dieser bleibt aber allgemein verständlich, setzt also keineswegs das Studium der Geologie zum Rezeptionsverständnis voraus. 245 in: Engel (1991), S. S.. Esselborn spricht von der Auflösung der Gegensätze. 150f. in: Esselborn (1987), S. Vgl. 154f. in: Esselborn (1987), S. Vgl.. 245 in: Engel (1991), S. S.. 149, 29f. in: Novalis (2004), S. S.. 151, 3ff. in: Novalis (2004), S. Vgl..

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der121 – die Auflösung in ein harmonisches Chaos bleibt nicht aus. Das Märchen findet ein für den Leser befriedigendes, ein gutes Ende. Es ist ein ernst zu nehmender und gewiss auch allumfassend gedachter Beitrag zum romantischen Programm einer Neuen Mythologie. Am Ende jedoch, und das weiß nicht nur der moderne Rezipient romantischer Literatur, am Ende jedoch ist und bleibt es ein Märchen, dass von einer besseren Zeit berichtet. Seine Möglichkeit diese auch zu realisieren, heraufzubeschwören und alle Welt zu einen hat es nicht etwa verfehlt – der Zugriff auf das (welt-)geschichtliche Alltagsgeschehen war ihm von Anfang an verwehrt, weil es die Poesie zum herrschenden, vorantreibenden Prinzip erhob, in einer Welt, die bereits nach dem Prinzip der Naturwissenschaften funktionierte, oder zumindest dem Rationalismus den Vorrang einräumte. Es versuchte die Naturwissenschaft mit ihrem konkreten Weltbezug in der Neuen Mythologie aufzulösen, konnte aber den Leser nicht genügend aktivieren, selbst einen Beitrag zu leisten; wohl auch deshalb, weil es die Natur des Märchens ist, den Leser eben nicht in seinem Alltag ‚abzuholen‘ und Handlungsanweisungen für den Weg in einen ‚neuen‘ Alltag zu geben. Die Verwandlung von Naturwissenschaft in Dichtung, das Ziel der Poetisierung der Welt versucht Novalis meisterhaft. Ein Versuch, der im Märchen wohl einzigartig gelingt.

3. Fazit zum frühromantischen Projekt einer Neuen Mythologie Obwohl den Romantikern der Verlust der ‚alten Mythologie‘ bewusst war – man möchte fast sagen, in ihren Werken kommt manchmal eine Art ‚Phantomschmerz‘ zum Ausdruck – konnten sie sich doch nicht von den zeitgenössischen, tradierten Kategorien lösen. Alte Mythologie, beseeltes Naturgefühl und erhabenes Naturerleben stehen so den modernen Entwicklungen der Ausbeutung der Natur durch den Menschen, christlichen Wertvorstellungen und einem strengen Konzept gesellschaftlicher Ordnung gegenüber, in dem der Einzelne Gefahr läuft, winziges Bauteil in einem funktionierenden Gesellschaftsuhrwerk zu werden – wenig individuell, oft fremdbestimmt und ‚unfrei‘. Die Romantiker negierten diese Unfreiheit des Menschen, Marx (1818 – 1883) wird es später „doppelte Freiheit des Lohnarbeites“ nennen, der gezwungen ist in ökonomischen und nicht in ästhetischen Kategorien zu denken, da ihm nur so ein Existieren in der Moderne möglich ist. Man könnte von einem Verlust an Realitätssinn bei den Frühromantikern sprechen – mit entlarvendem Blick für die Missstände ihrer Zeit, aber utopischen Lösungsvorschlägen begannen sie ihre ‚Mission‘. Da sie als Künstler meist in den herkömmlichen Kategorien verhaftet waren, die eben nicht nur als Kontrast für die Neue Mythologie dienen, sondern als Anknüpfungs-, als Eckpunkte für die Realisierung dieser, steht diese Praxis dem Gelingen des Projekts im Alltag entgegen. Andererseits hatten sie auch kaum eine Chance für wirkliche Neuerungen, wie Engel zu entnehmen ist: „[. . . ] am wirkungsvollsten ist romantische Mythopoesie in der Regel dort, wo sie traditionelle Mythologeme neu akzentuiert [. . . ]“.122 Die Neue Mythologie will alles und vergisst über diesem Anspruch eine ‚alltagstaugliche‘, für die breite Masse der Menschen ansprechende, Form zu bieten, während sie selten wirklich radikal Neues schafft. Der berühmte goldene Mittelweg wird verfehlt – weil die Romantiker auf ihren revolutionären, aber somit auch extremen Forderungen bestehen. Sie fordern einen radikal anderen Entwicklungsweg, als ihn die Moderne zu diesem Zeitpunkt bereits eingeschlagen hat. Fern 121 122

151 u. 155 in: Esselborn (1987), S. Vgl. auch. 244f. in: Engel (1991), S. S..

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der Realität gestalten sie also ein Konzept in Poesie und auf Papier – vergessen aber eine Brücke in ihre Alltagswirklichkeit zu bauen. Der romantische Geist hat neue Aussageformen geschaffen, hat heere Ziele ver- und ist hohen Idealen gefolgt. Das geschaffene künstlerische Werk ist von hoher Bedeutung für die Moderne – sowohl in Bereichen der Philosophie als auch in Ästhetik(theorie) und Kunst. Nichts desto trotz bleibt aber festzustellen: Wie groß und ungemein fruchtbar diese (literarische) Epoche in den Umbruchszeiten zur Moderne auch war – in der Alltagswelt ist das Projekt Neue Mythologie nie angekommen. Es ist gefangen im Kunstsystem, auf den Papieren großer Dichter und Denker – der Sprung in die Realität, die angestrebte Revolution durch bzw. zur Poesie ist nicht gelungen. Vielleicht sind Gründe für das Verharren der Neue Mythologie im Anspruch darin zu finden, dass die Romantiker engagiert nach Revolution des Bestehenden strebten. Vielleicht wäre Integration der erfolgreichere Weg gewesen.

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A. Anhang: Handlungsverlauf In diesem Abschnitt soll der Handlungsverlauf unter Berücksichtigung der wichtigsten Abschnitte, Szenen und Ortswechsel, sowie unter Begleitung der Haupthandlungsträger dargestellt werden. Dies soll eine leichtere Orientierung und ein Verständnis der Märchen- und der Allegorieebene ermöglichen, ohne jedes Detail auszudeuten. Um die Inhaltsaufbereitung nicht zu unübersichtlich werden zu lassen, sind alle Figuren und ihre allegorische Bedeutung in Kapitälchen gesetzt. Die Aufschlüsselung der Handlung ist unter zu Hilfenahme des Kommentars entstanden.123 Grundsätzliches Anliegen dieses Märchens ist es, eine im Herbst erstarrte, kalte Welt zu befreien. Vor langer Zeit gab es ein Goldenes Zeitalter und nun ist die Welt in einer kalten Starre gefangen. Der Kommentar setzt den Hintergrund eines Krieges.124 Dazu muss Eros, die Liebe, Freya, die Sehnsucht und Frieden repräsentiert, erwecken. Dies kann er nur mit Hilfe des anderen Personals im Märchen. Besonders angewiesen ist er auf die Unterstützung seiner „Schwester“ Fabel, der Poesie. Dies geschieht in einem Gewimmel von Figuren, Schauplätzen und Szenen. Das Märchen beginnt in der Sternenwelt – der Held ist unterwegs zu Arcturs Palast. Dort angekommen, tritt er vor Freya, die Tochter des Königs, die mit der Frage „Hast du noch nichts entdeckt?“ 125 hier andeutet, dass man im Sternenreich verzweifelt auf das Ende des gegenwärtigen Zustandes wartet. Der Held berührt Freya, die ihn und seine Rüstung sowie sein Schwert mit Hilfe des aus Schwefelkristall erbauten Thrones magnetisiert. König Arctur tritt hinzu und fordert den Helden auf, sein Schwert aus dem Fenster zu werfen, was dieser sogleich tut. Hier findet nun ein Übergang vom Sternenreich in die Welt der Menschen statt. Während nämlich am Hofe Arcturs der König und seine Tochter mit Sternenkarten und -bildern spielen, ereignet sich Folgendes in der Menschenwelt: Die Szene spielt in einem Zimmer – versammelt sind Eros in einer Wiege liegend, Fabel auf dem Schoß ihrer Mutter, Ginnistan, und ein Schreiber an seinem Pult. Der Schreiber schreibt verschiedene Dinge auf, die anwesende Sophie prüft die Blätter auf ihren Wahrheitsgehalt, indem sie die Schriften durch eine Schale mit Wasser zieht. Das meiste, was der Verstand des Schreibers jedoch auf’s Papier befördert, hält dem Prüfmittel nicht stand und wird ausgelöscht. Was aber der Vater diktiert, wird geprüft und meist abgehoften. Der Vater der Kinder und die Mutter von Eros gehen in der Stube ein und aus. Der Vater ist es dann auch, der ein eisernes Stäbchen im Hof findet und es dem Schreiber bringt, der es untersucht. Hier gelingt die Verbindung zwischen Menschen- und Sternenwelt, denn das Schwert des Helden ist bis in den Hof dieser Menschen gefallen. Der Schreiber stellt fest, dass es wie eine Kompassnadel reagiert. Da es sich durch die Magnetisierung immer mit der Spitze nach Norden hin ausrichtet, hängt man es frei auf. Ginnistan nimmt sich sogleich das Schwert und gibt ihm – getreu ihrer allegorischen Funktion der Phantasie – eine neue Gestalt in Form einer Schlange. Der Schreiber beobachtet des Geschehen, schreibt alles nieder und übergibt es Sophieen zur Prüfung – und nichts hält stand. Während der Schreiber enttäuscht ist, spielt Ginnistan weiter mit der Schlange, berührt damit den Eros in der Wiege und dieser erwacht und greift nach der Schlange. Der Knabe springt aus der Wiege, beginnt zu wachsen und steht nackt mit langen blonden Locken bedeckt im Raum. Der Schreiber traut seinen Augen nicht und verlässt das Zimmer – Eros aber ist fasziniert vom Metall, wächst weiterhin und bittet Sophie, ihm aus der Schale mit dem Prüfwasser zu trinken zu geben. Dieses „Wasser der Wahrheit“hat eine Erkenntnis zur Folge: Der nackte Eros bittet Ginnistan um ihr Tuch. Eros nimmt die kleine Fabel auf den 123

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Ritzenhoff, Ursula (1999): Erläuterungen und Dokumente. Novalis (Friedrich von Hardenberg) Heinrich von Ofterdingen. Band 8181, Stuttgart: Reclam.. 80f., Anm. zu 121,24-122,15 in: Ritzenhoff (1999), S. Vgl.. 122,28 in: Novalis (2004), S. S..

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Arm, diese reagiert sofort und fängt an, mit ihm zu reden. Ginnistan, die Phantasie, versucht, Eros zu gefallen und zu herzen, will ihn in eine Kammer ziehen, was aber die Weisheit, Sophie, gerade noch mit Deutung auf die Schlange verhindern kann. Hier geschieht schon eine Andeutung auf die noch folgende Verführung des Eros durch Ginnistan. Während Eros seine Mutter unter Tränen willkommen heißt und sich der Vater zärtlich mit Ginnistan beschäftigt, ergreift Fabel die Feder des Schreibers und beginnt ihre Beobachtungen nieder zu schreiben. Der Vater kehrt zurück zu seiner Arbeit, der Schreiber zurück an sein Pult, scheucht die kleine Fabel weg und reicht deren Blätter Sophie zur Prüfung. Er erhält aber keine reinen Blätter zurück – Fabels Schriften halten dem Wahrheitswasser stand – der Schreiber ist gekränkt und beleidigt. Während alle ihrem geschäftigen Tagwerk nachgehen, bereiten die Mutter und Eros alles für dessen Abreise vor; er tritt als edler Ritter vor Sophie und bittet sie um einen Reiseplan. Das Schwert Eisens werde den Weg Richtung nördliches Sternenreich weisen – aber Ginnistan kennt den genauen Weg und soll ihn begleiten. Um Eros nicht in Versuchung führen zu können, sollen aber die Mutter und Ginnistan die Gestalt tauschen. Hier tritt wieder die Funktion besonders von Sophie in den Fordergrund: Nur sie als verkörperte Weisheit kennt Ziel, Weg und Sinn der Reise und kann dementsprechend auch Hilfe geben. Die allgemeine Aufbruchsstimmung erreicht ihren Höhepunkt: Ginnistan und Eros machen sich auf den Weg – der Schreiber ist froh über deren Abwesenheit, Fabel aber stört ihn immer noch. Sophie gibt den Reisenden noch eine Schale vom Wahrheitswasser mit auf den Weg und spricht den Reisesegen über die beiden. Ortswechsel: Die Reise soll zwar in die nördliche Hemisphäre zu Arcturs Hof gehen – aber die erste Zwischenstation ist das Reich des Mondes in der Sternenwelt. Ginnistan, die Tochter des Mondes, und Eros werden herzlich willkommen geheißen. Der Vater erkennt seine Tochter (in der Gestalt der Mutter) an ihrer Stimme, aber wohl auch durch das Beisein der Liebe. Mit Ankunft der beiden erwacht auch der Hof des Mondes zu neuem Leben – eine von vielen Antizipationen auf den guten Ausgang des Märchens. In der Beschreibung des Wolkenlandes werden bestimmte Naturerscheinungen wie Ebbe, Flut, Orkane und Erdbeben als vom Mond kontrolliert dargestellt, eine Vorstellung, die der Astrologie entstammt. Der König selbst überlässt nun Ginnistan den Zugang zur „Schatzkammer “ 126 , die das Land der Träume beinhaltet, mit der Erlaubnis an Ginnistan, für Eros ein Schauspiel auszurichten.127 Hier findet nun die Verführung des Eros durch Ginnistan im Garten der Träume statt. Da Ginnistan in der Gestalt der Mutter als Eros’ Begleiterin auftritt – gerade um so eine Situation zu verhindern – kann diese Verführung als Inzest betrachtet werden. Es folgen negative Konsequenzen für Ginnistan und Eros. Auf der Märchenebene ergibt sich hier ein retardierendes Moment: Die Errettung Freyas durch Eros wird in unwahrscheinliche Ferne gerückt, schließlich soll Eros sie nicht ‚nur‘ erwecken, nein, die beiden sollen am Ende als Liebespaar ewig verbunden zu einander finden.128 Trotz der eher unbewusst erlebten Verführung durch die Phantasie sind die Folgen des Inzests eindeutig negativ. Es folgt ein weiterer Schauplatzwechsel: Wir sind wieder in der Menschenwelt. Der Schreiber hat ein Gefolge um sich geschart und die Macht an sich gerissen. Unter ihm ist eine Verschwörung im Gange. Mutter und Vater liegen in Ketten, Fabel versteckt sich und findet im Zimmer hinter dem Altar eine verborgene Tür. Sie folgt der Treppe dahinter und beginnt ihre Reise durch die Welten, auf der Flucht vor dem nach Rache sinnenden Schreiber. Sie gelangt in die dunkle Unterwelt129 und trifft auf die Sphinx. Durch kluge Antworten und Fragen muss diese die kleine 126 127 128 129

131,5 in: Novalis (2004), S. S.. Auch über die Träume herrscht der Mond.75,24-32 in: Novalis (2004), S. Vgl. 97f., Anm. zu 133,9-26 in: Ritzenhoff (1999), S. Vgl. auch. Die Unterwelt (auch: Totenreich) ist durch inverse Phänomene gekennzeichnet. 134,14-20 in: Novalis (2004), S. Vgl.

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Fabel passieren lassen. Auch hier wird das positive Ende des Märchens vorweg genommen: Trotz kindlicher Gestallt schafft es die Poesie allein, später mit Liebe und Weisheit zu siegen und die (neue) goldene Zeit zurück zu bringen. Als nächstes begegnet Fabel den Parzen, deren Aufgabe als Schicksalsgöttinnen es ist, über Leben und Sterben der Menschen zu entscheiden, in dem sie an Schicksals- und Lebensfäden spinnen (und diese ggf. durchtrennen). Nach einigem hin- und her – man könnte gar von verhandeln sprechen – darf Fabel in einer Nebenkammer mitspinnen, in der sie den toten Seelen beim Blick auf das Sternbild des Phönix plappernd und singend130 das nahende Goldenes Zeitalter prophezeit, während der Schreiber die Höhle betritt. Er bringt die Helle seines Verstandes und muss sich mit Alraunwurzel gegen die durch Fabel ermunterten Geister zur Wehr setzen. Die Parzen verbieten Fabel schließlich zu spinnen; der Schreiber131 ist sich des Sieges sicher. Der Schreiber stellt Fabel nun vor ihre zweite Probe: Er erzählt ihr vom rastlos umherirrenden Eros (Strafe für die Verführung) und kündigt den Parzen in Fabels Beisein den Tod der Mutter an. Die Parzen wiederum stellen Fabel die Aufgabe, Taranteln für sie zu suchen, um daraus Öl zu machen.132 Fabel ist aufgrund der schlimmen Nachrichten traurig, steigt aber eine Leiter in Arcturs Reich hinauf und tritt vor den König. Sie kündigt dem den positiven Ausgang ihrer Bemühungen. Hier soll noch einmal auf die allegorische Funktion der Fabel verwiesen werden: Sie als die Poesie hat als einzige Figur mühelosen Zugang zu allen drei Welten. Sie kann auch den positiven Ausgang des Märchens verkünden, denn die Poesie kennt die Geschichte, an der sie „spinnt“ nur zu gut. Des weiteren kündigt Fabel hier die Rückkehr der alten Goldenen Zeit in neuer Form an und verweist auf den Ewigkeitswert der Poesie und des neuen Goldenen Zeitalters.133 Diese Gelegentheit nutzt Fabel um vom König eine Leier zu erbitten. Das Musikinstrument hat über seine Bedeutung als Sternenbild hinaus noch Symbolcharakter: Die Poesie kann nur zusammen mit der Musik ihre „Wunder“ tun. Auch die Poesie kann also nicht allein diese schwere Aufgabe der Erlösung und das Einläuten eines neuen Zeitalters übernehmen – sie ist auf die Hilfe anderer angewiesen, auch wenn sie die treibende Kraft im Bemühen um Frieden und glückliche Ewigkeit darstellt. Mit der Leier geht Fabel in das Reich des Mondes. Sie trifft auf eine ausgezehrte Ginnistan, die sie trotz der Gestaltenwandlung erkennt. Die Poesie weiß also um den inneren Kern der Dinge, unabhängig von deren äußerer Gestalt.134 In diesem Zusammentreffen der Phantasie in Gestalt der Weisheit und der Poesie werden noch einmal die Folgen des Inzests beschrieben.135 Ginnistan ist abhängig von Eros136 , welcher sich vom Jüngling wieder in einen verspielten Knaben verwandelt hat. Unabhängig vom Gestaltenwechsel hat hier – ausgelöst durch die Verführung – eine innere Metamorphose der Phantasie statt gefunden: Sie hat ihre Naivität und ihr unbefangenes Wesen verloren. Ginnistan klagt Fabel ihr Leid, erzählt von den Kindern, die aus der Verbindung mit Eros hervorgegangen sind: Kleine geflügelte Liebesgötter, Eroten und Amoretten.137 Eros tritt hinzu und Fabel beginnt, ihr Lied zur Leier zu singen. Diese positive, beruhigende Wirkung der Poesie erlöst Eros und Ginnistan von ihrer Unruhe und beide fallen (Ginnistan erst, nachdem sie ‚gesunde‘ Träume gerufen hat) in einen tiefen Schlaf. Die Musik der Poesie lockt Taranteln hervor – der Kommentar sieht in ihnen die negativen Gefühle kondensiert und 130 131

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135,13f. in: Novalis (2004), S. Vgl.. Wird hier als Sinnbild des Todes dargestellt: Durch die Attribute „Hippe“ und „Stundenglas“ wird das nicht genannte, aber doch assoziierte Bild des Sensenmannes konstruiert. 134,3f. in: Novalis (2004), S. S. Zu Novalis’ Zeiten glaubte man, dass der Biss einer Tarantel tödlich für den Menschen sei. Novalis (2004), S. Vgl.138,4ff.. 138,25-27 in: Novalis (2004), S. Vgl.. 139,11-13 u. 139,4f. in: Novalis (2004), S. Vgl.. 139,29-35 u. 140,17 in: Novalis (2004), S. Vgl.. 107, Anm. zu 140,11-14 in: Ritzenhoff (1999), S. Vgl..

iii Diese Arbeit wurde im Sommersemester 2005 von Anna-Maria Müller erstellt und eingereicht.

die negative „passio“ der beiden, hauptsächlich aber von Ginnistan, verkörpert.138 Die Verstrickungen um Eros und Ginnistan finden schließlich doch noch zu einer Auflösung, als Ginnistan das Wasser der Weisheit nutzt, um wohltuende Träume herbei zu rufen. Mit diesem Verhalten – dem richtigen Einsatz des Wahrheitswassers, macht Ginnistan ihre Verfehlung im Mondgarten ungeschehen. Fabel unterdessen setzt ihre Reise (mit dem Wahrheitswasser) fort und kommt vom Gestade des Mondes wieder in die Menschenwelt, wo sie ihre Mutter auf dem Scheiterhaufen verbrennen sieht. Der Schreiber hat einen kleinen Sieg errungen und nur „Sophieens blaue[r] Schleier“ 139 der Weisheit über der Erde mildert die Grausamkeit dieses Anblicks. Je mehr aber die Flamme des Scheiterhaufens an Kraft und Energie gewinnt, desto mehr verliert die Sonne an Kraft, bis sie schließlich untergeht. Der Schreiber und sein Gefolge sind in helle Aufregung versetzt, als Fabel plötzlich ins Zimmer tritt. Sie stürmen auf das kleine Mädchen ein, doch die von den Parzen gewünschten Taranteln, die Fabel gefolgt sind und von denen sich der Schreiber zu aller erst den Tod Fabels versprochen hat, werden zum eigenen Untergang des Schreibers und seiner Gehilfen. Fabel beginnt wieder, ein Lied zu spielen und steigt mit den Taranteln durch die Trümmer des mittlerweile zerstörten Altars wieder über die Treppe in die Unterwelt. Wieder muss die Sphinx sie passieren lassen. Fabel tritt vor die Parzen, die sogleich von den Taranteln gebissen werden. Fabels Musik zwingt sie, zu tanzen – trotzdem stellen die Parzen eine weitere Forderung an Fabel: Sie möge ihnen Tanzkleider spinnen. Fabel bittet darauf hin die Kreuzspinnen, den Parzen Kleider zu spinnen. Im Gegenzug verspricht Fabel, ihnen die Parzen zum Fressen zu überlassen. Während die Kreuzspinnen an den Kleidern arbeiten, wechselt Fabel noch einmal die Welt – sie geht an Arcturs Hof. Hier ist die Flamme der Mutter – des Herzens – gerade angekommen. Sie löst die Sternenwelt langsam aus ihrer Starre. Fabel bittet den König diesmal um Blumen für die Kleider der Parzen. Arctur gibt ihr die Blumen seines Gärtners Zink und Fabel macht sich damit wieder auf den Weg, zurück in die Unterwelt. Sie entkleidet die Schicksalsgöttinnen und zieht ihnen die neuen Kleider an. Hinterher erlaubt sie den Kreuzspinnen, über die Parzen herzufallen – sie werden von den Kreuzspinnen ausgesaugt. Danach beauftragt Fabel Perseus, die Überreste der Parzen zu versteinern und so „das große Werk zu vollenden“ 140 Fabel macht sich sofort auf, um Arctur zu berichten, was in der Unterwelt geschehen ist und verkündet nochmals das nahende Goldene Zeitalter. Sie wendet sich aber auch mit einer dritten Bitte an Arctur: Um die Asche ihrer Mutter zusammen tragen zu können und ihre Aufgabe endgültig zu erfüllen, benötigt sie Helfer. Turmalin, Gold und Zink sollen ihre neuen Begleiter sein. Turmalins Fähigkeit, nach Aufladung durch Reibung oder Wärme kleine Partikel anzuziehen, wird die Asche des Herzens wieder zusammen bringen. Gold und Zink als galvanische Elemente werden in den Erweckungsszenen noch eine entscheidende Rolle spielen. Durch das Atlasgebirge geht es Richtung Menschenwelt. Die Asche der Mutter wird gesammelt, Atlas in einem galvanischen Prozess aus seiner Starre gelöst und die ganze Erde scheint neu belebt. Fabel verkündet die Wiederherstellung des Goldenen Zeitalters und das Lebendigwerden alter Naturgötter. Die Menschenwelt, wie sie vorher war, existiert nicht mehr. Sophie wacht wieder über das Wasser der Weisheit und den Altar. Die Weisheit ist nach dem Tod des Schreibers zurück gekehrt und übt ihre priesterlichen Pflichten wieder aus. Eros – sein Äußeres zeigt es – ist nun bereit für seine Aufgabe: Die Erweckung Freyas. Die Phantasie (Ginnistan) wendet sich wieder den gesunden Sinnen (Vater) zu – die Asche des Herzens wird durch Fabel in einer Urne zurück gebracht. Alle bösen Gestalten der Unterwelt – 138 139 140

107, Anm. zu 140,11-14 u. 140,30-32 in: Ritzenhoff (1999), S. Vgl.. 141,9f. in: Novalis (2004), S. S.. 144,17f. in: Novalis (2004), S. S..

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der Schreiber, Verantwortlicher für die Zerstörung der Menschenwelt, die Parzen, Spinnen usw. sind verschwunden. Für die Befreiung der Welt erhält Fabel von der Weisheit das Geschenk des Phoenix – die Poesie erlangt Unsterblichkeit. Doch wartet noch eine letzte Aufgabe auf die kleine Fabel: Mit Hilfe von Zink und Gold erweckt sie in einem galvanischen Prozess den Vater, der vom Schreiber getötet worden war. Sophie vermählt den Vater und Ginnistan – ein weiterer Inzest wird ausgeschlossen, Phantasie und Sinne sind unlöslich miteinander verbunden. Alle trinken vom Wasser der Weisheit, in welchem die Asche des Herzens gelöst ist. Fabel soll Eros begleiten, der nun zu Freya eilt. Es folgt ein Ortswechsel von der Menschen- in die Sternenwelt. Ein Szenario der Beseelung und Erlösung der Welt wird gezeichnet. Mittels einer galvanischen Kette und eines Kusses wird Freya durch den Geliebten, Eros, erweckt. Das Märchen kommt im Palast Arcturs zu seinem Ende. Sophie und Arctur, Freya und Eros, Fabel und Phoenix sowie Welt und Volk sind vereint und gesegnet durch die neue Königin: Freya. Die Welt ist angekommen im „ewige[n] Fest des Frühlings“ 141 . Zeit und Zeitenlauf sind aufgehoben. Perseus tritt hinzu und bringt Eros „die Rester [seiner] Feinde“ 142 – eine Spindel und ein Schachspiel. Fabel erhält die Spindel zum ewigen ‚Spinnen‘ von Geschichten, bevor sie auf dem Phoenix in die Unsterblichkeit davon fliegt. Der Mond und dessen Hofstaat, sowie Ginnistan und der Vater versammeln sich in Arcturs Palast. Der Mond bittet Arctur um die alte Unterwelt – sie solle im neuen Goldenen Zeitalter als Theater dienen. Auch die Hesperiden sind anwesend, beglückwünschen das Fest und bitten um Schutz. Das Volk und die Anwesenden fallen in einen ‚Liebeszauber‘143 . Während Eros und Freya Hochzeit halten, verkündet Sophie das ewige neue Zeitalter des Glücks. Fabel schwebt auf dem Phoenix über allem.

B. Klingsohrs Märchen und sein Personal Weil Novalis mit dem Märchen Klingsohrs eine geschlossene Geschichte in seinem Roman geschaffen hat, die eine Fülle an Stoffen, Motiven, Ideen und Verweisen sowie eine verwirrende Struktur ohne den Ariadne-Faden einer profilierten Haupthandlungsebene für den Leser bereit hält, ist es notwendig, einen Überblick über das Märchen und seine Handlungsträger zu schaffen. Um die Figurenkonstellation, Verwandtschaftsverhältnisse und allegorischen Bedeutungen der ‚Hauptfiguren‘– so man im Klingsohr-Märchen überhaupt davon sprechen kann – möglichst übersichtlich darzustellen, hier ein ‚Stammbaum‘:

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149,29f. in: Novalis (2004), S. S.. 149, 32 in: Novalis (2004), S. S.. 151,1ff. in: Novalis (2004), S. Vgl..

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Ein weiteres Diagramm ermöglicht die Zuordnung der Akteure und ihrer jeweiligen Welten bzw. Weltenzugriffe:

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Literatur Albert, Claudia (1998): Novalis (d. i. Georg Philipp Friedrich Freiherr v. Hardenberg). In: Metzler-Autoren-Lexikon: Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart,, S. 653–654.. Ehrensperger, Oskar Serge (1965): Die epische Struktur in Novalis’ „Heinrich von Ofterdingen“. Eine Interpretation des Romans. Winterthur: Hans Schellenberg.. Engel, Manfred (1991): „Neue Mythologie“ in der deutschen und englischen Frühromantik. William Blakes The Marriage of Heaven and Hell und Novalis’ Klingsohr-Märchen. In: arcadia 26,, S. 225–245.. Esselborn, Hans (1987): Poetisierte Physik. Romantische Mythologie in Klinsohrs Märchen. In: Aurora, 47, S. 137–158.. Hegel, G. W. F. (1796/97): Das älteste Systemprogramm des Deutschen Idealismus. In: Moldenhauer, Eva/Michel, Karl Markus (Hrsg.): Werke in zwanzig Bänden. Frankfurt a.M. (1970), I: Frühe Schriften, S. 234–236.. Novalis (1960ff.): Brief vom 23. Februar 1800 an Ludwig Tieck. In: Kluckhohn, Paul/Samuel, Richard (Hrsg.): Schriften. Die Werke Friedrich von Hardenbergs. Band IV (1975), 2. Auflage. Stuttgart: Kohlhammer, S. 322–323.. Novalis (2004): Heinrich von Ofterdingen. Band 8939, Stuttgart: Reclam.. Ritzenhoff, Ursula (1999): Erläuterungen und Dokumente. Novalis (Friedrich von Hardenberg) Heinrich von Ofterdingen. Band 8181, Stuttgart: Reclam.. Schiller, Friedrich (1. Fassung von 1788): Die Götter Griechenlandes. In: Fricke, Gerhard/Göpfert, Herbert G. (Hrsg.): ders., Sämtliche Werke. München (1980), I, S. 163–169.. Schlegel, Friedrich (1800): Rede über die Mythologie. In: Rasch, Wolfdietrich (Hrsg.): Kritische Schriften. München (1970), S. 496–503.. Wetzels, Walter D. (1973): Klingsohrs Märchen als Science Fiction. In: Monatshefte für deutschen Unterricht, deutsche Sprache und Literatur, 65, S. 167–175..

vii Diese Arbeit wurde im Sommersemester 2005 von Anna-Maria Müller erstellt und eingereicht.

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